Strom selbst erzeugen – Ihr Weg in die Unabhängigkeit

ARNE GONSCHOR

AKTUALISIERT AM: 01.07.2021

ARNE GONSCHOR
AKTUALISIERT AM: 01.07.2021

Wollen Sie unabhängiger vom öffentlichen Stromnetz werden? Gleichzeitig CO2 einsparen und so die Umwelt schützen? Und dabei auch noch Stromkosten sparen? Dann sollten Sie Ihren Strom in Zukunft selbst erzeugen. Welche Möglichkeiten es gibt, worauf Sie achten müssen und wann sich selbst erzeugter Strom lohnt, erfahren Sie hier.

Handwerker montieren PV-Anlage auf Hausdach

Wie kann ich Strom selbst erzeugen?

Strom kann aus verschiedenen Energiequellen gewonnen werden. Die bekanntesten sind dabei Licht- (Photovoltaik), Bewegungs- (Windkraft), Wärme- (Solarthermie) und chemische Energie (Kohle). Letztere Energieform ist jedoch nicht nur besonders umweltbelastend, sondern auch kaum bis gar nicht für die eigene Erzeugung von Strom geeignet.

Photovoltaikanlage

Die wohl beste und am weitesten verbreitete Möglichkeit, Strom selbst zu erzeugen, ist eine eigene Photovoltaikanlage. Eine Photovoltaik- oder auch Solaranlage besteht aus mehreren Solarpanels, welche die Energie der Sonnenstrahlen in Strom umwandeln. Mit einer PV-Anlage können Sie allerdings – entgegen des weit verbreiteten Irrglaubens – nicht nur bei voller Sonneneinstrahlung im Sommer Strom selbst erzeugen. Auch im Winter, bei Wolken oder indirektem Licht produziert eine PV-Anlage Strom.

Solaranlagen sind dabei in den vergangenen Jahren immer wirtschaftlicher geworden. Diese Entwicklung ist vor allem auf sinkende Preise und der immer höheren Effizienz der Solarmodule zurückzuführen. Selbst produzierter Solarstrom ist dabei nicht nur wirtschaftlich attraktiv, sondern schützt auch aktiv das Klima. In der Praxis verursacht eine Kilowattstunde Solarenergie aktuell ca. 50 Gramm CO2 (deutscher Strommix: ca. 400 g CO2/kWh). Stellen die Hersteller ihre Produktion auf 100% Ökostrom um, sind theoretisch sogar Werte von gerade einmal einem Gramm CO2 pro kWh möglich.

CO2-Ausstoß von Energiequellen in Gramm pro kWh
CO2 Ausstoß nach Energiequelle

Windkraft

Eine eher seltener genutzte Möglichkeit, eigenen Strom zu erzeugen, ist die Windenergie. Dabei geht es nicht um große Windräder in (Offshore)-Windparks, sondern um sogenannte Kleinwindkraftanlagen. Diese Mini-Windräder funktionieren exakt wie ihr großes Pendant, sind allerdings leiser und kostengünstiger. Im Vergleich zu PV-Anlagen sind jedoch selbst kleine Windräder noch sehr teuer und wenig effektiv.

Kleinwindkraftanlagen müssen jedoch eine Menge Anforderungen erfüllen, um überhaupt erst betrieben werden zu dürfen. Dabei muss vor allem die mögliche Beeinträchtigung von Nachbarn und der weiterhin hohe Platzanspruch bedacht werden. Gleichzeitig ergibt Windkraft nur Sinn, wenn genug Wind weht. Auch diese Voraussetzung ist in bebauten Gebieten nur selten gegeben.

Strom als Nebenprodukt

Blockheizkraftwerke, Brennstoffzellen oder Fernwärmeanlagen arbeiten nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung. Hierbei werden Stromerzeugung und Heizwärme in einem Prozess vereint. Solche Systeme sind zwar effizient und in gewissem Maße auch für Privatpersonen geeignet, Strom selbst zu erzeugen. Allerdings haben Blockheizkraftwerke sehr hohe Anschaffungskosten und sind deshalb meist erst in Mehrparteienhäusern wirtschaftlich.

Welche Vorteile bietet selbst erzeugter Strom?

Sie werden unabhängiger

Viele Familien sind bei Ihrer Energieversorgung zu 100% abhängig vom öffentlichen Stromanbieter. Verträge mit langer Laufzeit, undurchsichtiger Kostenstruktur und Preisschwankungen inklusive. Wer Strom selbst erzeugt, entscheidet sich für mehr Freiheit und Autonomie. 

Die effizientesten Systeme aus PV-Anlage, Batteriespeicher und Energiemanagement-System ermöglichen einen Autarkiegrad von ca. 90%. Komplette Unabhängigkeit ist zwar theoretisch möglich, kann allerdings nur durch eine – nicht wirtschaftliche – Überdimensionierung aller Komponenten erreicht werden. Durchschnittliche Systeme hingegen erreichen Werte von ca. 50-80%. Unabhängig davon, ob Sie nun fast 90% oder “nur” 50% Ihres Stroms selbst erzeugen, beziehen Sie einen deutlich geringeren Anteil Ihres Verbrauchs aus dem öffentlichen Netz.

Mögliche Autarkiegrade nach Energiesystem
Autarkie verschiedener Energiesysteme

Sie schützen die Umwelt

Strom selbst zu produzieren macht nicht nur unabhängig, sondern schützt auch langfristig unseren Planeten. Denn ein Blick auf den deutschen Strommix verrät: Auch wenn der Ökostromanteil des öffentlichen Netzes mittlerweile bei knapp 50% liegt, stößt eine Kilowattstunde hier immer noch fast 400 Gramm CO2 aus. Demgegenüber stehen autarke Energieformen wie Solar, Wind- oder Wasserkraft mit jeweils weniger als 50 g/kWh.

Im Mai 2021 ist der deutsche Kohleausstieg nach wie vor für das Jahr 2038 angedacht. Obwohl in den nächsten Monaten wohl nachgebessert werden wird, haben Sie dank selbst produziertem Ökostrom bereits dieses Jahr die Möglichkeit, Ihre persönliche Energiewende voranzutreiben.

Sie sparen jährlich Stromkosten

Jede Kilowattstunde Strom, die Sie selbst erzeugen, senkt Ihre Stromrechnung. Aktuell kostet eine Kilowattstunde Strom aus dem öffentlichen Netz 32 Cent. Mit Blick auf den steigenden Stromverbrauch und den Umstieg auf mehr und mehr Ökostrom wird dieser Betrag in Zukunft weiter steigen. 

Eine Kilowattstunde Solarstrom vom eigenen Dach hingegen kostet weniger als 10 Cent. Beim Eigenverbrauch von Solarstrom sparen Sie also über 20 Cent pro Kilowattstunde. Wenn Sie Strom selbst produzieren, diesen jedoch nicht verbrauchen, kann dieser ins öffentliche Stromnetz eingespeist werden. Dafür erhalten Sie pro Kilowattstunde einen festgelegten Centbetrag, die sogenannte Einspeisevergütung (Mai 2021: 7,69 Cent). Diese kontinuierliche Einnahme senkt zwar nicht direkt die Stromkosten, wirkt sich aber positiv auf die Gesamtbilanz Ihrer PV-Anlage aus.

Was kostet eine eigene PV-Anlage?

Wir von Wegatech empfehlen allen, die Strom selbst erzeugen wollen, die Anschaffung einer eigenen PV-Anlage. Diese Technik ist seit Jahren im Markt etabliert, wirtschaftlich attraktiv und ausgesprochen umweltfreundlich. Alles was Sie dazu brauchen: Ein eigenes Dach und den Willen, in die Zukunft zu investieren.

Die Kosten einer PV-Anlage orientieren sich an ihrer maximale Leistung, normalerweise angegeben in Kilowatt Peak (kWp). Schlüsselfertige PV-Anlagen zwischen 4 und 10 kWp kosten aktuell zwischen 1.300€ und 1.600€ pro kWp. Je größer die Anlage, desto geringer dabei die Investitionskosten pro kWp. Wichtige Faktoren neben der Größe sind außerdem die Beschaffenheit der Module und die Auswahl des Herstellers.

Stromspeicher – ja oder nein?

Kurz und knapp beantwortet: Ja! In Zeiten sinkender Einspeisevergütung und steigender Strompreise ergibt die Anschaffung eines Batteriespeichers definitiv Sinn. Außerdem gilt nach wie vor: Tagsüber, wenn Sie einen Großteil an Strom selbst erzeugen können, brauchen Sie ihn am wenigsten. Mit einem eigenen Batteriespeicher können Sie überschüssige Erträge zwischenspeichern und in den Abendstunden verbrauchen. Das erhöht den Eigenverbrauchsanteil und spart noch einmal mehr Kosten.

Prinzip eines Batteriespeichers zur Nutzung produzierter Energie
Prinzip Stromspeicher

In den letzten Jahren sind Stromspeicher außerdem immer wirtschaftlicher geworden und erreichten 2016 erstmals Netzparität. Das bedeutet, dass eine kWh aus einer Solarbatterie seitdem genauso viel kostet, wie Strom aus dem öffentlichen Netz. Moderne Stromspeicher kosten 1.000€ bis 1.200€ pro Kilowattstunde Speicherkapazität. Entscheidend ist hierbei vor allem die Wahl des Herstellers. So sind beispielsweise auch hochqualitative Modelle wie die RCT Power Battery (5,7 kWh) bereits für 5.000€ zu haben.

Lohnt sich selbst erzeugter Strom für mich?

Eine pauschale Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Was man jedoch sagen kann ist: Wenn Sie unabhängiger vom öffentlichen Stromnetz sein möchten, langfristig Kosten sparen wollen und sich eine nachhaltige Zukunft wünschen, dann sollten Sie Ihren Strom selbst erzeugen. Sicher kann Ihnen unsere fiktive Familie Volta bei der Entscheidung behilflich sein.

Die Familie Volta

Die vierköpfige Familie Volta lebt in einem Einfamilienhaus in der Nähe von Köln. Ihren jährlicher Stromverbrauch von 4.500 kWh möchte Sie so mit einer 8,5 kWp PV-Anlage decken. Der jährliche Ertrag einer solchen Anlage liegt bei ca. 7.500 kWh und ist mit Blick in die Zukunft größer dimensioniert. Eine solche Skalierung ist mit Blick auf den stetig steigenden Energiebedarf und die Popularität von Homeoffice durchaus sinnvoll. Dank eigenem Elektroauto und Smart Home Technologie würde Familie Volta bereits jetzt einen Autarkiegrad von knapp 30 Prozent erreichen. Um die Autarkie weiter zu erhöhen, entscheidet sich Familie Volta zusätzlich für einen Stromspeicher mit 8 kWh Kapazität.

Der Autarkiegrad Ihrer Anlage steigt damit auf knapp 65%, während der Eigenverbrauchsanteil bei knapp 54% liegt. Den nicht selbst verbrauchten Strom speist Familie Volta für 7,69 Cent ins öffentliche Netz ein. Die gesamten Investitionskosten belaufen sich dabei auf ca. 18.000€. Bei einem konstanten Preis von 32 Cent pro Kilowattstunde aus dem deutschen Stromnetz ergeben sich daraus folgende Rechnungen:

Stromkostenersparnis nach 20 Jahren: 4.500 kWh x 0,65 x 0,32€ x 20 = 18.720€

Einnahmen nach 20 Jahren Einspeisevergütung: 7.500 kWh x 0,46 x 0,0769€ x 20 = 5.306€

Daraus ergibt sich eine Wirtschaftlichkeit der Anlage nach ca.15 Jahren. Mit Blick auf steigende Strompreise wird sich die Anlage voraussichtlich bereits 2 bis 3 Jahre früher amortisieren. Bei einer Lebenszeit von üblicherweise 30 Jahren oder mehr macht Familie Volta somit mindestens zehn, vermutlich sogar 12 oder 13 Jahre reinen Gewinn. Gleichzeitig spart die Familie eine Menge CO2 ein und genießt Ihre größere Unabhängigkeit vom öffentlichen Stromversorger.

Die Garantiebedingungen für Photovoltaikmodule sind für den Verbraucher sehr vorteilhaft, da die Hersteller wesentlich längere Garantiezeiten gewähren als gesetzlich vorgeschrieben So besteht eine Produktgarantie von 10 bis 12 Jahren und außerdem eine 20 bis 30-jährige Leistungsgarantie über die gesamte Betriebsdauer Ihrer Anlage. Das bedeutet, in den ersten 10-12 Betriebsjahren werden alle Schäden an den Modulen komplett ersetzt. Sollten die Module danach, aufgrund von Alterung, mehr Leistung verlieren als versprochen, wird auch dieser Verlust erstattet. Die Produktgarantie der Montagesysteme beträgt in der Regel 10 Jahre. Wechselrichter haben eine Herstellergarantie von 5-10 Jahren. Bei einigen Herstellern wie Solaredge ist eine Garantieverlängerung auf bis zu 25 Jahre möglich.

Jetzt PV-Anlage planen und Strom in Zukunft selbst erzeugen

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