Ist Grünstrom immer 100% regenerativ? – Begriffserklärung und Anbietersuche

NADINE KÜMPEL

AKTUALISIERT AM: 29.11.2021

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AKTUALISIERT AM: 29.11.2021

Mit Grünstrom ist zumeist Strom gemeint, der zu 100% aus erneuerbaren Energien hergestellt wird. Wie Sie den richtigen Ökostromanbieter finden oder auch selbst Grünstrom herstellen können, erfahren Sie hier.

Solarpanels auf Hausdach

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Was ist Grünstrom?

Grünstrom ist vor allem unter dem Begriff Ökostrom bekannt. Vereinzelt wird auch der Ausdruck Naturstrom verwendet. Grünstrom bezeichnet einfach ausgedrückt Strom, der zu 100% aus erneuerbaren Energien stammt. Manchmal ist hierbei auch die Kraft-Wärme-Kopplung eingeschlossen. Diese wandelt Energie in Strom und nutzbare Wärme um und ist durch ihren hohen Wirkungsgrad besonders ressourcenschonend. 

Bezieht ein Haushalt einen Ökostromtarif heißt das aber nicht zwingend, dass der Grünstrom direkt aus einer Solaranlage oder einem Windpark kommt. Da sowohl fossiler als auch grüner Strom über das gleiche Stromnetz verteilt wird, kann nicht einwandfrei nachvollzogen werden, welcher Strom an den Verbraucher geliefert wird. In der Praxis erhalten Sie einfach den Strom aus dem nächstgelegenen Kraftwerk. 

Für die Bezeichnung als Grünstrom bzw. Ökostrom ist lediglich relevant, dass direkte  Stromlieferverträge bzw. Herkunftsnachweise existieren, mit denen ein direkter Geldfluss zwischen den Anbietern und dem Abnehmer von erneuerbar erzeugtem Strom hergestellt wird. Eine Möglichkeit, direkt und physisch erneuerbaren Strom zu beziehen, ist es eine Photovoltaikanlage auf dem eigenen Hausdach zu installieren. 

Herkunftsnachweise für Grünstrom

Wie bereits erwähnt, muss Strom, der als Grün- bzw. Ökostrom bezeichnet wird, über Herkunftsnachweise verfügen. Diese belegen, wie und wo der Grünstrom erzeugt wurde. Für die Menge Strom, die ein Stromanbieter seinen Kunden als Grünstrom anbietet, muss er entsprechende Herkunftsnachweise kaufen. Auffällig ist, dass Grünstrom bzw. Ökostrom häufig aus dem Ausland stammt. Das liegt daran, dass in Deutschland nur wenige Herkunftsnachweise für Ökostrom verfügbar sind.

Hintergrund ist, dass erneuerbare Energien in Deutschland durch das EEG gefördert werden. Ökostrom, der durch das EEG gefördert wurde, kann jedoch anschließend nicht mehr als Ökostrom verkauft werden. Wäre dem so, würden die Anlagenbesitzer nämlich doppelt kassieren. Einmal durch die Förderung und zum anderen durch die höheren Verkaufserlöse. Da sich die meisten Anlagenbesitzer für eine Förderung durch das EEG entscheiden, stehen hierzulande kaum Herkunftsnachweise für Grünstrom zur Verfügung. 

Stammt der Grünstrom aus einem Wasserkraftwerk in Norwegen, so ist dies kein wirklicher Fortschritt für die Energiewende in Deutschland, da der Strom dort ohnehin produziert worden wäre. Wer daher mit seiner Entscheidung für Ökostrom der Energiewende helfen möchte, sollte bei der Anbieterwahl höhere Kriterien als die reine Bezeichnung “Grünstrom” bzw. “Ökostrom” ansetzen.

Grünstrom vom echten Ökostromversorger mit Regionalnachweis

Grünstrom wird prinzipiell von nahezu jedem Stromversorger in Deutschland angeboten. Vom Stadtwerk bis zum großen Energiekonzern möchten sich heute nur noch wenige das Geschäft mit Ökostrom entgehen lassen. Oftmals ist ein Anbieter von Ökostrom jedoch kein ausschließlicher Ökostromanbieter sondern bietet zusätzliche auch klassischen Strom aus fossilen Kraftwerken an. Grundsätzlich ist es empfehlenswert, sich für einen Stromanbieter zu entscheiden, der ausschließlich Grünstrom anbietet und unabhängig von großen Stromkonzernen ist.

Doch auch das genügt noch nicht. Grünstrom treibt die Energiewende häufig nur wenig voran, da der Ökostromversorger den Strom nicht selbst produzieren muss, sondern auch über Lieferverträge bzw. Erzeugungszertifikate anbieten kann. Bei letzterem kann der Stromanbieter sogar regulären Strom am Markt kaufen, ihn aber als Ökostrom deklarieren.  Das funktioniert, da ein Grünstromanbieter im Gegenzug seine Rechte, die entsprechende Menge Grünstrom auch so zu bezeichnen, abtritt. 

Damit Ihr Grünstrom auch tatsächlich eine Umweltschutzwirkung hat, ist es also wichtig, dass Ihr Anbieter nachweisen kann, dass er signifikant in die lokale Ökostromproduktion investiert. Der beste Fall ist also ein unabhängiger Anbieter, der nur Ökostrom anbietet und diesen überwiegend aus erneuerbaren Anlagen in der Region erzeugt.

Bekannte Anbieter, die diese Kriterien erfüllen, sind Naturstrom, EWS Schönau, Polarstern, und Green Planet Energy (vormals Greenpeace Energy).

Ökostromlabel – Zertifizierungen für Grünstrom

Um zu garantieren, dass Ökostrom auch einen wirklichen Umweltnutzen hat und nicht nur der Herkunftsnachweis für erneuerbare Energien vorliegt, gibt es sogenannte Ökostromlabel. Diese garantieren etwa, dass der Anbieter nicht an Kohle- oder Atomkraftwerken beteiligt ist oder dass ein Teil der Erlöse aus dem Verkauf von Ökostrom wirklich in den Ausbau von erneuerbaren Energien fließt. Bei letzterem geht es jedoch meist nur um einen Cent pro Kilowattstunde – oft sogar weniger. Auch gibt es Labels, die andere Energieprojekte unterstützen. Das können zum Beispiel Mieterstromprojekte, Bürgerenergieanlagen oder Energiesparmaßnahmen sein.

Doch für welche Labels sollte ich mich entscheiden?

Wir raten ihnen zu  den Labels ok-Power-Label und Grüner-Strom-Label. Diese werden auch von der Verbraucherzentrale empfohlen und garantieren einen Mindestnutzen für die Energiewende. Außerdem besagen sie, dass der Grünstromanbieter sich nicht an Atom- oder neuen Kohlekraftwerken beteiligt. 

Ist Grünstrom teurer als normaler Strom?

Nein. Ein Preisvergleich der Bundesnetzagentur unter 1.200 Anbietern hat gezeigt: Grünstrom ist im Schnitt nicht teurer als normaler Strom. Vergleicht man Ökostrom mit den Grundversorgungstarifen ist er sogar 2 Cent günstiger. Verbraucher müssen also entgegen des verbreiteten Vorurteils bei Wahl eines Ökostromtarifs keine zusätzlichen Kosten fürchten. Und auch für die Gesellschaft wirkt sich Grünstrom positiv aus: Ökostrom hat anders als fossile Energieträger keine Folgekosten wie die Endlagerung von Atommüll oder die Regenerierung von Kohlegruben.

Gibt es einen Graustromanteil im Grünstrom?

Graustrom bezeichnet Strom aus dem Stromnetz, dessen Herkunft unbekannt ist. Da bei der Einspeisung von erneuerbarer Energie ins Stromnetz durch Übertragungsverluste unvermeidbar 5-10% des Stroms verloren gehen und durch den Netzbetreiber ersetzt werden, bezieht man auch mit 100% Ökostrom noch einen gewissen Graustromanteil.

Grünstrom selbst erzeugen – mit der eigenen Photovoltaikanlage

Wem das zu kompliziert ist, kann auch ganz einfach selbst zum Ökostromerzeuger werden. Mit einer eigenen Photovoltaikanlage auf dem Hausdach lässt sich dezentral und direkt vor Ort grüner Strom erzeugen. Der Vorteil ist hier, dass man hier nicht etwa Strom aus dem nächstgelegenen Kohlekraftwerk erhält und Grünstrom nur auf dem Papier hat, sondern dass der Strom auch physisch erneuerbar ist. Zudem unterstützt man keine großen Energieversorger, sondern treibt die Energiewende aktiv durch die Errichtung einer erneuerbaren Anlage voran. 

Preislich ist erneuerbarer Strom vom eigenen Dach mit nur ca. 10 Cent pro Kilowattstunde deutlich günstiger als der Bezug von Ökostrom vom Stromversorger. Sogar so günstig, dass sich die Anfangsinvestition für eine Photovoltaikanlage bereits nach ungefähr 10 – 12 Jahren rentiert. Anschließend kann man als Anlagenbesitzer praktisch kostenfrei (es fallen geringe Kosten für die Wartung der Anlage an) Grünstrom erzeugen. Wer ein Haus hat, sollte daher unbedingt auf die eigene Stromerzeugung setzen. 

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