Heizungstausch – Gesetzliche Vorgaben, Heizsysteme und Fördermöglichkeiten

NADINE KÜMPEL

AKTUALISIERT AM: 20.12.2021

NADINE KÜMPEL
AKTUALISIERT AM: 20.12.2021

Alte Heizungen verbrauchen viel Energie und treiben die Heizkosten in die Höhe. Nach 30 Jahren ist der Heizungstausch nach dem Gebäudeenergiegesetz Pflicht. Manchmal ist der Tausch aber auch schon früher sinnvoll. Wir erklären wann Sie über einen Austausch nachdenken sollten, welche Heizungen in Frage kommen und was Sie sonst noch beachten sollten.

Rohrsystem einer Heizungsanlage in Keller

Diese Themen erwarten Sie:

Austauschpflicht nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG)

Das Gebäudeenergiegesetzt schreibt vor, dass Heizungen, die mit flüssigen oder gasförmigen Brennstoffen beheizt werden, nach 30 Jahren ersetzt werden müssen (vgl. §72 GEG).

Ausnahmen

Die Austauschpflicht gilt nicht für Niedertemperatur-Heizkessel oder Brennwertkessel. Denn diese arbeiten bereits verhältnismäßig effizient und müssen nicht zwangsläufig ersetzt werden. Außerdem sind Heizungen kleiner 4 kW oder größer 400 kW ausgenommen. Auch Heizkessel für besondere Brennstoffe, Anlagen, die nur Warmwasser bereiten, Küchenherde und Heizgeräte, die hauptsächlich für einen Raum ausgelegt sind, werden nicht von der Pflicht erfasst. 

Sind Sie Eigentümer eines Ein- oder Zweifamilienhauses mit maximal 2 Wohnungen und bewohnen dieses bereits seit dem 01.02.2002 selbst, sind Sie ebenfalls von der Austauschpflicht ausgenommen. Wird das Eigentum allerdings später durch Kauf, Schenkung oder Erbe von einer anderen Person übernommen, besteht die Pflicht wieder und der neue Eigentümer hat zwei Jahre Zeit für den Austausch.

So bestimmen Sie das Alter Ihrer Heizung

Möchten Sie das Alter Ihrer Heizung bestimmen, sollten Sie zunächst einen Blick auf das Typenschild Ihrer Heizung werfen, das sich direkt auf dem Heizkessel befindet. Wenn der Kessel gedämmt ist, ist das Typenschild jedoch oft nicht gut erkennbar. In diesem Fall können Sie auch die letzten Protokolle Ihres Schornsteinfegers auslesen. Ist auch das nicht möglich, sollten Sie einen Fachmann bestellen, der das Alter und den Zustand Ihrer Heizung bestimmt.

Wann ist ein früherer Austausch sinnvoll?

Meist ist es nicht ratsam die gesetzliche Austauschpflicht abzuwarten, denn ineffiziente Heizungen schrauben die Heizkosten in die Höhe. Trifft einer dieser Faktoren zu, ist der Heizungstausch meist sinnvoll: 

  • die Heizung hat einen Defekt und es sind aufwendige Reparaturen notwendig
  • die Emissionswerte wie CO2 und Ruß sind zu hoch
  • Ihr Kellerraum ist sehr warm, da die Heizung viel Wärme an den Aufstellraum abgibt
  • Sie sanieren Ihr Gebäude umfassend (neue Dämmung, Fenster, Türen)
  • Wunsch nach Modernisierung (Heizungsregelung, niedrigeren Heizkosten)

Defekt der Heizung

Fällt Ihre Heizung aus oder es wird festgestellt, dass kostspielige Reparaturarbeiten nötig sind um die Funktionstüchtigkeit der Heizung zu erhalten, ist ein Austausch der Heizung ratsam. Denn muss die Heizung in wenigen Jahren ohnehin aufgrund der gesetzlichen Austauschpflicht ersetzt werden, sind Investitionen in die alte Heizungsanlage häufig unwirtschaftlich.

Zu hohe Emissionswerte

Alle zwei Jahre ist eine Abgasüberprüfung der Heizungsanlage durch den Schornsteinfeger verpflichtend. Dabei kann es vorkommen, dass der Schornsteinfeger zu hohe Emissionswerte feststellt. Häufig wird dies nicht überraschend bemerkt sondern schon bei vorigen Überprüfungen fällt auf, dass die Abgaswerte steigen und der Heizkessel schwächelt. Wenn der Schornsteinfeger Ihr Gerät sperrt, müssen Sie das Gerät innerhalb der gesetzlichen Frist austauschen.

Die Heizung gibt viel Wärme ab

Ist es am Aufstellort der Heizung sehr warm, deutet das darauf hin, dass die Heizung ineffizient arbeitet und viel Wärme an den Heizungsraum, statt an die Heizkörper abgibt. Auch hier sollte die Heizung ersetzt werden.

Sanierung des Gebäudes

Wird ein Gebäude umfassend saniert, wird häufig auch die alte Heizungsanlage gegen eine neue ausgetauscht. Denn ein Gebäude, dass weniger Energie verbraucht, kommt auch mit einer Heizung mit weniger Heizleistung und höherer Effizienz aus. Manchmal hebt sich der Energiestandard des Gebäudes so stark, dass ein klimafreundliches Heizsystem wie eine Wärmepumpe eingebaut werden kann. Durch den Austausch der Heizung zusätzlich zur Sanierung der Gebäudehülle sinken die Heizkosten weiter.

Wunsch nach Modernisierung

Manchmal erfüllt die alte Heizung nicht mehr die Ansprüche der Bewohner. Viele alte Heizungen lassen sich nicht mit Heizungsthermostaten und Smart Home Systemen kombinieren. So ist es mit alten Öl- und Gaskesseln oft nicht möglich durch eine gezielte Regelung der Raumtemperatur Heizkosten zu sparen und den Wohnkomfort zu steigern. Auch allgemein hohe monatliche Heizkosten können den Wunsch nach Veränderung wecken.

Welche Heizsysteme sind beim Austausch erlaubt?

Ein Ersatz der Heizung durch eine erneuerbare Heizung ist aktuell in den meisten Bundesländern noch nicht verpflichtend. Sie können Ihre alte Heizung also auch durch eine Öl- oder Gasheizung ersetzen. Erst ab 2026 dürfen laut dem Klimapaket der Bundesregierung keine neuen Ölheizungen mehr eingebaut werden dürfen. Lediglich in Baden-Württemberg besteht bei einem Tausch der Heizung in Bestandsgebäuden die Pflicht, dass der Wärmebedarf anschließend zu mindestens 15% aus erneuerbaren Energien gedeckt werden muss. Meist lässt sich dieser Prozentsatz schon durch eine kleine Solarthermieanlage erreichen. 

Dennoch wird beim Austausch einer Ölheizung durch eine Biomasseanlage, Wärmepumpenanlage oder eine erneuerbare Hybridheizung bereits jetzt ein Investitionszuschuss von 45% durch das BAFA gewährt. 

Welches Heizsystem ist das Richtige für mein Haus?

Auch wenn keine Pflicht zur Wahl einer erneuerbaren Heizung besteht, ist der Umstieg durchaus sinnvoll, denn erneuerbare Energien schonen das Klima und sind oft sogar kostengünstiger. Mögliche erneuerbare Heizsysteme sind Wärmepumpen, Holzheizungen wie etwa Pelletheizungen und Solarthermieanlagen.

Solarthermieanlagen können den Heizwärmebedarf nicht vollständig decken sondern müssen mit einer herkömmlichen Gas- oder Öl-Brennwertheizung kombiniert werden. Daher kommen sie vor allem in Frage, wenn wieder eine konventionelle Öl- oder Gasheizung angeschafft werden soll. Pelletheizungen können den Heizbedarf zwar vollständig decken, allerdings muss hierfür ein ausreichend großer Kellerraum zur Verfügung stehen.

Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe hingegen ist platzsparend und unkompliziert, im Bestand allerdings nur wirtschaftlich, wenn das Haus über einen ausreichenden Dämmstandard verfügt. Haben Sie einen jährlichen Heizwärmebedarf bis 16 kW und eine Vorlauftemperatur von höchstens 50 Grad (auch an kalten Wintertagen), ist der Einbau einer Wärmepumpe in den meisten Fällen sinnvoll. Sie sollten die Eignung Ihres Hauses für die Installation einer Wärmepumpe hier jedoch stets durch einen Fachbetrieb prüfen lassen.

Ist in Ihrem Keller nicht ausreichend Platz für eine Pelletheizung und Ihr Dämmstandard ist für eine Wärmepumpe zu gering, kann es auch sinnvoll sein eine moderne Gas-Brennwert-Heizung anzuschaffen. Diese sind mit 6.000€ – 9.000€ verhältnismäßig kostengünstig und erheblich effizienter als herkömmliche Gaskessel. Hierfür sollte allerdings geprüft werden, ob die vorhandenen Heizkörper für die niedrigen Systemtemperaturen geeignet sind. Unter Umständen müssen Sie die Heizkörper erneuern oder erneut eine normale Gasheizung installieren.

Tipp: hydraulischen Abgleich gleichzeitig mit dem Heizungstausch durchführen

Wird die Heizung ausgetauscht, lohnt es sich im gleichen Zug einen hydraulischen Abgleich durchzuführen. Bei diesem werden alle Druckverluste im Heizsystem aufeinander abgeglichen. So kann die Wärme wieder gleichmäßig im ganzen Haus verteilt werden und die Effizienz der Heizung steigt. Durch einen hydraulischen Abgleich kann der Energieverbrauch Ihrer Heizung um bis zu 25% gesenkt werden.

Der richtige Zeitpunkt

Bei einem Defekt der alten Heizung wird dem Besitzer oft keine Wahl gelassen, wann die Heizung ersetzt werden soll. Können Sie den Zeitpunkt aber frei wählen, sollten Sie den Heizungstausch unbedingt im Sommer durchführen. Die Raumheizung ist dann ohnehin überflüssig und bei warmen Temperaturen sind wenige Tage ohne warmes Brauchwasser besser verkraftbar als im Winter.

Förderung für den Heizungstausch

Da beim Heizungstausch eine alte ineffiziente Heizung durch ein modernes neues Gerät getauscht wird, können Hausbesitzer attraktive Fördermöglichkeiten in Anspruch nehmen.

KfW-Förderung

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet beim Heizungstausch die Möglichkeit einen Kredit mit günstigem Zinssatz und Tilgungszuschuss zu erhalten. Konkret steht hierzu das KfW-Programm 261, 262 zur Verfügung, welches Bestandteil der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) ist und die KfW-Kredite KfW 151,152, 430 und 167 ablöst. Ist der Heizungstausch Teil einer Sanierung zum KfW Effizienzhaus wird je nach Erreichung des Effizienzhausstandards ein entsprechender Tilgungszuschuss gewährt. Aber auch der Heizungstausch als Einzelmaßnahme kann gefördert werden. Hier hängt die Höhe der Förderung von der Umweltfreundlichkeit der neuen Heizung ab.

Wärmepumpen

Wärmepumpen erhalten einen Zuschuss von 35% der Investitionskosten. Ersetzt die Wärmepumpe eine Ölheizung, erhöht sich der Zuschuss auf 45%. Je nach Wärmepumpen- und Gebäudeart sind unterschiedliche Jahresarbeitszahlen Voraussetzung für die Förderung.

Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, die in ein Bestandsgebäude eingesetzt wird, muss für die Wärmeerzeugung mit einem Anteil von mindestens 25 Prozent eingebunden werden. Außerdem muss die Wärmepumpe mit mehr als 50% der erzeugten Wärme der Raumheizung oder der kombinierten Warmwasserbereitung und Raumheizung dienen. Alternativ müssen min. 50% der Wärme in ein Wärmenetz gehen.

Hinweis: Gefördert wird auch der Ersatz einer alten durch eine neue Wärmepumpe sowie die Erweiterungen einer bestehenden Heizung mit einer Wärmepumpe.

Solarthermieanlagen

Solarthermieanlagen, die zur Warmwasserbereitung und/oder Raumheizung, der Kälteerzeugung oder der Zuführung der Wärme/Kälte in ein Wärme- oder Kältenetz dienen, werden mit bis zu 30% der förderfähigen Kosten gefördert.

Holzheizungen

Die Förderung beträgt bis zu 35% der förderfähigen Investitionskosten. Gefördert werden

  • Kessel zur Verbrennung von Biomassepellets und –hackschnitzeln
  • Pelletöfen mit Wassertasche
  • Kombinationskesseln zur Verbrennung von Biomassepellets bzw. Hackschnitzeln und Scheitholz
  • sowie besonders emissionsarme Scheitholzvergaserkessel

Die Nennwärmeleistung muss mindestens 5 kW zur thermischen Nutzung betragen. 

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