Strom Clouds für Photovoltaikanlagenbesitzer im Vergleich – sind 0€ Stromkosten möglich?

NADINE KÜMPEL

AKTUALISIERT AM: 21.12.2021

NADINE KÜMPEL
AKTUALISIERT AM: 21.12.2021

Eine Photovoltaikanlage mit Speicher, die eigenen Solarstrom erzeugt, kann heutzutage bereits 70-80% der Stromkosten einsparen. 100% Autarkie und keine Stromkosten mehr ist allerdings nur schwer möglich und meist mit einer unwirtschaftlichen Überdimensionierung der Photovoltaikanlage verbunden. Da kommen sogenannte Strom-Clouds ins Spiel.  Überschüssig erzeugter Solarstrom wird in die Strom Cloud geleitet. Im Gegenzug bieten Strom-Cloud Anbieter Anlagenbesitzern meist eine Freistrommenge, um ihren Restbedarf an Strom zu decken.

Person bedient ihren BYD Stromspeicher über das Handy mit Speicher im Hintergrund

Das Modell der Strom Cloud für Photovoltaikanlagenbetreiber

Bei einer Strom Cloud für Besitzer einer eigenen Solaranlage (auch Solarcloud genannt) speisen die Anlagenbesitzer überschüssig erzeugten Solarstrom in eine virtuelle Cloud. Diese kann von anderen Photovoltaikanlagenbesitzern in der Strom Cloud oder vom Cloud-Anbieter genutzt werden. Eine richtige “Strom Cloud” gibt es im Grunde jedoch nicht, denn der überschüssig erzeugte Solarstrom wird nicht physisch irgendwo gespeichert und dann wiederverwendet, sondern zunächst ins öffentliche Netz geleitet. Die zur Verfügung gestellte Solarstrommenge wird jedoch vermerkt. 

Im Gegenzug für den Solarstrom erhalten die Nutzer der Strom Cloud eine fixe Freistrommenge, die je nach Anlagengröße und Stromverbrauch gewählt werden kann und mit der die Anlagenbesitzer ihren Reststrombedarf decken und somit ihre Stromkosten bestenfalls auf Null reduzieren können. Ist die Freimenge aufgebraucht, fallen meist die marktüblichen Strompreise an. Einige Strom Clouds verlangen, wie es für Flatrates üblich ist, im Gegenzug einen festen monatlichen Abschlag. Andere Anbieter verzichten auch ganz auf einen Abschlag und die Anlagenbesitzer können tatsächlich von 0 € Stromkosten profitieren.

Cloud Modelle im engeren Sinne vs. Regelstromkonzepte

Bei Strom Cloud-Angeboten können grundsätzlich zwei Arten von Anbietern unterschieden werden. Ein Teil der Anbieter bietet seinen Kunden ein Cloud Konzept im ursprünglichen Sinne an. Hier wird ein Teil der erzeugten Solarenergie aus dem Stromspeicher dem Cloud Anbieter zur Verfügung gestellt. Dieser Strom wird dem Cloud Nutzer auf einem virtuellen Konto gutgeschrieben und kann später wieder abgerufen werden, wenn weniger Solarstrom zur Verfügung steht als benötigt wird. In der Regel ist bei diesen Modellen eine monatliche Grundgebühr fällig.

Ein anderer Ansatz ist es einen Teil der Speicherkapazität der Kunden zum Ausgleich von Netzschwankungen zu nutzen (Regelenergiekonzept). Diese sind durch den zunehmenden Anteil von erneuerbaren Energien im Stromnetz häufiger und müssen für ein Gelingen der Energiewende ausgeglichen werden. Einige Anbieter leiten hierbei ausschließlich bei einer Überlastung des Stromnetzes überschüssigen Strom in den Speicher. Andere “verschenken” nicht nur Strom, sondern können bei einem Strombedarf im Netz auch Strom aus dem Speicher entnehmen. Da die Bereitstellung von Regelenergie lukrativ ist, können Anbieter mit dem Regelenergieansatz zumeist auf eine Grundgebühr verzichten.

Beiden Modellen gemeinsam ist, dass der Speicherbesitzer sich bereit erklärt überschüssige Solarenergie dem Anbieter der Strom Cloud zur Verfügung zu stellen. Es wird vermerkt wie viel Strom ins Netz geleitet wurde und im Gegenzug erhalten die Nutzer eine Freistrommenge. Die Einspeisevergütung wird an den Anbieter abgetreten.

Lohnt sich eine Strom Cloud?

Auch wenn Angebote wie 0€ Stromkosten zunächst verlockend klingen, ist es sehr individuell, ob sich ein Strom Cloud lohnt. Die Freistrommengen sind häufig auf ein bestimmtes Verbrauchsprofil zugeschnitten. Berechnen Sie daher vor Abschluss eines Vertrages immer, ob das Modell auch für Ihre Anlagengröße und Verbrauchssituation passt.

Anbieter von Strom Clouds

Inzwischen bieten sowohl Stromanbieter als auch Speicherhersteller Solarclouds also Strom Clouds für Photovoltaikanlagenbesitzer an. Die folgenden Anbieter sind nur eine Auswahl der insgesamt existierenden Anbieter.

sonnenFlat

Die sonnenFlat des Stromspeicher-Herstellers sonnen zählt zu den Regelenergiekonzepten. Das Prinzip der Stromflatrate funktioniert so: Um die sonnenFlat zu nutzen, müssen die Speicherbesitzer Mitglied der sonnenCommunity sein und eine sonnenBatterie besitzen. Der überschüssige Solarstrom der einzelnen Speicherbesitzer der sonnenCommunity wird zum Ausgleich von Netzschwankungen genutzt. Hierbei kann sowohl Strom aus dem Speicher entnommen als auch Strom zugeführt werden. Sie erhalten dafür eine Freistrommenge entsprechend ihres Strombedarfs. Nutzen Sie Ihre Freistrommenge nicht vollständig, erhalten Sie ein Cashback. Außerdem werden Kunden durch den Verkauf ihres Solarstroms am Energiemarkt durch eine Gewinnbeteiligung belohnt. Die Einspeisevergütung überlassen Sie im Gegenzug sonnen.

Mit der “sonnenFlat direkt” bietet das Unternehmen sogar eine Lösung für aus der EEG-Vergütung fallende Photovoltaikanlagen. Und auch ohne Photovoltaikanlage und Stromspeicher kann man sich an der sonnenCommunity beteiligen. Hier steht einem ab 26 Cent pro Kilowattstunde der Tarif “sonnenStrom” zur Verfügung, der mit 100% Ökostrom aus den Photovoltaikanlagen der sonnenCommunity und weiteren erneuerbaren Kraftwerken gespeist wird.

LichtBlick – SchwarmBatterie

Auch der Ökostromanbieter Lichtblick bietet mit der Lichtblick SchwarmBatterie eine Strom Cloud an, die die Speicher der Kunden zum Ausgleich von Netzschwankungen nutzt. Der Vorteil für Kunden bei LichtBlick: Da Lichtblick kein Speicher-Hersteller ist kann der Speicher unabhängig gewählt werden. So lässt sich die SchwarmBatterie auch mit der günstigen BYD B-Box HVS kombinieren, was die Wirtschaftlichkeit der Cloud-Lösung deutlich erhöht. Um die SchwarmBatterie Lösung nutzen zu können, ist lediglich die Installation eines passenden Energiemanagers nötig. 

Die Strom Cloud funktioniert dann so: Jeder Besitzer einer SchwarmBatterie von LichtBlick stellt einen Teil der Speicherkapazität seines Speichers der Cloud von LichtBlick zur Verfügung. Dieser wird dazu genutzt den Speicher mit überschüssigem Netzstrom zu laden. Je 2,5 Kilowattstunden (kWh) überschüssigen Solarstrom, die der Anlagenbesitzer einspeist, erhält er eine kWh kostenlos von Lichtblick. Hiermit kann er dann seinen restlichen Strombedarf decken. Jede weitere Kilowattstunde kostet den SchwarmBatterie Besitzer ca. 30 Cent. Eine monatliche Grundgebühr entfällt vollständig. Die Einspeisevergütung muss allerdings an LichtBlick abgetreten werden.

Das Verhältnis von 2,5 zwischen Einspeisung von überschüssigem Solarstrom und Freistrom, ist bei LichtBlick im Vergleich zur sonnenFlat vorteilhaft, da die Freistrommenge bei sonnen nicht transparent ist und immer individuell berechnet werden muss. Teilweise wird die Freisstrommenge bei sonnen so etwa nur im Verhältnis 1:3 oder 1:4 gewährt.

Häufig kann durch die SchwarmBatterie-Lösung auch eine vollständige bilanzielle Autarkie erreicht werden. Das heißt über das ganze Jahr gesehen kann so viel Solarstrom durch Solaranlage und SchwarmBatterie bereitgestellt werden, wie auch verbraucht wird. An Tagen mit besonders hohem Strombedarf oder hoher Sonneneinstrahlung wird das Netz jedoch weiterhin benötigt, um die kurzfristigen Angebots- und Nachfrageschwankungen auszugleichen

Beispielrechnung SchwarmBatterie

Stromverbrauch:

6.000 kWh/Jahr

Einspeisung:

5.500 kWh/Jahr

Eigenverbrauch:

4.000 kWh/Jahr

Einspeisevergütung:

0,0683 (01/2021)

Netzbezug:

2.000 kWh/Jahr

Strompreis:

0,3055€

Einspeisung entspricht mindestens 2,5x Netzbezug → 0€ Stromkosten

PHOTOVOLTAIK...


KOSTEN 

STROMBEZUG

EINSPEISE-VERGÜTUNG

JÄHRLICHE STROMKOSTEN

...ohne Schwarmbatterie

-730€

376€

-354€

...mit Schwarmbatterie

0€

0€

0€

SENEC Strom Cloud

Das Prinzip der SENEC Strom Cloud ist das einer klassischen Strom Cloud. Das heißt der Strom aus der Cloud wird nicht zum Ausgleich von Netzschwankungen genutzt. Über das Jahr verteilt speisen die Anlagenbesitzer bei SENEC überschüssig erzeugten Solarstrom in die Solarcloud. Der Anspruch auf die Einspeisevergütung wird an SENEC abgegeben. Um den Strombedarf zu decken, den Photovoltaikanlage und Speicher nicht decken können, bucht man eine entsprechende Rückliefermenge. Im Unterschied zu sonnen und LichtBlick wird hierfür jedoch eine monatliche Grundgebühr fällig. Diese kann zwischen ca. 16 und 92 Euro schwanken. Maximal können 10.000 Kilowattstunden pro Monat zurückgeliefert werden. 

Verbraucht ein Anlagenbesitzer mehr als die vertraglich vereinbarte Rückstrommenge, kann er Strom für marktübliche Preise hinzubuchen. Speist er mehr Strom in die Cloud, als er ihr entzogen hat, erhält er für diese Überschüsse eine Vergütung entsprechend der Einspeisevergütung durch Senec.

Das besondere an der SENEC Strom Cloud ist, dass der eigene Solarstrom nicht im Haus verbraucht werden muss. Besitzer eines Elektroautos können ihr Auto an mehr als 100.000 Ladepunkten mit eigenem Solarstrom laden. Und auch für das eigene Ferienhaus kann eigener Solarstrom genutzt werden. Um die Freistrommenge ortsunabhängig zu nutzen, wird jedoch ein Aufpreis fällig.

Übersicht Strom Cloud Anbieter

LICHTBLICK

SCHWARMBATTERIE

SONNENFLAT

SENEC STROM CLOUD

Ausgleich von Netzschwankungen

Ja

Ja

Nein

monatliche Grundgebühr

Nein

Nein

Ja

Abgabe der Einspeisevergütung?

Ja

Ja

Ja

Gewinnbeteiligung?

Nein

Ja (z.B. 119€/Jahr über 10 Jahre)

Nein

ortsunabhängige Freistrommenge?

Nein

Nein

Ja

unabhänigge Komponentenwahl?

Speicher und Wechselrichter frei wählbar

Nein: sonnenBatterie verpflichtend

Nein: senec.Home speicher verpflichtend

Fazit

Die monatliche Grundgebühr lässt das Modell von SENEC hinter den anderen zurückstehen. Zwar beinhalten die Strom Clouds von senec und sonnen Zusatzleistungen wie Gewinnbeteiligung oder ortsunabhängige Nutzung der Freistrommenge, da die SchwarmBatterie Stromflatrate von Lichtblick aber mit einer günstigen BYD-Box kombiniert werden kann, bietet sie insgesamt das beste Preis-Leistungsverhältnis. Außerdem kann der LichtBlick SchwarmBatterie Tarif ohne Verluste monatlich gekündigt werden, denn da hier nicht mehr für den Speicher bezahlt wurde als wenn auf eine Strom Cloud verzichtet worden wäre, entstehen anders als bei senec und sonnen keine Mehrkosten, die durch die Cloud-Lösung ausgeglichen werden müssen.

Jetzt Photovoltaikanlage mit LichtBlick Strom Cloud planen

Das könnte Sie auch interessieren