Heizkosten 2022 – Damit können Sie rechnen

NADINE KÜMPEL

AKTUALISIERT AM: 30.12.2021

NADINE KÜMPEL
AKTUALISIERT AM: 30.12.2021

Für ein typisches Einfamilienhaus liegen die jährlichen Heizkosten 2022 bei 1.000€ bis 2.500€. Wie viel Sie genau zahlen, hängt jedoch von Ihrer Heizung sowie dem Energiestandard Ihres Gebäudes ab. Die Preise für fossile Energieträger wie Öl oder Gas sind zuletzt rasant gestiegen. Vor allem der Gaspreis hat sich 2021 fast verdoppelt. Wer günstig heizen möchte, sollte deshalb bevorzugt erneuerbare Energien nutzen.

Diese Themen erwarten Sie:

Aktuelle Heizkosten

Wie viel Heizkosten Sie haben, ist davon abhängig wie viel Heizwärme Sie benötigen und welche Heizungsart Sie einsetzen. Ein typisches Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern Wohnfläche hat einen Wärmebedarf von 10.000 bis 25.000 kWh. Hierbei ist die Höhe des Wärmebedarfs stark vom Alter und Energiestandard des Gebäudes abhängig. Neubauten haben meist nur einen Energiebedarf von 10.000 bis 15.000 kWh, während bei Altbauten ein Wärmebedarf von über 20.000 kWh keine Seltenheit ist.

Bei einem modernisierten Einfamilienhaus im Bestand und einem Heizwärmebedarf von 18.000 kWh stellen sich die Heizkosten Anfang 2022 folgendermaßen dar.

Heizungsart Preis pro kWh (Ende 2021) Jährliche Heizkosten im Einfamilienhaus (18.000 kWh Heizbedarf)
Gasheizung13 ct2.340 €
Ölheizung8,2 ct1.476 €
Wärmepumpe*7,5 ct1.350 €
Solarthermie**0 ct0 €
Pelletheizung6,5 ct1.174 €
Elektroheizung32 ct5.760 €
Heizkosten mit verschiedenen Heizungsarten

*Wärmepumpenstromtarif zu 30 ct/kWh bei 25% Heizleistung aus Strom
**nur als Sekundärheizung nutzbar

Die Elektroheizung ist durch den hohen Preis pro Kilowattstunde die teuerste Heizungsart. Auch das Heizen mit Gas ist durch die jüngsten Preissteigerungen verhältnismäßig teuer. Ölheizungen sind zwar günstiger, haben als fossiles Heizsystem jedoch ausgedient.

Wärmepumpen und Pelletheizungen können inzwischen günstiger heizen und werden zudem durch ihre geringe Umweltwirkung staatlich gefördert. Am günstigsten ist das Heizen mit Solarthermie. Diese erzeugt kostenlos Heizwärme. Der große Nachteil einer Solarthermieanlage ist jedoch, dass sie ein Gebäude nur in den Sommermonaten mit ausreichend Wärme versorgen kann. In den Wintermonaten ist Unterstützung durch eine zusätzliche Heizung notwendig.

Heizkostenentwicklung 2021

2021 sind die Heizkosten für viele Haushalte drastisch gestiegen. Nicht wenige werden sich über die Heizkostenabrechnung Ende des Jahres ärgern. Zwar ist auch der Ölpreis spürbar in die Höhe geschossen, doch vor allem der Gaspreis ist explodiert. Während eine Kilowattstunde Gas Anfang des Jahres nur etwa 6 Cent kostet, müssen Verbraucher nun ca. 13 Cent zahlen. Mehr als das Doppelte also.

Doch woher kommt die starke Preissteigerung? Hier kommen aktuell mehrere Faktoren zusammen. Zum einen haben viele Industrien ihre Produktion nach den ersten Corona-Wellen wieder hochgefahren, was den Gasverbrauch deutlich erhöht hat. Außerdem hat Russland die Gaslieferungen nach Deutschland eingeschränkt und die Gaspipeline Nord Stream 2 wurde bisher nicht in Betrieb genommen. Auch war der Winter 20/21 außergewöhnlich kalt. Hierdurch sind viele Gasvorräte aufgebraucht und konnten bisher noch nicht aufgefüllt werden. 

Heizkostenzuschuss für Ärmere

Da die Heizkosten 2021 drastisch gestiegen sind, plant die Ampel-Koalition im Sommer 2022 einen erhöhten Heizkostenzuschuss für einkommensschwache Haushalte, die Wohngeld beziehen. Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt, da die Zahlung so rechtzeitig vor der Nebenkostenabrechnung im Winter ankommt.

Prognose

In den kommenden Jahren sind vor allem bei fossilen Energieträgern weitere Preissteigerungen zu erwarten. Diese werden aufgrund ihrer Klimaschädlichkeit vom Staat nicht mehr gefördert. Mit der Einführung des CO2-Preises 2021 muss jetzt sogar für die durch fossile Heizungen verursachten Emissionen gezahlt werden. Auch Preisanstiege durch Rohstoffknappheit sind bei fossilen Heizungen wahrscheinlich. Wer sich für eine erneuerbare Heizung entscheidet, hat diese Risiken nicht. Hier ist sogar mit tendenziell sinkenden Heizkosten zu rechnen.

Gründe für steigende Preise bei fossilen Rohstoffen

CO2-Preis

Seit 2021 muss für die Emission von CO2 ein Preis pro Tonne gezahlt werden. Der Einstiegspreis lag 2021 bei 25€ pro Tonne CO2. Bereits 2022 wurde der Preis leicht auf 30€ pro Tonne erhöht. Aufs Jahr bedeutet das im Vergleich zu 2021 bei einer Gasheizung im Einfamilienhaus zunächst nur geringe Mehrkosten von ca. 10-30€. Da eine Ölheizung etwas klimaschädlicher ist, steigen die Preise hier 2022 um ca. 20-40€ jährlich.

Quelle: Verbraucherzentrale NRW

Bis 2025 soll der CO2-Preis dann auf 55€ pro Tonne steigen. Ein modernes Einfamilienhaus mit Gasheizung hätte dann zusätzliche Heizkosten von 90€ allein durch den CO2-Preis. Bei einem unsanierten Einfamilienhaus mit Ölheizung können die Mehrkosten sogar auf 350€ steigen.

Heizkosten CO2 Preis bis 2025
Quelle: Verbraucherzentrale NRW

Rohstoffknapppheit

Fossile Rohstoffe wie Öl- oder Gas sind endlich. Je weniger Rohstoff zur Verfügung steht, desto höher wird auch der Preis. Daher kann hier mit Preissteigerungen von jährlich etwa 3% gerechnet werden.

Abhängigkeit von Russland

Russland ist der wichtigste Lieferant für Öl und Erdgas in Deutschland. Wenn sich die Beziehungen zu Russland verschlechtern oder das Land selbst mehr Gas benötigt, wird es seine Lieferungen an Deutschland drosseln. Durch die politischen Spannungen zwischen Russland und Deutschland, ist dies aktuell nicht unwahrscheinlich.

Heizkosten sparen – So geht`s

Heizverhalten optimieren

Nicht immer ist der Tausch der Heizung oder eine Modernisierung erforderlich, wenn Heizkosten gesenkt werden sollen. Oftmals genügt bereits eine Anpassung des persönlichen Heizverhaltens. Wir haben einfache Tipps zum Heizkosten sparen für Sie zusammengestellt.

1. Raumtemperatur auf 18 bis 20 Grad begrenzen. 

Oftmals ist uns gar nicht bewusst, dass wir viel zu viel heizen und die Wohnung auf 22 Grad oder mehr erwärmen. Dabei genügen 18 bis 20 Grad vollkommen für ein Wohlfühlklima. Kaufen Sie sich daher am besten ein Thermometer oder ein Heizungsthermostat. So sehen sie immer ob die Wohnung bereits ausreichend warm ist und die Heizung abgedreht werden kann.

2. Richtig lüften

Während der Heizperiode sollten Sie besser mehrmals täglich stoßlüften als die Fenster dauerhaft zu kippen. Denn während beim Kippen der Fenster auch die Wände der Wohnung auskühlen, wird durch das stoßlüften nur die Raumluft ausgetauscht. Das spart wertvolle Energie.

3. Heizung beim Verlassen des Hauses runterdrehen

Wenn Sie nicht zuhause sind, muss nicht unnötig geheizt werden. Daher empfehlen wir, sobald Sie die Wohnung verlassen oder auch wenn sie abends schlafen gehen, die Heizung herunterzudrehen.

4. Heizung beim Verlassen des Hauses runterdrehen

Stellen Sie möglichst keine Möbel vor Ihre Heizkörper. Auch das Verdecken durch einen Vorhang sollte vermieden werden. Sonst staut sich die Wärme und wird nicht an den gesamten Raum abgegeben.

Heizung tauschen

Stellen Sie möglichst keine Möbel vor Ihre Heizkörper. Auch das Verdecken durch einen Vorhang sollte vermieden werden. Sonst staut sich die Wärme und wird nicht an den gesamten Raum abgegeben.

Ist die Heizkostenabrechnung trotz eines energiesparenden Heizverhaltens noch zu hoch, kann über den Tausch der Heizung nachgedacht werden. Alte Heizungsanlagen sind oftmals ineffizient und benötigen daher deutlich mehr Energie. Aber auch Haushalte mit einer modernen Gas-Brennwert-Heizung können unter den steigenden Gaspreisen leiden.

Bei einem Heizungswechsel sollte wo immer möglich auf erneuerbare Systeme gesetzt werden. Zum einen gewährt der Staat hier eine Förderung von 35-45% der Investitionskosten. Zum anderen sind erneuerbare Heizungen in der Regel nicht bzw. weniger stark von steigenden Heizkosten betroffen. Als erneuerbare Heizsysteme kommen Solarthermieanlagen, Pelletheizungen oder Wärmepumpen in Frage. 

Solarthermieanlagen sind zwar kostengünstig, können ein Gebäude jedoch nur in den Sommermonaten mit ausreichend Wärme versorgen. Wer ein ausreichend gedämmtes Gebäude hat, sollte sich für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe entscheiden. Diese ist in Neubauten inzwischen Standard und kann mithilfe von Wärme aus der Umgebungsluft und Strom heizen. Im Gegensatz zur Pelletheizung benötigt sie keinen großen Lagerraum und kann einfach montiert werden. Pelletheizungen haben dafür den Vorteil, dass sie auch in Altbauten mit hohem Wärmebedarf sinnvoll eingesetzt werden können. 

Gebäude dämmen

Hohe Heizkosten lassen sich ebenfalls durch eine gut gedämmtes Gebäude vermeiden. Denn geht wenig Energie über die Wände, Fenster oder das Dach verloren, muss auch weniger geheizt werden. Kostengünstig und effektiv ist der Tausch von Türen und Fenstern oder das Dämmen der obersten Geschossdecke. Wer umfangreicher sanieren möchte, kann auch die Außenwände neu dämmen. Soll eine Wärmepumpe installiert werden, kann es im Altbau sinnvoll sein vor der Installation zusätzlich zu dämmen, um die Effizienz und damit auch die Wirtschaftlichkeit der Wärmepumpe zu steigern.

Solarthermie

Wärmepumpe

Pelletheizung

Energiequelle

Sonne

Umgebungsluft

Holzpellets

Kosten

5.000-10.000€

15.000€ - 25.000€

15.000- 30.000€

Vorteile

kostenlose Wärme

einfache Installation

auch für Altbauten geeignet

Nachteile

kann den Wärmebedarf nicht vollständig decken

nur in Gebäuden mit gutem Energiestandard sinnvoll

hoher Platzbedarf

Fazit

Die Heizkosten werden in den kommenden Jahren vermutlich weiter steigen. Grund hierfür sind steigende C02-Preise, Rohstoffknappheit und politische Spannungen. Wer Preissteigerungen entgehen möchte, sollte frühzeitig auf erneuerbare Alternativen umsteigen. Besonders sinnvoll ist hierbei die Investition in eine Wärmepumpe.

 

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