Welche Heizung ist die Beste? – Kosten, Umwelt, Zukunft im Blick

ARNE GONSCHOR

AKTUALISIERT AM: 05.08.2022

ARNE GONSCHOR
AKTUALISIERT AM: 05.08.2022


Der Erwerb einer neuen Heizung ist immer eine Investition in die Zukunft. Durch das mittlerweile breite Angebot stellt sich vor dem Kauf jedoch die Frage: Welche Heizung ist die Beste für mich? Wir stellen die gängigsten Heizungsarten vor und verraten, welche die Beste mit Blick auf die Investitionskosten, die Umweltbilanz und die Zukunftsfähigkeit ist.

Temperatur einstellen an moderner Heizung

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Heizungsarten im Überblick

Eins vorweg: Welche Heizung die Beste für Ihr Haus ist, lässt sich pauschal nicht beantworten. Die Wahl der richtigen Heizungsanlage hängt stark von Ihren persönlichen Zielen und Vorstellungen ab. Besonders entscheidend sind die Faktoren Investitionskosten, Umweltbilanz und die Zukunftsfähigkeit des Energieträgers.

HEIZUNGSART

ENERGIETRÄGER

ANSCHAFFUNGSKOSTEN

UMWELTBILANZ (CO2)

Gasheizung

Erdgas (fossil)

6.000 - 9.000 €

250 g/kWh

Ölheizung

Erdöl (fossil)

7.000 - 18.000 €

320 g/kWh

Wärmepumpe

Umweltwärme / 

Strom

20.000 € - 35.000 € (bis zu 40% Förderung möglich)

0-100 g/kWh (abhängig vom Strommix)

Solarthermie

Sonnewärme

3.000 - 12.000 € (bis zu 25% Förderung möglich)

20 g/kWh

(abhängig von Sekundärheizung)

Holzheizung

Holz

20.000 - 28.000 € (20% Förderung möglich)

25 g/kWh

Elektroheizung

Strom

5.000 - 8.000 €

500 g/kWh (abhängig vom Strommix)

Brennstoffzelle

Wasserstoff aus Erdgas

> 20.000€

140 g/kWh

Welche Heizung ist die Kostengünstigste?

Der für viele Menschen wahrscheinlich wichtigste Faktor beim Kauf einer neuen Heizungsanlage sind die anfallenden Kosten. Aber Vorsicht: Ein kurzer Blick auf die Investitionskosten erzählt nicht die gesamte Geschichte. Welche Heizung die Beste für Sie ist, hängt ebenso von den laufenden Kosten pro Jahr ab. Denn bei einer Laufzeit von über 20 Jahren liegt gerade in diesem Bereich ein großes Einsparpotenzial.

Investitionskosten

Die Spanne an Investitionskosten für eine neue Heizung reicht von 3.000€ für eine Solarthermieanlage oder Elektroheizung bis hin zu mehr als 35.000€ für eine Wärmepumpe. Fossile Heizungen wie Gas- oder Öl sind auf den ersten Blick die kostengünstigste Heizunngsvariante, allerdings sind diese nicht förderfähig. Umweltfreundliche Alternativen hingegen – wie die Luft-Wasser-Wärmepumpe oder Solarthermie – werden mit bis zu 40% BAFA-Förderung bezuschusst.

Sieger: Fernwärme und Elektroheizung

Jährliche Betriebskosten pro kWh

Welche Heizung die Beste ist, hängt jedoch genauso sehr von den laufenden Kosten ab. Zur besseren Vergleichbarkeit werden wir uns im Folgenden die jährlichen Kosten in Abhängigkeit des Preises pro kWh Heizwärme anschauen. Bei einem typischen Einfamilienhaus geht man von 160 kWh Heizleistung pro Quadratmeter Wohnfläche aus. Für ein Einfamilienhaus mit 150 qm Wohnfläche ergeben sich folglich jährliche Heizkosten von:

HEIZUNGSART

PREIS PRO KILOWATTSTUNDE

JÄHRLICHE KOSTEN PRO QM

JÄHRLICHE KOSTEN EINFAMILIENHAUS

Gasheizung

13 ct (Bestandskunden), >20 Cent Neukunden

20,80 € (Bestandskunden), 32 € Neukunden

3.120 € bzw. 4.800 €

Ölheizung

8,2 ct

13,12 €

1.968 €

Wärmepumpe

7,5 ct*

12 €

1.800 €

Solarthermie**

0 ct

0 €

100 €

Holzheizung

6,5 ct

10,40 €

1.560 €

Elektroheizung

34 ct

54,40 €

8.160 €

*Wärmepumpenstromtarif zu 30 ct/kWh bei 25% Heizleistung aus Strom
**nur als Sekundärheizung nutzbar

Mit Blick auf die jährlichen Betriebskosten fallen Stromheizungen besonders stark ins Gewicht. Aber auch Gas kostet 2022 bereits deutlich mehr als ihre umweltfreundlichen Alternativen. Mit Blick auf steigende Rohstoffpreise und den eingeführten CO2-Preis werden die Kosten pro kWh für fossile Heizungsarten in den nächsten Jahren vermutlich weiter ansteigen.

Sieger: Solarthermie, Pelletheizung und Wärmepumpe. Verlierer: Strom- und Gasheizungen.

Welche Heizung ist die Beste für die Umwelt?

Die Wahl der neuen Heizungsanlage ist gleichzeitig eine Wahl für oder gegen umweltfreundliches Heizen. In fossilen Brennstoffen ist beispielsweise eine große Menge CO2 gespeichert, welches bei der Verbrennung freigesetzt wird.

Im Jahr 2021 hat die Pelletheizung theoretisch die beste Umweltbilanz. Dabei muss jedoch bedacht werden, dass Holz – obwohl nachwachsend – als Wärmequelle nicht bedenkenlos verwendet werden kann. Gleichzeitig verursacht eine Pelletheizung eine große Menge Feinstaub, welche nicht in die Emissionswerte einfließen. Solarthermie verursacht zwar selbst keine Emissionen, kann den Heizbedarf aber nicht zu 100% decken. Hier hängen die CO2-Emissionen von der sekundären Wärmequelle (meist Gas) ab.

CO2-Ausstoß unterschiedlicher Heizsysteme im Vergleich

Wärmepumpen hingegen beziehen ihre Wärmeenergie mit Hilfe von Strom aus der Umgebungsluft. Bei einem aktuellen Ökostromanteil von ca. 50% emittiert diese Heizungsart 100g CO2 pro kWh. Erreichen wir in Zukunft 100% Ökostrom, könnte eine Wärmepumpe sogar völlig klimaneutral heizen. Andernfalls können Sie Ihre Wärmepumpe schon heute mit Strom aus einer eigenen PV-Anlage versorgen. Diese Kombination sorgt bereits ab Tag 1 für eine bessere Umweltbilanz.

Sieger: Wärmepumpe und Pelletheizung (unter Vorbehalt)

Welche Heizung ist die Beste für die Zukunft?

Welche Heizung im Jahr 2025, 2030 oder 2040 die Beste sein wird, kann nicht sicher gesagt werden. Wir wagen trotzdem den Blick in die Kristallkugel und versuchen, einen Ausblick zu geben. Entscheidend werden aber der Ökostromanteil im deutschen Stromnetz, die zukünftigen Rohstoffpreise fossiler Brennstoffe und die politischen Entscheidungen der nächsten Jahre sein.

Ist 100% Ökostrom möglich?

Der deutsche Kohleausstieg ist für das Jahr 2038 angesetzt, der Umstieg auf 100% regenerative Energien für 2050 geplant. Führende Wissenschaftler:innen hingegen halten einen weltweiten Umstieg auf erneuerbare Energien bis 2030 für möglich. Realistisch ist wohl das Jahr 2035. Entscheiden Sie sich dieses Jahr für eine Wärmepumpe mit einer Laufzeit von 20 Jahren oder mehr, heizen Sie mit Ihrer neuen Heizungsanlage in nicht allzu ferner Zukunft klimaneutral.

Wie entwickeln sich die Kosten in Zukunft?

Ähnlich wie die Entwicklung des Ökostromanteils können auch zukünftige Kosten lediglich prognostiziert werden. Derzeit sind die Gaspreise bereits auf einem enorm hohen Niveau. Relativ sicher scheint auch, dass gerade CO2-Emissionen in den kommenden Jahren immer mehr bepreist werden. Kostet eine Tonne CO2 2021 noch 25€, wird dieser Preis bereits 2026 doppelt so hoch sein. Dadurch werden vor allem klimaschädliche Heizungen wie Öl oder Gas noch unwirtschaftlicher werden. 

Wärmepumpen oder Stromheizungen hingegen sind vom Preis pro kWh des öffentlichen Stromnetzes abhängig. Auch dieser wird voraussichtlich steigen, jedoch nicht so schnell wie der CO2-Preis. Da Wärmepumpen nur ein Viertel ihrer Energie aus Strom beziehen, wird sich der Preisanstieg hier noch einmal weniger bemerkbar machen.

Sieger: nicht genau vorhersehbar. Verlierer: fossile Heizungen

Sonderfälle für Wärmepumpe, Fernwärme- und Pelletheizung

Für jede dieser drei Heizungsarten gibt es viele gute Argumente. Genauso gibt es aber auch Fälle, in denen sie schlicht nicht in Frage kommen. Für eine Fernwärmeheizung ist ein Anschluss ans Fernwärmenetz unabdingbar. Ist dieser nicht gegeben, kann diese Heizungsart nicht in Betracht gezogen werden. Ist man bereit, die hohen Kosten einer Pelletheizung in Kauf zu nehmen, muss der verhältnismäßig hohe Platzbedarf beachtet werden. Mit einer Grundfläche von ca. 6qm findet die Pelletheizung nicht in jedem Kellerraum Platz. Während die Wärmepumpe im Neubau die beste (und 2021 auch beliebteste) Heizung ist, kann sie im Altbau nur bei guter Wärmedämmung wirtschaftlich heizen.

Fazit: Welche Heizung ist denn jetzt die Beste?

Wie eingangs schon erwähnt, lässt sich zu dieser Frage keine pauschale Antwort geben. Welche Heizung die Beste für Sie ist, hängt sehr von Ihren persönlichen Zielen und Wünschen ab. Die Zeit der fossilen Heizungen scheint jedoch, mit Blick auf den Klimawandel, die derzeitige Kostenexplosion und die einsetzende CO2-Bepreisung, vorbei zu sein. Moderne Heizungen wie eine Luft-Wasser-Wärmepumpe sind einerseits zwar noch teurer in der Anschaffung. Andererseits wird die Investition staatlich gefördert und lohnt sich über die gesamte Lebensdauer dank geringerer Betriebskosten.

Ist die Luft-Wasser-Wärmepumpe auch die beste Heizung für Sie?

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