Solardachziegel – Echte Alternative oder teurer Hingucker?

Solardachziegel gelten als die optisch ansprechende Alternative zu klassischen Aufdach-Solaranlagen. Doch lohnen sich die High-Tech-Ziegel auch wirtschaftlich oder sind sie am Ende nur ein teurer Hingucker? Hier erfahren Sie es.

Solardachziegel auf einem Hausdach mit hellen Dachpfannen vor blauem Himmel

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Was ist eine Solardachziegel?

Solardachziegel wandeln Sonnenenergie in Strom um. Damit unterscheiden sie sich in ihrer Funktion nicht sonderlich von ihren großen Verwandten, den Solarmodulen. Die Besonderheit der Solardachziegel liegt vielmehr in ihrer Optik. Da sie rein äußerlich kaum von normalen Dachpfannen zu unterscheiden sind, lassen sich Solardachziegel besonders unauffällig und ästhetisch in das Gesamtbild des Hauses integrieren. Entsprechend kommt diese Art der Solartechnik eher bei Hausbesitzenden mit hohen optischen Ansprüchen zum Einsatz.

Was kosten Solardachziegel?

Investitionskosten

Die Kosten für Solardachziegeln hängen von verschiedenen Faktoren ab. Entscheidend ist dabei vor allem die Größe und die Qualität der Ziegel sowie die gewünschte Gesamtleistung. Ganz allgemein kann man bei einem einzelnen Solarziegel von einer Fläche von 0,07 m2 und einer Leistung von 0,0091 Kilowatt Peak ausgehen. 

Für eine Gesamtleistung von 6 bis 7 kWp werden demnach knapp 50 Quadratmeter Dachfläche (was ca. einem halben Hausdach entspricht) und ungefähr 700 Solardachziegel benötigt. Bei einem Preis von durchschnittlich 25€ pro Solardachziegel kommen so Investitionskosten von fast 18.000 € inklusive Montage zustande. Zum Vergleich: Eine klassische Solaranlage mit derselben Leistung kostet inklusive Montage lediglich 10.000 – 12.000 €.

Solardachziegel im Bestandsbau

Ein weiterer Faktor, den Sie bei der Installation von Solardachziegeln auf Bestandsgebäuden beachten sollten, ist die vorherige Entfernung alter Dachpfannen. Dieser zusätzliche Mehraufwand im Montageprozess schlägt in den meisten Fällen mit zusätzlichen 1.500 – 2.000 € zu Buche.

Solardachziegel – Die Vor- und Nachteile

Wie man sieht, sind Solardachziegel bei der Installation mit erheblichen Mehrkosten verbunden. Trotzdem gibt es aber auch Gründe, die für die Wahl dieser Technologie sprechen.

Die Vorteile: Optik, Flexibilität und Denkmalschutz

Der größte Pluspunkt der Solardachziegeln ist sicherlich ihre zurückhaltende Optik. Aber auch abseits der Ästhetik haben die High-Tech-Ziegel zwei große Vorteile: Zum einen können Sie auf besonders schrägen oder verwinkelten Dächern installiert werden, bei denen herkömmliche Solarmodule keinen ausreichende Ertrag erwirtschaften würden. Zum anderen erfüllen Solardachziegel die Anforderungen denkmalgeschützter Gebäude. Hier sind sie oftmals sogar die einzige Möglichkeit, einen Solarertrag zu erzielen.

Die Nachteile: Kosten, Ertrag und Installationsaufwand

Neben den genannten Vorteilen haben Solardachziegel allerdings auch einige klare Schwachstellen. Der größte Minuspunkt ist sicherlich das schlechte Verhältnis von Kosten und Leistung, das bei knapp 3.000 € pro Kilowatt Peak liegt. Diese eher unwirtschaftliche Bilanz hängt unmittelbar mit der geringen Effizienz von Solardachziegeln zusammen. Bei gleicher Sonneneinstrahlung produzieren diese nämlich bis zu 33% weniger Solarstrom als herkömmliche Solarmodule.

Des Weiteren sind mit der Installation von Solardachziegeln meist auch höhere Kosten für die Handwerksbetriebe verbunden. Das liegt daran, dass jeder einzelne Ziegel separat verkabelt werden muss. Dieser zeitliche Mehraufwand wird demnach vom zuständigen Elektriker in Rechnung gestellt.

VorteileNachteile
Ansprechende OptikSehr hohe Kosten pro kWp
Auch für schräge und verwinkelte Dächer geeignetBis zu 33% schlechterer Ertrag im Vergleich zu Solarmodulen
Erfüllt Anforderungen an den DenkmalschutzAufwendige Installation
Zusätzliche Kosten im Bestandsbau möglich

Hersteller von Solardachziegeln

Derzeit gibt es noch eine überschaubare Anzahl an Firmen, die Solardachziegeln herstellen, auf dem Markt. Dazu Zählen auch verschiedene deutsche Unternehmen wie beispielsweise Autarq, SolteQ und Nelskamp. Neben diesen inländischen Firmen gibt es aber auch verschiedene internationale Hersteller aus China, Italien oder den Niederlanden. Das wohl bekannteste Unternehmen, das Solardachziegeln produziert, kommt allerdings aus den USA und dürfte hierzulande vor allem wegen seiner Elektroautos bekannt sein: Tesla. Ihr Produkt, das sogenannte Tesla Solar Roof, ist in Deutschland allerdings noch nicht verfügbar.

Solardachziegel oder Solarmodule?

Sowohl Solardachziegel als auch klassische Solarmodule produzieren emissionsfreien Strom für Zuhause. Damit tragen beide zweifelsfrei zu einer nachhaltigen Energieversorgung bei und sind entsprechend zu empfehlen.

Wenn man die Frage allerdings aus einer rein wirtschaftlichen Perspektive betrachtet, sieht die Antwort schon ganz anders aus. Denn: Aufdach-Solaranlagen kosten weniger Geld und amortisieren sich deshalb schneller als ein komplettes Dach mit Solardachziegeln. Demnach wäre die Anschaffung einer klassischen Solaranlage aus rein wirtschaftlicher Sicht die richtige Lösung

Wem hingegen die Optik deutlich wichtiger als die Wirtschaftlichkeit ist, kann auch auf Solardachziegel als Quelle eigener regenerativer Energie setzen. Dabei sollte man jedoch beachten, dass es mittlerweile auch sogenannte Full Black Solarmodule auf dem Markt gibt, die optisch ebenso ansprechend und deutlich kostengünstiger als Solardachziegel sind. Anders verhält es sich eigentlich nur, wenn Sie ein denkmalgeschütztes Haus oder ein besonders verwinkeltes Dach besitzen. In diesen zwei Fällen könnte die Installation von Solardachziegeln tatsächlich Sinn ergeben.

In-Dach Solarmodule als Mittelweg?

Ein beliebter Mittelweg zwischen Solardachziegeln und klassischen Aufdach-Anlagen sind sogenannte Indach-Solaranlagen. Diese bestehen aus größeren, zusammenhängenden Solarmodulen, die direkt ins Hausdach eingelassen werden. Entsprechend ist hierbei keine zusätzliche Unterkonstruktion nötig. Das macht Indach-Solaranlagen beinahe genauso unauffällig wie Solardachziegel.

In Puncto Kosten kommt es allerdings auch hier auf den nötigen Montageaufwand an. Wollen Sie Ihr Dach sowieso neu eindecken, kostet eine Indach-Lösung theoretisch “nur” 20% mehr als eine klassische Aufdach-Anlage. Dank optisch ansprechender Full Black Module können Sie sich aber auch diese Zusatzkosten in den meisten Fällen sparen. Wenn Sie sogar nur die für die Indach-Module benötigte Dachabdeckung entfernen, rechnen sich die zusätzlichen Kosten noch seltener. Des Weiteren kann es bei Indach-Solaranlagen immer wieder zu Undichtigkeiten im Hausdach kommen, was noch einmal zusätzliche Kosten mit sich bringen kann.

Fazit

Egal ob Solardachziegel, Indach- oder Aufdach-Solaranlage. Am Ende ist jede Form der eigenen Solarstromerzeugung eine gute Investition für Sie und die Umwelt. Welche Technologie die richtige Wahl für Sie ist, hängt dabei vor allem von Ihrer Investitionsbereitschaft ab. Ist Ihnen Optik tatsächlich sehr viel wichtiger als deutlich höhere Kosten, könnten Solardachziegel oder auch eine Indach-Solaranlage durchaus eine Option sein. 

Deutlich günstiger und optisch ähnlich ansprechend geht es hingegen mit Full Black Solarmodulen. Diese lassen sich beinahe genauso unauffällig in das Hausdach integrieren wie Solardachziegel und sind zudem meist auch entschieden effizienter. Sollten Sie hingegen an möglichst wirtschaftlichem Solarstrom vom eigenen Dach interessiert sein, empfiehlt sich die Wahl einer klassischen Aufdach-Solaranlage mit Fokus auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

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