Die Gas-Hybridheizung – Heizen mit Gas und Erneuerbaren Energien

ARNE GONSCHOR

AKTUALISIERT AM: 08.08.2022

ARNE GONSCHOR
AKTUALISIERT AM: 08.08.2022

Bei einer Gas-Hybridheizung wird ein Gas Brennwertkessel mit einer erneuerbaren Heizung kombiniert. Doch welche Arten von Gas-Hybridheizung gibt es überhaupt? Und lohnen sich die hohen Anschaffungskosten für zwei vollwertige Heizsysteme eigentlich? Hier erfahren Sie es.

Diese Themen erwarten Sie:

Das Wichtigste in Kürze – Eine Gas-Hybridheizung…

  • …besteht in der Regel aus einem modernen Gas Brennwertkessel und einem erneuerbaren Heizsystem wie der Wärmepumpe, der solarthermischen Anlage oder der Biomasseheizung.
  • …kann durch die Kombination zweier Energieträger besonders energieeffizient und somit auch kostengünstig betrieben werden.
  • …zählt mit Investitionskosten zwischen 30.000 € und 45.000 € zu den teuersten Heizsystemen im Einfamilienhaus.
  • …wird durch staatliche Förderprogramme mit bis zu 40% der Anschaffungskosten bezuschusst.

Wie funktioniert eine Gas-Hybridheizung?

Bei einer Gas-Hybridheizung – in seltenen Fällen auch Kombiheizung genannt – kommen zwei Heizsysteme parallel zum Einsatz. Dabei handelt es sich in aller Regel um eine klassische Gasheizung (Gas Brennwertkessel), die mit einer erneuerbaren Heizung wie einer Wärmepumpe, einer solarthermischen Anlage oder einer Biomasseheizung (z.B. einer Pelletheizung) kombiniert wird. Bei einer Gas-Hybridheizung kommt neben Erdgas somit auch immer ein zweiter, regenerativer Energieträger zum Einsatz. Das macht Hausbesitzer unabhängiger von steigenden Rohstoffpreisen. Gleichzeitig verbessert sich dadurch auch die CO2-Bilanz der Gas-Hybridheizung gegenüber der einer klassischen Gasheizung.

Anders als der Name Gas-Hybridheizung es vielleicht vermuten lässt, ist die Gasheizung bei diesem Heizsystem nicht der primäre Wärmelieferant. Stattdessen schaltet sich die Gasheizung nur dann zu, wenn die regenerative Heizung nicht den gesamten Wärmebedarf im Haus decken kann. Bei einer solarthermische Anlage ist dies beispielsweise in den weniger sonnigen Wintermonaten häufiger der Fall.

Nicht zu verwechseln: Die EE-Hybridheizung

Neben der Gas-Hybridheizung gibt es auch die sogenannte EE-Hybridheizung (EE = Erneuerbare Energien). Bei dieser Form der Hybridheizung werden mindestens zwei erneuerbare Heizsysteme miteinander kombiniert, beispielsweise eine Luft-Wasser-Wärmepumpe und eine solarthermische Anlage.

Welche Arten der Gas-Hybridheizung gibt es?

Die Gas-Hybridheizung ist als Heizsystem noch relativ neu auf dem dem Markt. Dementsprechend wird der Begriff nicht immer einheitlich verwendet. In den meisten Fällen ist damit jedoch die Verbindung aus Gasheizung und solarthermischer Anlage gemeint. Aber auch die Kombination mit einer strombetriebenen Wärmepumpe oder einer Pelletheizung wird immer häufiger unter dem Oberbegriff der Gas-Hybridheizung geführt.

Gasheizung + Solarthermie

Die Kombination aus Solarthermie und Erdgasheizung ist schon seit Jahren sehr beliebt. Dabei übernimmt die solarthermische Anlage primär die Warmwasseraufbereitung, während der Gasheizung eher die Aufgaben einer klassischen Heizanlage zufallen. Mit dieser Kombination heizen Hausbesitzer vor allem im Sommer sehr emissionsarm und kostengünstig. Im Winter, wenn die Solarthermieanlage deutlich weniger Energie liefern kann, sind sie hingegen voll und ganz auf die Gasheizung angewiesen. Bei wie zuletzt stark steigenden Rohstoffpreisen kann diese Abhängigkeit für Hausbesitzer schnell sehr teuer werden.

Gasheizung + Wärmepumpe

Eine weitere Ausführung der Gas-Hybridheizung ist die Kombination von Wärmepumpe und Gas Brennwertkessel. In diesem Fall übernimmt die Wärmepumpe, die mit kostenloser Energie aus der Umwelt heizt, über das Jahr hinweg etwas mehr als 80% der Heizleistung. Die Gasheizung schaltet sich bei dieser Kombination lediglich im Winter dazu, wenn die Wärmepumpe nicht mehr ganz so effizient und kostengünstig heizen kann.

Gut zu wissen: Eine moderne Wärmepumpe kann ein Haus auch bei kalten Temperaturen problemlos mit Wärme versorgen. So gesehen brauchen Sie in den allermeisten Fällen also gar keine Gasheizung als ergänzendes Heizsystem. Auch die minimale Kostenersparnis, die diese Form der Gas-Hybridheizung im laufenden Betrieb erwirtschaften würde, steht in keinem Verhältnis zu den Anschaffungskosten für eine zusätzliche Gasheizung.

Gasheizung + Biomasse

Auch bei der Kombination von Gas mit Biomasse – also mit allen Heizsystemen, die einen Energieträger auf pflanzlicher Basis nutzen – übernimmt die Gasheizung nur einen sehr geringen Anteil der Heizleistung. Dementsprechend gilt auch bei dieser Ausführung der Gas-Hybridheizung: Prüfen Sie im vorhinein sehr genau, ob sich die Mehrausgaben für eine Gasheizung überhaupt wirtschaftlich lohnen. In den meisten Fällen reicht nämlich bereits die Biomasseheizung alleine aus, um die gesamte Heizlast des Hauses zu decken.

Was kostet eine Gas-Hybridheizung?

Die Gas-Hybridheizung zählt mit Anschaffungskosten zwischen 25.000 € und 45.000 € zu den mit Abstand teuersten Heizsystemen für das Einfamilienhaus. Logisch, schließlich schaffen sich Hausbesitzer hier zwei Heizsysteme gleichzeitig an. Alleine die hybridfähige Gasheizung kostet inklusive aller Komponenten und Montage zwischen 10.000 € und 20.000 €. Hinzu kommen dann noch die Anschaffungskosten für das erneuerbare Heizsystem. Diese variieren von ungefähr 10.000 € für eine solarthermische Anlage bis hin zu 30.000 € für eine vollautomatische Pelletheizung.

So kommen Hausbesitzer bereits bei der günstigsten – oder am wenigsten teuren – Ausführung der Gas-Hybridheizung (Gas Brennwertkessel + Solarthermie) auf Kosten von circa 20.000 €. Für eine Kombination aus Gas Brennwertkessel und Wärmepumpe bzw. Biomasseheizung zahlen Hausbesitzer sogar bis zu 50.000 €. Zum Vergleich: Eine moderne Luft-Wasser-Wärmepumpe ist als alleiniges Heizsystem schon für 15.000 € bis 25.000 € zu haben.

Anschaffungskosten
Gas Brennwertkessel + Solarthermie20.000 € – 30.000 €
Gas Brennwertkessel + Wärmepumpe25.000 € – 40.000 €
Gas Brennwertkessel + Biomasse35.000 € – 50.000 €
EE-Hybridheizung10.000 € – 35.000 €

Kann ich mit einer Gas-Hybridheizung Heizkosten sparen?

Ob Hausbesitzer mit einer Gas-Hybridheizung wirklich Heizkosten sparen können, hängt maßgeblich von der Steuerung der beiden Heizsysteme ab. Hier gilt: Je besser die Heizungssteuerung auf das individuelle Heizverhalten der Hausbewohner sowie die Eigenschaften der beiden Heizungen eingestellt ist, desto effizienter kann das hybride System arbeiten und desto mehr Heizkosten können dementsprechend gespart werden. Wie hoch die Heizkostenersparnis mit einer Gas-Hybridheizung am Ende ist, lässt sich dabei zwar nur schwer abschätzen. In einem klassischen Einfamilienhaus kann jedoch durchaus mit einem niedrigen dreistelligen Betrag gerechnet werden.

Exkurs: Hat Erdgas als Energieträger eine Zukunft?

Erdgas war in den vergangenen Jahren der mit Abstand wichtigste Energielieferant für deutsche Haushalte. Der Grund: Der fossile Rohstoff galt als zuverlässig, leicht einsetzbar und vor allem kostengünstig. Seit einiger Zeit steigt der Preis für Erdgas nun jedoch immer weiter und zuletzt sogar rasant an. Und auch politisch und moralisch ist Erdgas aktuell nur noch schwer tragbar. Hinzu kommt außerdem noch die schlechte Klimabilanz des Erdgases: Selbst ein moderner Gas Brennwertkessel verursacht im Schnitt 250 Gramm CO2 pro Kilowattstunde Heizwärme.

Unter diesen Gesichtspunkten ist es also mehr als fraglich, ob Hausbesitzer heute noch ernsthaft über die Anschaffung einer neuen Gasheizung – egal ob alleinstehend oder hybrid – nachdenken sollten.

VorteileNachteile
Sehr zuverlässige WärmeversorgungGasheizung wird in der Praxis teilweise gar nicht mehr benötigt
Kostengünstiger, weil effizienter BetriebSehr hohe Anschaffungskosten von bis zu 50.000 €
Deutlich weniger Emissionen als eine herkömmliche GasheizungKein völlig emissionsfreier Betrieb möglich
Anhaltende Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen
Verschaltung der beiden Heizsysteme ist anfällig für Fehler

Fazit: Lohnt sich eine Gas-Hybridheizung?

Eine Gas-Hybridheizung verbindet die Vorteile eines Gas Brennwertkessels mit denen einer regenerativen Heizung – zumindest in der Theorie. In der Praxis ist eine Gas-Hybridheizung jedoch vor allem eines: sehr teuer in der Anschaffung. Mit Investitionskosten von bis zu 50.000 € können sich wohl nur die wenigsten Haushalte eine Gas-Hybridheizung überhaupt leisten; zumal auch die Heizkostenersparnis durch die rasant steigenden Gaspreise gleichzeitig immer weiter zurückgeht.

Hinzu kommt außerdem, dass regenerative Heizsysteme wie die Wärmepumpe oder die Pelletheizung bereits heute problemlos ohne die Unterstützung einer Gasheizung auskommen. Statt in eine zusätzliche Gasheizung kann das Geld hier beispielsweise in Maßnahmen zur Gebäudedämmung investiert werden. So sparen Sie ähnlich viele Heizkosten wie bei einer Gas-Hybridheizung, ohne sich Sorgen um steigende Rohstoffpreise oder zu hohe CO2-Emissionen zu machen. 

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