Solarstrom speichern und Eigenverbrauch erhöhen – Lohnt sich das?

ARNE GONSCHOR

AKTUALISIERT AM: 20.08.2021

ARNE GONSCHOR
AKTUALISIERT AM: 20.08.2021

PV-Anlagen für das eigene Hausdach sind die saubere Energielösung der Zukunft. Besonders, wenn Sie Ihren produzierten Solarstrom speichern und über den gesamten Tag verteilt nutzen können. Wie das funktioniert und ob sich ein Stromspeicher wirtschaftlich lohnt, erfahren Sie hier.

BYD Stromspeicher wird per Handy gesteuert

Wie kann man Solarstrom speichern?

Die eigene Photovoltaikanlage produziert den meisten Strom in den sonnigen Mittagsstunden. Also genau dann, wenn Sie selbst am wenigsten Energie verbrauchen. Dementsprechend verbrauchen Besitzer und Besitzerinnen von PV-Anlagen nur knapp 30% ihres Solarstrom selbst. Der Rest wird gegen eine Vergütung in das öffentliche Stromnetz eingespeist. 

In Zeiten sinkender Einspeisevergütung und niedriger Preise für Stromspeicher macht es jedoch Sinn, möglichst viel des produzierten Solarstroms auch selbst zu verbrauchen. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie Sie Ihren Eigenverbrauch effizient und nachhaltig erhöhen können.

Stromspeicher

Stromspeicher für Solaranlagen erfreuen sich – völlig zurecht – rasant wachsender Beliebtheit. Das liegt vermutlich auch daran, dass ein zusätzlicher Speicher ganz einfach das Problem der geringen Eigenverbrauchsquote löst. Denn: Gespeicherter Solarstrom ist jederzeit verfügbar, auch wenn die Sonne mal nicht scheint. So können Sie auch in den Abend- und Nachtstunden auf Ihren eigenen, nachhaltigen Solarstrom zurückgreifen und Ihren Eigenverbrauch auf bis zu 60% erhöhen.

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Funktion Stromspeicher

Das Prinzip eines Stromspeichers ist dabei denkbar einfach und entspricht ungefähr dem eines großen Akkus. Tagsüber, wenn Ihre PV-Anlage Strom erzeugt und dieser nicht gebraucht wird, lädt sich der Stromspeicher auf. Gegen Abend, wenn die Produktionskapazitäten Ihrer Anlage sinken und der Stromverbrauch durch Fernseher, Waschmaschine und E-Auto steigt, entlädt sich der Speicher wieder. Moderne Solarbatterien erkennen dabei dank Batteriemanagementsystem eigenständig, ob Sie den produzierten Solarstrom speichern sollen oder ob er gerade im Haushalt gebraucht wird.

Zusätzliche Verbraucher

Zusätzliche Verbraucher an die PV-Anlage anschließen und dadurch Solarstrom speichern, wie soll das funktionieren? Zugegebenermaßen, wirklich gespeichert wird der Solarstrom in diesem Fall nicht. Allerdings können Sie beim Heizen auf regenerative Alternativen setzen, die den tagsüber produzierten Solarstrom in Wärme und umwandeln und so in Form von Warmwasser speichern. 

Zu solchen Verbrauchern zählt etwa eine Luft-Wasser-Wärmepumpe. Diese wandelt Umweltwärme mit Hilfe von (Solar)strom in Heizwärme um. Das erhöht nicht nur den Eigenverbrauch um knapp 20%, sondern spart auch Heizkosten und erleichtert den Wechsel von fossilen zu erneuerbaren Heizsystemen. Eine weitere Möglichkeit ist die Anschaffung eines Pufferspeichers. Hier wird die überschüssige Energie der PV-Anlage in einen Heizstab geleitet, der Warmwasser für die Abendstunden oder weniger sonnige Tage zwischenspeichert.

Strom Cloud

Unter einer Strom Cloud versteht man einen virtuellen Speicher für überschüssigen Solarstrom. Dabei wird der Strom jedoch nicht tatsächlich in eine Cloud, sondern in das öffentliche Stromnetz eingespeist. Die zur Verfügung gestellte Menge Solarstrom wird dann vom jeweiligen Cloud-Anbieter vermerkt und beispielsweise zum Ausgleich von Netzschwankung verwendet. Im Gegenzug erhalten Sie eine vorher festgelegte Freistrommenge, mit der Sie Ihren Reststrombedarf im Laufe des Tages oder Abends decken können.

Mit der SchwarmBatterie des Ökostrom Anbieters LichtBlick können Sie Ihre Stromkosten so theoretisch sogar auf 0 € reduzieren. Hierzu stellen Sie neben Ihrem überschüssigen Strom noch einen Teil Ihrer eigenen Speicherkapazität zur Verfügung. Für 2,5 kWh eingespeisten Solarstroms erhalten Sie so eine 1 kWh kostenlosen Ökostroms von Lichtblick. Bei richtiger Auslegung Ihrer Anlage können Sie so komplett ohne Betriebskosten Strom beziehen.

Solarstrom speichern: Rechnet sich das?

Gerade die Menge der verkauften Stromspeicher ist in den letzten Jahren immer weiter angestiegen. Mittlerweile gibt es ca. 350.000 installierte PV-Anlagen mit eigenen Stromspeicher in Deutschland. Diese Entwicklung hat zwei Gründe: Zum einen sinken die Preise für Stromspeicher immer weiter, wodurch diese sich immer früher amortisieren. Zum anderen sinkt im Gleichschritt auch die staatliche Einspeisevergütung. Das sorgt dafür, dass immer mehr Anlagen auf maximalen Eigenverbrauch ausgerichtet werden.

Was kostet ein Stromspeicher?

Solarstrom zu speichern ist in den letzten Jahren immer erschwinglicher geworden. Der tatsächliche Preis Ihre Stromspeichers hängt dabei primär von der Speicherkapazität, aber auch von der Qualität des Speichers und dem Hersteller ab. Allgemein kann man sagen, dass eine Kilowattstunde Speicherkapazität zurzeit ca. 1000 € kostet. Ein typischer Stromspeicher im Einfamilienhaus hat dabei eine Kapazität zwischen 3 und 12 kWh, je nach individuellem Bedarf. Daraus ergeben sich Preise zwischen 3.500 € (kleinere Speicher sind meist etwas teurer im Verhältnis) und 12.000€.

Informieren Sie sich vor der Anschaffung eines Stromspeichers außerdem immer über etwaige Fördermöglichkeiten. Viele Bundesländer und einzelne Gemeinden bieten Förderprogramme an, die einen Zuschuss pro installierter Kilowattstunde Speicherkapazität auszahlen.

Solarstrom speichern oder einspeisen?

Noch vor wenigen Jahren hätte die Antwort auf diese Frage klar “Einspeisen” gelautet. Doch in Zeiten sinkender Einspeisevergütung und steigender Strompreise sieht das Ganze etwas anders aus. Während Sie für eine eingespeiste Kilowattstunde Solarstrom vor 10 Jahren noch fast 29 Cent bekommen haben, liegt die Vergütung heute nur noch bei knapp über 7 Cent. Entsprechend geringer fallen die jährlichen Einnahmen mittlerweile aus. Gleichzeitig liegt der Strompreis mit ca. 32 ct/kWh (August 2021) bei einem Allzeithoch, Tendenz steigend.

Demgegenüber stehen die Gestehungskosten für eine selbst erzeugte Kilowattstunde Solarstrom. Diese liegen laut Berechnungen des Fraunhofer Instituts (Juni 2021) zwischen gerade einmal 5,81 ct/kWh im Süden Deutschlands und 11,01 ct/kWh in nördlichen Regionen. Damit sparen Sie mit jeder Kilowattstunde Solarstrom, die Sie selbst verbrauchen, über 20 Cent im Vergleich zum öffentlichen Stromnetz. Man sieht also: Überschüssigen Solarstrom zu speichern und zu einem späteren Zeitpunkt zu verbrauchen, spart Stromkosten.

Wirtschaftlichkeit – Beispielrechnung

Eine vierköpfige Familie mit einer jährlichen Stromrechnung von 1.472 € möchte ihr Haus auf eine nachhaltige Energieversorgung umrüsten. Dafür investieren Sie in eine PV-Anlage mit einer Leistung von 10 Kilowatt Peak für 11.000 €, die jährlich knapp 9.370 kWh Solarstrom produziert. Um diesen Solarstrom zu speichern und so die Eigenverbrauchsquote zu erhöhen, investiert die Familie außerdem in einen Stromspeicher mit 10 kWh Kapazität für 8.000 €. Das sorgt für eine Autarkiequote von 82% sowie eine Eigenverbrauchsquote von ca. 40%.

Daraus ergeben sich folgende (vereinfachte) Rechnungen:

Jährliche Stromkosten mit PV-Anlage und Batteriespeicher: 1.472 € – (1.472 € x 0,82) = 265 €

Daraus folgt eine jährliche Ersparnis von: 1.472 € – 265 € = 1.207 € pro Jahr

Hinzu kommen noch die Einnahmen aus der EInspeisevergütung. Diese beträgt im August 2021 7,36 ct pro kWh.

Jährliche Einnahmen aus Einspeisung: (9.370 kWh x 0,6) x 0,0736 € = 413,77 €

Ersparnis + Einnahmen nach 20 Jahren Laufzeit: (1.207 € + 413,77 €) x 20 Jahre = 32.415,40 €

Damit erwirtschaftet die Familie durch ihre Investition in eine PV-Anlage mit Speicher in den ersten 20 Jahren bereits über 30.000 € (ohne steuerliche Abzüge). Gegenüber der Anfangsinvestition von insgesamt 19.000 € kann somit sogar ein Gewinn erzielt werden. Solarstrom zu speichern ist daher auch wirtschaftlich.

Die wichtigsten Kennzahlen

Wenn Sie sich dazu entscheiden, Ihren Solarstrom zu speichern, sollten Sie einige wichtige Kennzahlen beim Kauf des Stromspeichers beachten.

Batteriezyklen
  • Nennspeicherkapazität: Tatsächliche Ladekapazität eines Stromspeichers. Liegt meist bei ca. 95% der theoretischen Speicherkapazität.
  • Entladetiefe: Gibt an, bis zu welchem Maß ein Speicher tatsächlich entladen werden kann. Verantwortlich für die Differenz zwischen theoretischer und praktischer Kapazität. 
  • Ladezyklen: Gibt die Zahl eines vollständigen Lade-, Speicher- und Entladezyklus an. Sollte bei modernen Stromspeichern bei 8.000-10.000 liegen.

Solarstrom speichern: Das lohnt sich

Um unsere Ausgangsfrage zu beantworten: Ja, Solarstrom speichern lohnt sich im Jahr 2021 auf alle Fälle. Je mehr eigenen Solarstrom Sie verbrauchen, desto höher ist Ihre Unabhängigkeit vom öffentlichen Stromversorger und desto geringer ist Ihre jährliche Stromrechnung. Gleichzeitig überbrücken Sie mit einem Stromspeicher die Differenz zwischen Produktions- und Verbrauchsspitzen Ihrer PV-Anlage.

Wirtschaftlich lohnt sich das Speichern von Solarstrom mittlerweile auch. Das liegt zum einen an immer weiter sinkenden Investitionskosten, zum anderen aber auch an der mittlerweile eher geringen Einspeisevergütung. Ob sich die Nachrüstung eines Speichers für Sie lohnt, hängt dabei vom Jahr Ihrer PV-Installation ab. Prüfen Sie deshalb sowohl die Höhe Ihrer Einspeisevergütung, als auch Ihre verbliebene Förderzeit. Bei besonders alten und noch eher neuen Anlagen lohnt sich eine Nachrüstung in vielen Fällen.

Solarstrom speichern und Stromkosten senken

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