Strompreise 2022 – Das müssen Sie dieses Jahr bezahlen

NADINE KÜMPEL

AKTUALISIERT AM: 27.06.2022

NADINE KÜMPEL
AKTUALISIERT AM: 27.06.2022


34 Cent – so hoch ist der durchschnittliche Strompreis 2022. Wechselt man den Anbieter, wird sogar meist noch mehr fällig. Teilweise gibt es sogar Stromanbieter, die Preise von über 90 Cent pro Kilowattstunde verlangen. Woher kommen diese hohen Preise und wie wird sich der Strompreis im Laufe des Jahres und in Zukunft entwickeln?

Diese Themen erwarten Sie:

Aktueller Strompreis 2022 in der Übersicht

Im Frühjahr 2022 liegt der Strompreis für Bestandskunden im Durchschnitt bei 34,6 Cent. Das ist so viel wie noch nie und gegenüber den 2021 durchschnittlichen 31,89 Cent ein saftiger Anstieg. Viele Verbraucher haben Ende 2021 oder Anfang 2022 Post von ihrem Stromversorger bekommen und wurden über Preiserhöhungen informiert. Dieser Anstieg der Verbraucherpreise geht auf explodierende Börsenstrompreise zurück. 

Teilweise kostet Strom an der Börse derzeit 500 Euro pro Megawattstunde. Stromanbieter, die Kunden mit besonders günstigen Angeboten geworben haben, konnten hier häufig nicht mithalten. So musste unter anderem auch der Anbieter Stromio Ende 2021 seine Lieferungen einstellen. Kunden, die von so einer Pleite betroffen sind, fallen in die Ersatzversorgung und müssen sich genau wie Personen, die gerade umziehen, einen neuen Stromanbieter suchen.

Hier gelten noch höhere Preise: Für Neukunden liegt der Strompreis aktuell im Durchschnitt bei 43 Cent. Teilweise werden sogar Tarife für über 90 Cent pro Kilowattstunde geboten.

Entwicklung der Strompreise bis 2022
Strompreise bis 2022

Warum ist Strom derzeit so teuer?

Die aktuellen Rekordpreise haben vielfältige Gründe. Hauptgrund ist die gestiegene Nachfrage nach Strom, aber auch Lieferengpässe, gestiegene Netzentgelte und der CO2-Preis haben ihren Anteil an den Preissteigerungen.

1. Gas-Lieferengpässe

Steht nicht genug Strom aus Erneuerbaren Energien zur Verfügung, wird auf Strom aus Kohle- und Gaskraftwerken zurückgegriffen. Gas hatte 2021 einen Anteil von 15% an der deutschen Stromerzeugung. Die Gaspreise haben in den vergangenen Monaten aber deutlich zugelegt, denn Russland hat seine Gaslieferungen gedrosselt.

2. Gestiegene Nachfrage

Nach den ersten Corona-Wellen fährt die Industrie die normale Produktion zunehmend wieder hoch. Das steigert die Nachfrage nach Strom. Aber auch die Nachfrage der Verbraucher steigt durch viel Zeit zu Hause und im Home-Office.

3. Hohe kurzfristige Preise

Müssen Stromanbieter ihre Nachfrage kurzfristig decken, müssen sie häufig Strom aus der teuersten Herstellungsart kaufen. Während diese Preise für kurzfristigen Strom Anfang 2021 noch bei ca. 60€ lagen, liegen sie Anfang 2022 bei 169€. Somit hat sich der Preis an der kurzfristigen Strombörse mehr als verdoppelt. Anbieter, die auf diesen Strom zurückgreifen, müssen daher ihre Preise anheben.

4. Weniger Wettbewerb

Während früher ein großer Preisdruck im Strommarkt herrschte und viele Kunden für einen günstigeren Tarif und Neukundenboni jährlich den Anbieter wechselten, nehmen die vielen Pleiten von Anbietern und die steigenden Preise den Druck aus dem Markt. Ein Anbieter muss nicht mehr zwingend der günstigste sein, sondern es zählt zunehmend auch die Vertrauenswürdigkeit. Gut möglich, dass dieser Effekt jedoch nur kurzzeitig anhält. Sollten sich die Preise wieder normalisieren und die Zahl der Anbieter , wird auch die Preisschlacht von neuem beginnen.

5. Steigende Netzentgelte

Nicht zuletzt steigen die Netzentgelte, also die Gelder, die Stromanbieter den Netzanbietern zahlen müssen, um 4%. Da Netzentgelte knapp ein Viertel des gesamten Strompreises ausmachen, hat auch dies einen signifikanten Einfluss auf den Strompreis für Verbraucher. Die höheren Abgaben an die Netzbetreiber begründen sich vor allem durch den für die Energiewende notwendigen Ausbau der Stromnetze.

Ausblick 2022: Wie wird sich der Strompreis im Laufe des Jahres entwickeln?

Ob sich die Entwicklung im Laufe des Jahres fortsetzt oder die Preise sich wieder normalisieren, kann aktuell nicht genau vorhergesagt werden und ist von zahlreichen Faktoren abhängig. Viele erwarten für 2022 weiterhin steigende Strompreise, denn auch Anbieter, die Strom langfristig kaufen, spüren aktuell einen Preisdruck. Ende des Jahres werden zudem die letzten Atomkraftwerke und auch einige Steinkohlekraftwerke abgeschaltet. Kurzfristig könnte sich der Preisanstieg durch Gaslieferungen aus den USA etwas abschwächen. Auch ein sonnenreicher Sommer oder hohe Windlasten könnten im Laufe des Jahres zu einer Preisentspannung führen. Zudem wird am 01.07.2022 die EEG-Umlage abgeschafft.

Prognose für die nächsten Jahre

Auch wenn kurzfristig Entspannungen möglich sind, sollte langfristig mit steigenden Strompreisen gerechnet werden. Das liegt daran, dass die zunehmende Umstellung der Bereiche Mobilität und Wärme den Strombedarf nochmals deutlich nach oben treiben wird. Strombetriebene Wärmepumpen werden dann zur Standardheizung im Privathaus und der Individualverkehr wird überwiegend mit Elektroautos und elektrisch betriebenen Zügen, Bussen und Bahnen abgewickelt. Auch in der Industrie steigt der Strombedarf. Zwar ist Strom aus erneuerbaren Energien kostengünstig, bis jedoch genug Erneuerbare zugebaut wurden, um den hohen Bedarf zu decken, werden noch Jahre vergehen. Auch der Netzausbau muss bis dahin deutlich vorangehen, was wiederum die Netzentgelte in die Höhe treiben wird.

Die gute Nachricht: Verbraucher, die sich den steigenden Preisen (zumindest zum Großteil) entziehen möchten, können selbst in erneuerbare Energien investieren. Eine eigene Solaranlage auf dem Dach erzeugt Strom für nur ca. 10 Cent pro Kilowattstunde. Ist die Anlage amortisiert, ist der Strom vom eigenen Dach sogar praktisch kostenlos. Nur Kosten für Wartung und Reparatur schlagen dann noch zu Buche. Auch eine Wärmepumpe kann teilweise mit Strom aus der eigenen Solaranlage versorgt werden. Wer kein eigenes Haus besitzt, kann sich auch eine kleine Solaranlage am Balkon montieren. 

Empfehlungen für Verbraucher

Die Strompreise 2022 machen Ihnen zu schaffen? Eine Lösung ist die Anschaffung einer eigenen Photovoltaikanlage. Manchmal ist dies aus finanziellen Gründen jedoch nicht möglich oder aber man ist nur Mieter. Und auch Besitzer einer Solaranlage müssen in der Regel noch eine Restmenge Strom aus dem Netz bestehen. 

Für Kunden, deren Anbieter nicht pleite ist, lohnt ein Wechsel zu einem anderen Anbieter aktuell in aller Regel nicht. Hier können Energiesparmaßnahmen wie der Austausch ineffizienter Geräte und Vermeidung von unnötigem Verbrauch die Stromrechnung im Rahmen halten.
Ist man aber auf einen neuen Anbieter angewiesen oder möchte man dennoch sichergehen, dass es keinen günstigen Tarif gibt, kann man zunächst einmal die Preisportale Check24 oder Verivox nutzen. Hier werden verfügbare Tarife für Ihre Postleitzahl ausgespuckt. Da der Markt derzeit so angespannt ist, sind hier jedoch aktuell nicht alle verfügbaren Anbieter verzeichnet. Manchmal lohnt es sich auch bei einem bekannten lokalen Anbietern direkt nach Angeboten zu suchen. Wichtig zu wissen ist: Durch die Preisexplosion sind derzeit in vielen Fällen die traditionell als teuer geltenden Stadtwerke eine günstige Option.

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