Photovoltaik Speicher nachrüsten: Lohnt es sich? Kosten, Förderung & technische Voraussetzungen

NADINE KÜMPEL

AKTUALISIERT AM: 01.07.2021

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AKTUALISIERT AM: 01.07.2021

Ob sich die Nachrüstung eines Photovoltaik Speichers lohnt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wir berechnen die Wirtschaftlichkeit der Nachrüstung für verschiedene Beispielszenarien und erklären, wann Sie einen Speicher nachrüsten sollten. Falls Sie sich für die Nachrüstung entscheiden, geben wir einen Überblick über die technischen Voraussetzungen, Kosten und Fördermöglichkeiten für die Nachrüstung.

Hinweis: Wegatech bietet Stromspeicher nur in Kombination mit der Installation einer neuen Photovoltaikanlage an.

speicher nachrüsten

Wann die Nachrüstung lohnt

Ob sich die Nachrüstung eines Photovoltaik Speichers für Sie rentiert, hängt von vielen Faktoren ab. Vom wirtschaftlichen Standpunkt aus spielen unter anderem die Höhe Ihrer Einspeisevergütung, das Alter Ihrer Photovoltaikanlage, die Kosten des Stromspeichers und Ihre aktuelle Eigenverbrauchsquote eine Rolle. 

Aber die Anschaffung eines Stromspeichers kann auch eine andere Motivation haben. Möchten Sie unabhängiger von Ihrem Stromversorger werden, ist ein Stromspeicher immer eine gute Option. Auch in Puncto Klimaschutz liegen Sie mit einem Speicher richtig und können Ihre persönliche CO2-Bilanz verbessern.

Photovoltaik Speicher nachrüsten – Wirtschaftlichkeit

Installation der Photovoltaikanlage vor 2001

Haben Sie Ihre Photovoltaikanlage vor mehr als 20 Jahren installiert, erhalten Sie keine Einspeisevergütung mehr. Für diese Anlagen ist in der dieses Jahr in Kraft getretenen EEG-Novelle festgelegt, dass die Einspeisung zunächst bis 2027 mit dem Marktwert für den erzeugten Solarstrom vergütet wird. 2021 sind das etwa 2,36 Cent pro Kilowattstunde. Von diesem Wert werden 2021 nochmals 0,4 Cent für die Vermarktung des Stroms durch den Übertragungsnetzbetreiber abgezogen. Somit erhalten Sie nur eine geringe Vergütung für Ihren eingespeisten Strom. Ein Speicher, der Ihnen dazu verhilft mehr Solarstrom selbst zu nutzen statt einzuspeisen, scheint da sinnvoll. Altanlagen bis 30 KWp sind außerdem durch das neue EEG von der EEG-Umlage auf Eigenverbrauch befreit.

So einfach ist es jedoch nicht. Da Ihre Anlage schon über 20 Jahre in Betrieb ist und für Photovoltaikanlagen bisher nur eine Anlagenlebensdauer von 30 Jahren prognostiziert wird, ist es fraglich, ob es sich noch lohnt in einen Speicher zu investieren. Die Anschaffung eines Stromspeichers für Photovoltaikanlagen kostet ca. 6.000€ -10.000€. Oftmals sind die Zählerschränke bei älteren Photovoltaikanlagen nicht auf dem neuesten Stand, sodass der Zählerschrank für ca. 2.000€ erneuert werden muss. Auch der Wechselrichter muss gegebenenfalls ausgetauscht werden. Positiv ist, dass Sie, wenn Ihre Anlage kleiner 7 kWp ist, nach dem neuen EEG kein Smart Meter nachrüsten müssen.

Dennoch raten wir Ihnen bei Altanlagen von der Nachrüstung eines Speichers ab, da nicht garantiert werden kann, dass sich der Speicher noch innerhalb der Lebensdauer Ihrer Anlage amortisiert.

Beispielrechnung: Stromverbrauch 4.000 kWh, Photovoltaikanlage 7kWp und 7.000 kWh Jahresertrag

5,5 kWh Stromspeicher inkl. Montage = 7.000€
+ Zählerschrank Sanierung = 2.000€
+ 1.000€ Wechselrichter
= 10.000€

Stromkosten pro Jahr ohne Photovoltaikanlage:  4.000 kWh x 0,3€ = 1.200€

Stromkosten pro Jahr mit Photovoltaikanlage (30% Eigenverbrauch): 2.800 x 0,3€ = 840€
Stromkosten pro Jahr mit Photovoltaikanlage + Speicher (70% Eigenverbrauch) = 360€

Amortisation = 10.000€ / 480€ = 20 Jahre

Installation der Photovoltaikanlage zwischen 2002 und 2013

Durch Eigenverbrauch von Solarstrom, vermeiden Sie den Bezug von Strom aus dem Stromnetz. Eine Stromkostenersparnis entsteht aber nur, wenn Ihr aktueller Strompreis über der Einspeisevergütung liegt. Bei Installation einer Photovoltaikanlage vor 2010, erhalten Sie pro eingespeiste Kilowattstunde eine Einspeisevergütung von 30 Cent oder mehr. Aktuell kostet eine Kilowattstunde Strom aus dem Netz aber nur etwa 30 Cent. Somit ist die Installation eines Speichers bei Anlagen, die vor 2009 installiert wurden, vom finanziellen Aspekt her nicht sinnvoll, da sie durch die Einspeisung mehr Geld gewinnen als Sie beim Eigenverbrauch sparen können. Meist speisen Sie Ihren Strom daher vollständig ins öffentliche Stromnetz ein.

Aber auch 2011 und 2012 ist die Speicherung von selbst erzeugtem Solarstrom noch nicht wirklich lohnenswert.  Zwar wurden zwischen 2009 und März 2012 Boni zwischen 12 und 22 Cent auf selbstgenutzten Solarstrom gewährt, dennoch müssen sich die Investitionskosten des Stromspeichers auch erst amortisieren. Auch 2013 ist die Einspeisevergütung mit 14 – 17 Cent noch relativ hoch.

Installation ab 2014

Bei einer Installation ab 2014 ist eine Speicherinstallation schon sinnvoller, da die Einspeisevergütung hier bereits nur noch ca. 13 Cent oder weniger beträgt und somit deutlich niedriger ist als der aktuelle Strompreis. Je größer der Unterschied zwischen Einspeisevergütung und Strompreis wird, desto höher ist Ihre Einsparung mit einem Stromspeicher. Auch sind Photovoltaikanlagen, die 2014 oder später in Betrieb gegangen sind, noch relativ neu und können noch lange betrieben werden. So hat der Stromspeicher genügend Zeit sich zu amortisieren. Dennoch ist es sinnvoll, die mögliche Stromkostenersparnis genau zu ermitteln und dann zu entscheiden, ob diese die Investition in einen Stromspeicher rechtfertigt.

Beispielrechnungen

Annahmen:

Strompreis: 30 Cent pro KWh
Stromverbrauch: 4.000 kWh (Stromkosten ohne PV = 1200€)
Photovoltaikanlage 6 kWp, 6.000 kWh Jahresertrag

Eigenverbrauch von erzeugtem Solarstrom ohne Speicher 30% (1800 kWh) mit Speicher 60% (3600 kWh)

Größe des Stromspeichers:  5,5 KWh

Stromkosten Photovoltaikanlage ohne Speicher: 660€, mit Speicher: 120€

Einnahmen Einspeisung ohne Speicher:
2014 : 574,56€, Einnahmen mit Speicher: 328,32€
2017: 512,4€, Einnahmen mit Speicher: 292,8
2020: 414,54€, Einnahmen mit Speicher: 236,88€

Inbetriebnahme PV-Anlage01.01.201401.01.201701.01.2020
Anschaffungskosten 5,5 kWh Speicher 20217.000€7.000€7.000€
Mindereinnahmen Einspeisevergütung-246,24€-219,60€-177,66€
zusätzliche Stromkostenersparnis mit Speicher540€540€540€
Jährliche Ersparnis durch Nachrüstung293,76€320,40€362,40€
Amortisation des Speichers23,82 Jahre21,84 Jahre19,31 Jahre

*Strompreissteigerungen, Förderungen und steuerliche Aspekte werden hier nicht berücksichtigt. Die Rechnung ist nur eine grobe Schätzung. Da der Anschaffungspreis durch Förderungen weiter gemindert werden kann und auch eine Erhöhung der Strompreise wahrscheinlich ist, amortisieren sich Speicher tendenziell schon früher.

Photovoltaik Speicher nachrüsten – weitere Gründe

Nicht nur die Wirtschaftlichkeit spielt bei der Nachrüstung eine Rolle. Auch Eigenverbrauch und somit mehr Unabhängigkeit vom Stromversorger und Umweltschutz können zum Speicherkauf motivieren.

Eigenverbrauch & Autarkie

Stromspeicher ermöglichen es, den Eigenverbrauch von Solarstrom zu steigern. So werden sie unabhängiger von Ihrem Stromversorger und können sich überwiegend selbst mit Solarstrom versorgen. Haben Sie allerdings eine Photovoltaikanlage, die Ihren Strombedarf bereits fast vollständig deckt, etwa, da Sie nur tagsüber Strom benötigen, können Sie Ihren Eigenverbrauch mit einem Stromspeicher nicht signifikant erhöhen. Hier sollten Sie auf die Nachrüstung verzichten. Für Einfamilienhäuser ohne Speicher sind jedoch Eigenverbrauchswerte von 30% üblich. Hier kann die Installation eines Stromspeichers eine deutliche Steigerung hin zu 50 – 80% Eigenverbrauch bewirken.

Umweltschutzgedanke

Strom aus dem Netz ist nur zu ca. 46% erneuerbar (Stand Januar 2021). Ein Stromspeicher sorgt dafür, dass Sie mehr Solarstrom und weniger Strom aus dem Netz verbrauchen und leistet daher einen Beitrag zum Klimaschutz.

Ein Stromspeicher verursacht nur während seiner Herstellung CO2-Emissionen. Pro Kilowattstunde Speicherkapazität werden in der Produktion etwa 125 kg CO2 freigesetzt. Das ist aber viel weniger als der Speicher während seiner Lebensdauer im Betrieb einspart.  Ein 8 kWh Stromspeicher in einem typischen Einfamilienhaus spart so während seiner Lebensdauer etwa 12,5 Tonnen CO2 ein.

Technische Voraussetzungen

Aus technischer Sicht kann im Prinzip an jede Photovoltaikanlage ein Stromspeicher angeschlossen werden. Doch nicht jedes Speichermodell eignet sich auch für die Nachrüstung. Entscheidender Faktor für die Eignung ist, ob der Stromspeicher eine AC- oder DC-Anbindung hat.

AC-Systeme werden hinter dem Wechselrichter angeschlossen. Daher ist der Stromspeicher hier vollkommen unabhängig von der Photovoltaikanlage. DC gekoppelte Systeme werden hingegen direkt hinter den Photovoltaikmodulen und noch vor dem Wechselrichter angeschlossen. Hier kann der bestehende Wechselrichter in den meisten Fällen nicht mehr verwendet werden und der Speicher muss auf die Größe der Photovoltaikanlage angepasst werden. Unkomplizierter und kostengünstiger ist daher meistens die Einbindung eines AC-Systems. Speicher mit reiner DC-Anbindung sollten nicht gewählt werden, sind jedoch auch inzwischen selten. Wegatech bietet ausschließlich Hybrid-Wechselrichter an bei denen der Wechselrichter an die Module und den Batteriespeicher angeschlossen wird.

Photovoltaik Speicher nachrüsten – Diese Speicher eignen sich

Im deutschen Markt ist aktuell der Speicherhersteller sonnen führend. Die sonnenBatterie eco kann für die Speichernachrüstung verwendet werden, da Sie über eine AC-Anbindung verfügt. Weitere 44% des Marktes werden in der ersten Jahreshälfte 2019 unter den Herstellern BYD, LG Chem und E3/DC aufgeteilt. Sowohl die BYD B-Box als auch der E3/DC S10 können zur Nachrüstung genutzt werden. Der LG CHEM ESS Home ist ein DC-Speicher und somit für die Nachrüstung nicht optimal. Ein relativ neuer und vielversprechender Speicher auf dem Markt ist die Power Battery von RCT. Die Power Battery, eignet sich ebenfalls für die Nachrüstung und ist preislich vergleichbar mit der BYD B-Box. Auch der Speicher Storion SMILE B-3 von Alpha ESS ist ideal für die Nachrüstung.

Welche Speichergröße benötige ich?

Die optimale Größe eines Stromspeichers hängt von vielen Faktoren ab. Grob lässt sich festhalten, dass je größer der Stromverbrauch und die bestehende Photovoltaikanlage sind, desto mehr Speicherkapazität benötigt wird. Die optimale Größe hängt immer auch von den individuellen Beweggründen für die Speichernachrüstung ab. Möchten Sie durch den Speicher ein Maximum an Unabhängigkeit erzielen, sollten Sie einen bedeutend größeren Speicher wählen als wenn es Ihnen auf eine größtmögliche Wirtschaftlichkeit ankommt.

Photovoltaik Speicher nachrüsten – Kosten

Die Kosten für Photovoltaik Speicher sind in den letzten Jahren rasant gefallen. War es noch bis vor kurzem nicht wirtschaftlich und sehr teuer die Photovoltaikanlage um einen Stromspeicher zu ergänzen, sind kleine Speicher heute bereits ab 5.000€ erhältlich. Größere Heimspeicher mit Speicherkapazitäten von 10-12 kWh werden für etwa 10.000€ bis 13.000€ angeboten.

Wie viel kostet die Speichernachrüstung für Ihre Photovoltaikanlage?

Förderprogramme für die Nachrüstung

Sie möchten die Anschaffungskosten weiter senken? Die Anschaffung eines Stromspeichers wird durch zinsgünstige Kredite und Investitionszuschüsse vielfach staatlich gefördert. Die folgenden Fördermöglichkeiten sind bei Nachrüstung eines Stromspeichers verfügbar. Der wichtigste Kredit für die Speichernachrüstung ist der KfW-Kredit 270. 

Einzelne Städte wie München oder Düsseldorf  bieten aktuell Investitionszuschüsse bei der Installation von Stromspeichern im Stadtgebiet an. Informieren Sie sich vor dem Kauf daher immer auch bei Ihrer Stadt, ob eine Förderung möglich ist. 

Achtung: Bitte beachten Sie, dass Sie die Förderung in der Regel immer vor Beauftragung eines Installationsbetriebs beantragen müssen. 

KfW 270 – zinsgünstiger Kredit

Das KfW-Programm 270 finanziert die Installation von Photovoltaikanlagen und Batteriespeichern mit einem Kredit mit besonders niedrigen Zinsen. Auch wer einen Speicher nachrüstet, kann den Kredit in Anspruch nehmen. Der Speicher ist vollständig mit dem Kredit finanzierbar.

Tipps für die Beantragung eines KfW-Kredits

Die Garantiebedingungen für Photovoltaikmodule sind für den Verbraucher sehr vorteilhaft, da die Hersteller wesentlich längere Garantiezeiten gewähren als gesetzlich vorgeschrieben So besteht eine Produktgarantie von 10 bis 12 Jahren und außerdem eine 20 bis 30-jährige Leistungsgarantie über die gesamte Betriebsdauer Ihrer Anlage. Das bedeutet, in den ersten 10-12 Betriebsjahren werden alle Schäden an den Modulen komplett ersetzt. Sollten die Module danach, aufgrund von Alterung, mehr Leistung verlieren als versprochen, wird auch dieser Verlust erstattet. Die Produktgarantie der Montagesysteme beträgt in der Regel 10 Jahre. Wechselrichter haben eine Herstellergarantie von 5-10 Jahren. Bei einigen Herstellern wie Solaredge ist eine Garantieverlängerung auf bis zu 25 Jahre möglich.

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