Die Pelletheizung – Funktion, Kosten und Alternativen im Überblick

ARNE GONSCHOR

AKTUALISIERT AM: 08.08.2022

ARNE GONSCHOR
AKTUALISIERT AM: 08.08.2022


Eine Pelletheizung gewinnt Heizwärme und Warmwasser aus der Verbrennung von Holzabfällen. Das macht die Pelletheizung in den Augen vieler Hausbesitzer zu einer umweltfreundlichen Alternative zur alten Öl- oder Gasheizung. Doch wie nachhaltig ist das Heizen mit Holz? Und eignet sich eine Pelletheizung für jedes Haus?

Person nimmt eine Hand voll Holzpellets aus dem Vorrat

Diese Themen erwarten Sie:

Wie funktioniert eine Pelletheizung?

Holz ist die wohl älteste Wärmequelle der Menschheitsgeschichte. Bereits vor etwas mehr als 700.000 Jahren entdeckten unsere Vorfahren, dass sich durch die Verbrennung von Holz Wärme erzeugen lässt. Der modernste Vertreter der Holzheizung ist die Pelletheizung. Als Brennstoff nutzt dieses Heizsystem jedoch keine Äste oder Holzscheite mehr, sondern gepresste Stäbchen aus Holzabfällen und Sägespänen. Diese Stäbchen, auch Pellets genannt, geben der Pelletheizung ihren Namen.

Die Funktionsweise der Pelletheizung ist denkbar einfach: Aus dem Pelletlager werden vorrätige Holzpellets in den sogenannten Pelletkessel befördert. Die Dosierung der Pellets erfolgt dabei vollautomatisch. Im Pelletkessel selbst erfolgt dann die Verbrennung der zylinderförmigen Holzpresslinge. Im nächsten Schritt wird die daraus entstehende Wärme über einen Wärmetauscher direkt an die Heizkörper im Haus übertragen oder optional in einen Pufferspeicher geleitet.
Damit die Pelletheizung vollautomatisch betrieben werden kann, ist ein externer Lagerbehälter oder Lagerraum für die Pellets von Nöten. Zusammen mit dem Pelletkessel ergibt sich so allerdings ein verhältnismäßig hoher Platzbedarf von 10 Quadratmetern oder mehr. Daher ist  die Pelletheizung für kleinere Gebäude ohne Keller eher ungeeignet.

Pelletofen vs. Pelletkessel

Hausbesitzer, die mit Holz heizen möchten, haben die Wahl zwischen einem Pelletofen und einem Pelletkessel. Der größte Unterschied zwischen den beiden Heizformen ist ihre jeweilige Heizleistung. Pelletöfen sind in der Regel deutlich kleiner dimensioniert und sorgen – ähnlich wie ein Kamin – für Wärme und Ambiente in einem einzigen Raum. Pelletkessel hingegen können als alleinstehendes Heizsystem ein ganzes Haus mit Heizwärme und Warmwasser versorgen.

Die Vor- und Nachteile im Überblick

VorteileNachteile
Geringe BetriebskostenSehr hohe Anschaffungskosten
Hohe Förderung möglichHoher Platzbedarf
Umweltfreundliches Heizsystem (je nach Herkunft der Pellets)Holz hat eine begrenzte Versorgungssicherheit
Für den Neubau geeignetregelmäßige Wartung und Ascheentfernung

Holzpellets als Brennstoff

Pellets sind das Herzstück und der Energielieferant der Pelletheizung. In der Regel bestehen die kleinen Holzstäbchen aus getrockneten Industrieabfällen oder Holzresten der Forstwirtschaft, die unter hohem Druck in eine genormte, zylindrische Form gepresst werden. Diese Form der Verarbeitung ermöglicht eine höhere Energiedichte sowie eine leichtere Lagerung gegenüber klassischen Holzscheiten oder Hackschnitzeln.

Wie bei der Verbrennung von Holz üblich, fällt auch im Fall der Pellets Asche als Abfallprodukt an. Diese Asche wird in der Pelletheizung meist separat aufgefangen und komprimiert. Trotzdem müssen Sie die Asche beim Betrieb einer Pelletheizung alle 1-2 Wochen händisch entfernen. Außerdem bedarf der Pelletkessel selbst alle 4-6 Wochen einer gründlichen Reinigung, bei der vor allem mögliche Ascherückstände beseitigt werden müssen.

Holzpellets vor Holzscheit mit Kaminfeuer im Hintergrund
Holzpellets dienen als Energielieferant

Bei der Wahl Ihrer Pellets sollten Sie außerdem die Güteklasse sowie etwaige Siegel im Auge behalten. Pellets der Klasse A1 haben beispielsweise die höchste Energiedichte und einen besonders niedrigen Ascheanteil. Etwas günstiger – dafür aber auch ineffizienter – sind dagegen die Pellets der Klasse A2. Für Pellets aus möglichst nachhaltiger Produktion sollten Sie beim Kauf unbedingt auf Pellets mit DIN-Plus oder EN-Plus-Zertifikat setzen.

Heizen mit Holz – Ist das nachhaltig?

Holz ist ein regenerativer, also ein nachwachsender Rohstoff. Das macht die Pelletheizungen folglich zu einer erneuerbaren Heizung. Ein weiterer Pluspunkt: Beim Heizen mit Holz wird immer nur soviel CO2 freigesetzt, wie auch bei der natürlichen Verrottung des Holzes entstehen würde. Diese Menge ist verschwindend gering, im Normalbetrieb kann man mit ca. 20 Gramm CO2 pro Kilowattstunde rechnen. Öl- oder Gasheizungen hingegen verursachen knapp 250-350 Gramm pro Kilowattstunde.

Das Problem ist allerdings: Aktuell kann Holz auf natürliche Weise nicht so schnell nachwachsen, wie es abgeholzt wird. Daran ändert auch der Umstand, dass die Pellets aus Holzabfällen gewonnen werden, erst einmal wenig. Des Weiteren sind selbst Holzabfälle nur begrenzt verfügbar. Dadurch können – zumindest rein rechnerisch – nicht alle Gebäude in Deutschland mit Pelletheizungen beheizt werden.

Wenn Sie sich trotzdem für eine Pelletheizung entscheiden, sollten Sie bei der Auswahl Ihrer Pellets unbedingt auf ein Forstgebiet mit Maßnahmen zur Wiederaufforstung setzen. Versuchen Sie außerdem, die Transportwege durch die Wahl eines regionalen Anbieters möglichst kurz zu halten. Das verbessert die Ökobilanz weiter.

Die Kosten einer Pelletheizung

Die Gesamtkosten einer Pelletheizung setzen sich aus den Kosten für das Pelletlager, dem Pelletkessel, sowie den Brennstoffkosten selbst zusammen. Die Anschaffung von Pelletlager und Pelletkessel sind dabei in der Regel einmalige Investitionen. Wenn Sie die Kosten für diese beiden Komponenten sowie Lieferung und Montage zusammenrechnen, kommen Sie beim Kauf einer Pelletheizung schnell auf Investitionskosten von rund 15.000 € bis 25.000 €. Die Brennstoffkosten, die sich vor allem durch den Kauf der Holzpellets ergeben, fallen hingegen jährlich an und belaufen sich auf etwas mehr als 1.000 € jährlich.

Investitionskosten

Pelletlager

Wie hoch die Kosten für die Pelletlagerung ausfallen, hängt von der Art des Lagers ab. Wenn Sie beispielsweise einen freien Raum im Keller zur Verfügung haben, können Sie diesen für knapp 1.000 € in einen Lagerraum umfunktionieren. Etwas teurer wird es, wenn Sie ein flexibles, externes Lager nutzen möchten. In diesem Fall käme ein Sacksilo oder ein Pellettank in Frage. Diese beiden Lagermöglichkeiten kosten je nach Größe und Qualität zwischen 2.000 und 4.000 Euro. Die teuerste, aber auch platzsparendste Variante der Pelletlagerung ist ein sogenannter Erdbunker. Durch die anfallenden Erdarbeiten kommen Sie hier auf Investitionskosten von bis zu 6.000 €.

Pelletkessel

Der zweite große Kostenpunkt bei der Anschaffung einer Pelletheizung ist der Pelletkessel. Je nach Qualität, Hersteller und Verfügbarkeit variieren die Preise hier zwischen 6.000 und 12.000 Euro. Hinzu kommen noch weitere Kosten für die Lieferung sowie Einbau des Pelletkessels. Diese schlagen, je nach Region und Dienstleister, mit 2.000 bis 3.000 Euro zu Buche.

Zubau Pelletheizungen
Trotz hoher Anschaffungskosten auf dem Vormarsch: Die Pelletheizung

Betriebskosten

Neben den einmaligen Investitionskosten fallen bei einer Pelletheizung auch jährliche Betriebskosten an. Der größte Kostenfaktor ist in diesem Fall die Anschaffung der Holzpellets. Ende 2021 lag der Pelletpreis zwischen 300 und 325 Euro für eine Tonne Pellets. Bei einem Einfamilienhaus mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von knapp 4.500 Kilogramm entstehen so Kosten von 1.350 € – 1.462 €. Wie hoch die jährlichen Kosten genau sind, hängt jedoch stark von Ihrem persönlichen Heizbedarf, Ihrem Zulieferer sowie dem Zeitpunkt der Bestellung ab.
Des Weiteren sollten Sie eine jährliche Wartung des des Heiz- und Fördersystems durch einen Fachbetrieb vornehmen lassen. Diese kostet in der Regel knapp 300 € und ist für die reibungslose Funktion Ihrer Pelletheizung unabdingbar.

Fördermöglichkeiten

Pelletheizungen sind deutlich umweltfreundlicher als bestehende Öl- und Gasheizungen. Das weiß auch der Gesetzgeber. Entsprechend wird der Kauf einer Pelletheizung im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) bezuschusst. Konkret erhalten Sie mindestens 10% der förderfähigen Investitionskosten als Förderung vom Staat. Tauschen Sie Ihre alte Öl-, Kohle oder Nachtspeicherheizung gegen eine neue Pelletheizung, winken sogar noch einmal 10 Prozent extra. Auch beim Austausch einer funktionstüchtigen mindestens 20 Jahre alten Gasheizung, kann ein Bonus von 10% hinzukommen. Insgesamt ist so eine Förderung von bis zu 20% bei förderfähigen Kosten von maximal 60.000 € möglich.

Umweltfreundliche Alternativen zur Pelletheizung

Pelletheizungen sind beinahe emissionsfrei und relativ kostengünstig im Betrieb. Das macht sie – anders als teure und umweltschädliche Öl- und Gasheizungen – zu einem Heizsystem mit Zukunft. Allerdings brauchen Pelletheizungen eine Menge Platz und sind so nicht in jedem Haus problemlos einsetzbar. Außerdem ist Holz als Rohstoff aus ökologischer Sicht nicht ganz unbedenklich. Doch welche umweltfreundlichen Alternativen gibt es?

Solarthermie

Solarthermieanlagen wandeln die Energie der Sonne in nutzbare Heizwärme oder Warmwasser um. Einmal installiert, geschieht dies vollkommen umsonst und emissionsfrei. Eine vollwertige Alternative zur Pelletheizung ist die Solarthermieanlage jedoch nicht. Das liegt daran, dass solarthermische Anlagen nicht den gesamten Heizenergiebedarf eines Hauses decken können. Entsprechend wird die Solarthermie meist als ergänzende Technologie zur kostenlosen Warmwasserproduktion im Sommer eingesetzt.

Luft-Wasser-Wärmepumpe

Eine echte Alternative zur Pelletheizung ist die Luft-Wasser-Wärmepumpe. Diese wandelt die Energie der Umgebungsluft mit Hilfe des hauseigenen Stroms in nutzbare Heizwärme um. Beziehen Sie den dafür benötigten Strom aus 100% regenerativen Energien oder einer eigenen Photovoltaikanlage, sind mit einer Wärmepumpe sogar null Gramm CO2-Emissionenbeim Heizen möglich. Des Weiteren ist die Umgebungsluft als Energiequelle vollständig regenerativ und unabhängig von externen Faktoren verfügbar.

Preislich bewegt sich die Wärmepumpe dabei in einem ähnlichen Spektrum wie die Pelletheizung. In beiden Fällen ist mit ca. 15.000 bis 25.000 Euro Investitionskosten sowie knapp 1.600 € an jährlichen Betriebskosten (inkl. Wartung) zu rechnen. Zum Vergleich: Mit einer Gasheizung kommen Sie im Einfamilienhaus aktuell auf fast 2.500 € Heizkosten jährlich (Stand: Ende 2021). 

Der große Pluspunkt der Wärmepumpe gegenüber der Pelletheizung ist ihre kompakte Größe. Während Pelletlager und -kessel zusammen 10m2 oder mehr an Grundfläche benötigen, kommen manche Wärmepumpen Modelle mit gerade einmal einem Quadratmeter Stellfläche aus. Somit eignet sich die Wärmepumpe bestens für Häuser ohne Keller oder separaten Heizungsraum.

Pelletheizung oder Wärmepumpe?

Beide Heizsysteme nehmen sich im direkten Vergleich nicht viel. Sowohl bei den Investitionskosten als auch bei den Ausgaben im Betrieb liegen beide ungefähr auf einer Höhe. Des Weiteren setzen sowohl die Pelletheizung als auch die Wärmepumpe auf einen regenerativen Energieträger. Am Ende dürfte vor allem der verfügbare Platz in Ihrem Haus sowie die persönliche Präferenz bei der Wahl des Energieträgers den Ausschlag für eins der beiden Heizsysteme geben.


Pelletheizung

Luft-Wasser-Wärmepumpe

Investitionskosten

15.000 € - 25.000 €

20.000 € - 35.000 €

Jährliche Betriebskosten

ca. 1.300 € Heizkosten

ca. 300 € Wartung

ca. 1.500 € Heizkosten

ca. 150 € Wartung

Förderung

bis zu 20%

bis zu 40%

Energieträger

Holzpellets

Umgebungsluft (75%)

Hausstrom (25%)

CO2-Bilanz

ca. 20 g CO2/kWh

0-100 g CO2/kWh (je nach Stromtarif)

Wartungsaufwand

mittel

gering

Platzbedarf

hoch

gering

Geeignet für den Altbau?

ja

ja

Wärmepumpe planen und umweltfreundlich heizen

Das könnte Sie auch interessieren