Die CO2-Steuer – Kosten, Entwicklung und Folgen für Verbraucher

ARNE GONSCHOR

AKTUALISIERT AM: 08.02.2022

ARNE GONSCHOR
AKTUALISIERT AM: 08.02.2022


Die CO2-Steuer gilt als eines der wichtigsten politischen Instrumente im Kampf gegen klimaschädliche Treibhausgasemissionen. Doch wie genau funktioniert die CO2-Steuer? Wird in den kommenden Jahren für Verbraucher alles immer teurer? Und wofür werden die Einnahmen aus der CO2-Steuer eigentlich verwendet?

Landwirtschaftlich genutztes Feld mit Schornsteinen eines Kraftwerks im Hintergrund

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Eine Steuer auf CO2 – Was bedeutet das überhaupt?

Die CO2-Steuer – auch CO2-Abgabe oder im englischen carbon tax genannt – ist eine Umweltsteuer, die auf die Emission klimaschädlicher Treibhausgase erhoben wird. Das heißt im Klartext: Für jedes Produkt und jeden Rohstoff, der bei der Produktion oder Bereitstellung Kohlenstoffdioxid (CO2) oder anderen Treibhausgase freisetzt, wird eine zusätzliche Abgabe in Form der CO2-Steuer fällig. Aktuell, im Jahr 2022, liegt diese bei 30 € pro Tonne CO2. Durch die CO2-Steuer sollen klimaschädliche Produkte und Technologien für Industrie und Verbraucher zunehmend unattraktiv werden. Zeitgleich soll durch die CO2-Steuer aber auch die Wettbewerbsfähigkeit von klimafreundlichen Produkten, sowie die Investition in klimafreundliche Alternativen steigen.

Die wichtigsten Wirkungsweisen der CO2-Steuer im Detail

  1. Verringerung der Treibhausgasemissionen: Durch die im Januar 2021 eingeführte CO2-Steuer müssen Unternehmen mehr Geld für die Produktion und Bereitstellung ihrer (klimaschädlichen) Produkte und Rohstoffe zahlen. Diesen Preisanstieg geben die Unternehmen meist unmittelbar an die Verbraucher weiter. Das führt bereits jetzt dazu, dass Rohstoffe wie Benzin, Heizöl oder auch Erdgas zunehmend teurer werden. Der Preisanstieg soll dazu führen, dass Verbraucher nach und nach auf umweltfreundliche und somit günstigere Alternativen umsteigen, wodurch langfristig weniger CO2 emittiert wird.
  2. Bessere Wettbewerbschancen: Die eingeführte CO2-Steuer sorgt dafür, dass ehemals kostengünstige, aber klimaschädliche Technologien zunehmend teurer werden. Diese Entwicklung macht sich derzeit besonders bei fossilen Heizungen oder Autos mit Verbrennungsmotor bemerkbar. Durch die CO2-Steuer werden klimafreundliche Alternativen wie die Wärmepumpe oder das E-Auto – die aktuell noch etwas mehr kosten als ihre klimaschädlichen Vorgänger – zunehmend wettbewerbsfähiger und somit auch für Verbraucher und Industrie immer attraktiver.
  3. Investition und Kompensation: Die CO2-Steuer soll jedoch nicht nur Anreize beim Kaufprozess schaffen, sondern auch mögliche gesellschaftliche Ungerechtigkeiten ausgleichen. So soll beispielsweise ein Teil der Einnahmen aus der CO2-Steuer zur Kompensation der steigenden Haushaltsausgaben verwendet werden – die sogenannte Klimaprämie. Gleichzeitig sollen durch die CO2-Steuer aber auch Förderprogramme und Zuschüsse für klimafreundliche Technologien, sowie der Umbau der öffentlichen Infrastruktur finanziert werden.

So wird sich die CO2-Steuer in den nächsten Jahren entwickeln

Die aktuelle Form der CO2-Steuer wurde im Januar 2021 in Deutschland eingeführt und gilt seitdem für die Energiewirtschaft und die Industrie, sowie den Verkehrs- und Gebäudesektor. Der damalige “Einstiegspreis” für eine Tonne des klimaschädlichen Gases lag bei 25 € pro Tonne. Dieses Jahr wurde die Steuer bereits auf 30 € pro Tonne angehoben. Bis 2025 soll die Abgabe nun nach und nach bis auf 55 € pro Tonne steigen. Ab 2026 soll die CO2-Steuer sich dann an den jährlichen Emissionen orientieren und über einen sogenannten Emissionshandel geregelt werden.

Zum Erreichen der Pariser Klimaziele reichen diese Maßnahmen jedoch nicht aus. Verschiedene Studien kommen zu dem Schluss, dass die CO2-Steuer in Zukunft deutlich stärker ansteigen müsste als bisher geplant. Die Grundlage dafür bilden die sogenannten sozialen Kosten pro CO2-Emission – also die Kosten, die eine Tonne CO2 global tatsächlich verursacht. Aufgrund der ungenauen Bemessungsgrundlage ist ein exakter Wert hier schwer zu definieren, führende Ökonomen gehen allerdings von einer “gerechten” CO2-Steuer von durchschnittlich 196 $, also knapp 171 € aus.

CO2-Steuer pro TonneMehrkosten pro kWh GasMehrkosten im Einfamilienhaus
202230 €0,7 Cent126 €
202335 €0,8 Cent144 €
202445 €1,1 Cent198 €
202555 €1,3 Cent234 €
ab 2026 (Einführung nat. Emissionshandel)55 – 65 €1,3 – 1,6 Cent234 – 288 €

Die Folgen der CO2-Steuer für Verbraucher

Die CO2-Steuer macht sich bereits ein Jahr nach ihrer Einführung in vielen Bereichen des alltäglichen Lebens bemerkbar. In den vergangenen Monaten spürten Verbraucher die Abgabe besonders beim Begleichen ihrer Strom- und Heizkostenabrechnung oder an der Zapfsäule. Dabei sollte allerdings erwähnt werden, dass gerade die steigenden Strom- und Gaspreise bisher nur zu sehr geringen Teilen durch die CO2-Steuer beeinflusst werden. Hier spielen andere Faktoren wie der Rohstoffmangel und die Inflation derzeit noch eine größere Rolle.

CO2-Ausstoß unterschiedlicher Heizsysteme im Vergleich

Trotzdem sollten Verbraucher bereits heute erste Schritte einleiten, um ihre persönlichen CO2-Emissionen nach und nach zu verringern. So kann beispielsweise eine Luft-Wasser-Wärmepumpe anstelle der alten Öl- oder Gasheizung zum Heizen genutzt werden. Damit sparen Hausbesitzer bereits heute bis zu 70% ihrer Emissionen in diesem Bereich ein. Sollte Deutschland den Wechsel zu 100% erneuerbaren Energien schaffen, kann mit einer Wärmepumpe sogar völlig emissionsfrei – und damit noch kostengünstiger – geheizt werden.

Investitionen in Bahn, E-Autos und nachhaltige Technologien

Die CO2-Steuer bringt jedoch nicht nur steigende Preise für Verbraucher mit sich. Mit den zusätzlichen Einnahmen möchte der Staat vielmehr klimafreundliche Alternativen fördern und die öffentliche Infrastruktur erneuern. Dazu könnten unter anderem die Fortführung der Kaufprämien für Elektroautos und Wärmepumpen, sowie der Ausbau des Bahnnetzes und der öffentlichen Fahrradwege zählen. Solche Maßnahmen könnten viele Haushalte beim Erwerb einer klimafreundlichen Heizung unterstützen und ihnen so auf lange Sicht viel Geld sparen.

Gleichzeitig könnten die Einnahmen aus der CO2-Steuer auch für eine sogenannte Klimaprämie genutzt werden. Diese Pro-Kopf-Rückerstattung würde die steigenden Ausgaben der Verbraucher kompensieren und dabei vor allem Haushalte mit niedrigem Einkommen entlasten. 

CO2-Steuer vs. Emissionshandel

Die CO2-Steuer beträgt derzeit 30 € pro Tonne CO2. Bis 2025 soll die Abgabe stückweise bis auf 55 € pro Tonne angehoben werden. Nach dieser “Einführungsphase” wird das derzeitige Modell der CO2-Steuer dann dem sogenannten Emissionshandel, also einer Art CO2-Börse, weichen. Möchte – oder muss – ein Unternehmen ab diesem Zeitpunkt CO2 emittieren, muss es dafür die entsprechende Menge an “Verschmutzungsrechten” per Auktion ersteigern. Das Gesamtvolumen der verfügbaren CO2-Zertifikate wird dabei entsprechend der jährlichen Klimaziele begrenzt; der genaue Preis pro Zertifikat bildet sich wiederum durch Angebot und Nachfrage. Im ersten Jahr des Emissionshandels soll dieser jedoch nicht über 65 € pro Tonne steigen.

Innerhalb der europäischen Union findet ein solcher Handel mit Zertifikaten bereits seit 2005 statt. Dabei wurde das System immer wieder angepasst und um verschiedene Klimagase erweitert. Im Juli 2021 lag der Preis für eine Tonne CO2 an der EU-Emissionsbörse (EU ETS) bei ca. 65 €. Dieser hohe Preis kommt allerdings auch durch den zunehmenden Handel mit CO2-Zertifikaten durch Banken und Spekulanten zustande.

Die CO2-Steuer – unser wichtigstes Instrument für mehr Klimaschutz?

CO2-Emissionen senken, Innovation vorantreiben, und trotzdem die Bevölkerung nicht zu sehr mit steigenden Kosten belasten – der Kampf gegen den Klimawandel gleicht einem Balanceakt. Umso wichtiger sind deshalb marktwirtschaftliche Instrumente wie die CO2-Steuer. Mit dieser lassen sich gezielt Anreize gegen den Kauf klimaschädlicher Technologien und Produkte setzen, während die zusätzlichen Einnahmen gleichzeitig in Förderprogramme und eine Pro-Kopf-Rückerstattung wie die Klimaprämie investiert werden können.

Wie groß die Wirkung der CO2-Steuer tatsächlich sein wird, ist dabei noch schwer einzuschätzen. Entscheidend hierfür ist, wie sich der tatsächliche Preis pro Tonne CO2 in den kommenden Jahren entwickeln wird und welche Bereiche in Zukunft ebenfalls von der Steuer betroffen sein werden. Gegenüber dem zunehmend spekulativen Emissionshandel scheint die feste CO2-Steuer jedoch eine besser zu kalkulierende Lenkungswirkung zu haben. Unter diesem Gesichtspunkt ist es vermutlich nicht ratsam, die aktuelle – sowieso schon zu niedrige – CO2-Steuer bereits 2026 durch einen Emissionshandel zu ersetzen. 

Als Verbraucher können Sie jedoch schon heute – unabhängig von der Entwicklung der politischen Instrumente – Ihren CO2-Fußabdruck verringern und so in Zukunft erheblich Kosten einsparen. Denn wie immer beim Thema Klimaschutz gilt: Eine Maßnahme alleine wird nicht den Wandel bringen.

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