Stromanbieter – So finden Sie den richtigen Anbieter

NADINE KÜMPEL

AKTUALISIERT AM: 30.05.2022

NADINE KÜMPEL
AKTUALISIERT AM: 30.05.2022


Die Gründe für die Suche nach einem neuen Stromanbieter sind vielfältig. Häufig sind es Umzüge, Preiserhöhungen oder aber der Wunsch nach einem Ökostromtarif, die Haushalte zu einem Anbieterwechsel veranlassen. Manchmal stellt sich aber auch nach Jahren beim lokalen Grundversorger die Frage, ob es nicht auch günstiger geht. Wir erklären, wie Sie einen passenden Stromanbieter finden und was Sie beim Wechsel beachten sollten.

Strommasten auf Feld im Abendrot

Diese Themen erwarten Sie:

Bestandsaufnahme: Welche Stromanbieter gibt es? 

In Deutschland gibt es mehr als 1.100 Stromanbieter und knapp 15.000 Stromtarife. Jeder Haushalt kann seinen Stromanbieter und Tarif aus diesem Angebot frei wählen. Das ist zwar nützlich, bei der Vielzahl an Angeboten kann die Wahl eines neuen Stromanbieters jedoch auch schnell undurchsichtig werden. 

Der Großteil des Strommarktes wird nach wie vor von den großen Energiekonzernen beherrscht. RWE, E.ON, Vattenvall und EnBW hatten 2020 einen Marktanteil von etwa 54 %. Mit 26% Marktanteil war RWE der größte Stromanbieter Deutschlands. Gefolgt von der LEAG mit 16% und der EnBW AG mit 13% Marktanteil. E.ON und Vattenvall hatten 2020 immerhin noch 9% bzw. 6% Marktanteil. Stadtwerke und private Anbieter machen insgesamt nur etwa ein Viertel des Marktes aus. 

Obwohl es deutschen Stromkund*innen freisteht, ihren Anbieter zu wählen, setzten 2020 nach wie vor zwei Drittel der Kund*innen auf ihren lokalen Grundversorger. Das ist entweder einer der vier großen Energiekonzerne oder aber ein lokales Stadtwerk bzw. ein anderer öffentlicher Anbieter, wie beispielsweise eine lokale Elektrizitätsgenossenschaft. Ein Viertel aller Stromkund*innen nutzt sogar noch den Grundtarif, also den Tarif, den man automatisch erhält, wenn man sich nicht um einen anderen Tarif bemüht. Dieser ist meist deutlich teurer als ein alternativer Stromtarif.

Da der lokale Grundversorger weder besonders günstigen, noch besonders nachhaltigen Strom bietet, lohnt es sich, sich über alternative Stromversorger und Tarife zu informieren und ggf. den Anbieter zu wechseln.

So finden Sie die verfügbaren Stromanbieter in Ihrer Region 

Um die Auswahl einzuschränken, sollten Sie sich zunächst darüber informieren, welche Stromanbieter ihnen an ihrem Wohnort überhaupt zur Verfügung stehen. Für eine erste Übersicht sind die Vergleichsportale Check24 und Verivox empfehlenswert. Nach der Angabe Ihrer Postleitzahl, Ihres Stromverbrauchs und der Anzahl der Personen in Ihrem Haushalt, erhalten Sie dort eine erste ungefilterte Liste mit Anbietern und Preisen.

Sie möchten einen lokalen Anbieter? Grundsätzlich steht Ihnen immer der regionale Grundversorger – in der Regel die Stadtwerke – zur Verfügung. Suchen Sie in einer Suchmaschine gezielt nach “Stromanbieter” und Ihre Stadt, finden Sie zudem weitere lokale Anbieter. Ein lokaler Anbieter kann den Vorteil haben, dass dieser die lokale Stromproduktion fördert und Kraftwerke in Ihrer unmittelbaren Umgebung betreibt. Nicht immer ist der lokale Anbieter jedoch am preisgünstigsten. 

Preisvergleich

Aktueller Strompreis

Das wichtigste Kriterium bei der Wahl eines Stromanbieters ist für viele der Strompreis. Viele kennen den Strompreis als Angabe in Cent pro Kilowattstunde. Während der durchschnittliche Strompreis für Bestandskund*innen 2022 bei etwa 34 Cent liegt, zahlen Neukund*innen, die ihren Anbieter wechseln aktuell deutlich mehr. Hier werden meist Stromkosten von über 40 Cent pro Kilowattstunde fällig.

An diesen Preisen kommt aktuell so gut wie niemand vorbei. Eine Alternative ist lediglich Strom sparen oder die überwiegend autarke Stromversorgung mit einer eigenen Solaranlage.

Stromkosten sparen & eigene Solaranlage planen

Monatlicher Abschlag als Vergleichsgröße

Auf Vergleichsportalen wird Ihnen der durchschnittliche Preis pro Kilowattstunde oft nicht prominent angezeigt. Vielmehr ist hier der monatliche Preis die relevante Vergleichsgröße. Das ist zum einen sinnvoll, da Sie Ihre Stromkosten auch in Form eines monatlichen Abschlags an Ihren Stromanbieter begleichen. Außerdem können so Gutschriften und Wechselboni einfacher verglichen werden.

Zumeist wird der Strompreis als Durchschnitt für das erste Vertragsjahr angegeben. Da bei einem Anbieterwechsel im ersten Jahr häufig ein Bonus für Neukund*innen und ein Sofortbonus inbegriffen sind, ist der monatliche Durchschnitt im ersten Jahr oft niedriger als in den Folgejahren. Wechseln Sie nach einem Jahr nicht wieder den Anbieter, erhöhen sich Ihre jährlichen Stromkosten. Auch ist zu beachten, dass der monatliche Abschlag in der Realität höher ausfällt als bei Vergleichsportalen angegeben, da die Boni unabhängig vom monatlichen Abschlag ausgezahlt werden. 

Der Bonus für Neukund*innen wird meist nach 12 Monaten Belieferungszeit gewährt. Den Sofortbonus hingegen erhalten Sie schon in den ersten drei Monaten nach Lieferungsbeginn. 

Grundpreis und Arbeitspreis

Wer die Tarife unabhängig von Neukundenboni und Sofortbonus einfach vergleichen möchte, kann in den Preisdetails des Stromtarifes einsehen, welcher Grund- und welcher Verbrauchspreis dem Tarif zugrunde liegt.

Der Grundpreis ist ein unabhängig vom Stromverbrauch fälliger Abschlag. Er wird für die fixen Kosten Ihres Stromanbieters, wie zum Beispiel das Ablesen Ihres Zählers oder die Rechnungsstellung, erhoben. 

Der Verbrauchspreis, oder auch Arbeitspreis, ist der Preis, den Sie pro verbrauchte Kilowattstunde Strom zahlen.

Preisgarantie

Achten Sie außerdem auf die in den Vertragsbedingungen angegebene Preisgarantie. Der Anbieter gewährt Ihnen nur in dieser Zeitspanne einen festen Preis pro Kilowattstunde. Danach können die Kosten spürbar steigen.

Das ist bei Ökostromtarifen zu beachten

Viele Haushalte möchten bei der Wahl ihres Stromanbieters auch den Nachhaltigkeitsaspekt berücksichtigen und entscheiden sich daher für einen Ökostromanbieter. Ökostrom ist Strom, der zu 100 % aus erneuerbarer Energie stammt. Entgegen vieler Vorurteile muss Ökostrom nicht teurer sein als normaler “Graustrom”, also ein Mix aus fossil erzeugtem und erneuerbar erzeugtem Strom. Denn die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien wird immer günstiger.

Doch Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom. Physisch erhält ohnehin jeder Haushalt Graustrom, da es keine getrennten Stromnetze für Ökostrom und fossil erzeugten Strom gibt. Entscheiden Sie sich für einen Ökostromtarif, muss Ihr Stromanbieter vermehrt erneuerbaren Strom beziehen, um die steigende Nachfrage nach grünem Strom zu decken.

Wichtig zu wissen ist, dass Ökostrom nicht aus einer regionalen erneuerbaren Anlage stammen muss. Vielmehr kann der Strom auch aus dem Ausland gekauft werden. Etwa aus einem Wasserkraftwerk in Norwegen, das ohnehin seit Jahrzehnten grünen Strom produziert. Wer mit seiner Entscheidung für Ökostrom wirklich den Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland fördern möchte, sollte daher direkt beim Anbieter nachlesen, woher der Ökostrom stammt. Die Herkunft ist bei jedem Anbieter einsehbar, denn Ökostrom muss rechtlich über Herkunftsnachweise verfügen. Ideal ist immer lokal erzeugter Ökostrom.

Außerdem empfiehlt es sich, auf Anbieter zu setzen, die nur Ökostrom anbieten. Denn entscheiden Sie sich für Ökostrom bei RWE, liefert Ihnen RWE den Anteil an Ökostrom, den das Unternehmen ohnehin im Portfolio hat. Nicht-Ökostromkund*innen erhalten hingegen Graustrom.

Reine Ökostromanbieter, die regionalen Ökostrom anbieten, sind unter anderem Naturstrom, EWS Schönau, Polarstern, und Green Planet Energy (vormals Greenpeace Energy).

Ökostromlabel

Eine weitere Möglichkeit den richtigen Stromanbieter zu finden sind sogenannte Ökostromlabel. Diese garantieren Stromkund*innen etwa, dass der Stromanbieter nicht an Kohle- oder Atomkraftwerken beteiligt ist oder dass ein Teil des Gewinns zum Ausbau der erneuerbaren Energien verwendet wird. Manche Labels unterstützen auch Mieterstromprojekte, Bürgerenergieanlagen oder Energiesparmaßnahmen. Führende und von der Verbraucherzentrale empfohlene Ökostromlabels sind das ok-Power-Label und das Grüner-Strom-Label. 

Stromkosten sparen & eigene Solaranlage planen

Vertragslaufzeit & Kündigungsfrist

Neben dem Strompreis ist auch die Vertragslaufzeit und die Kündigungsfrist bei Ihrem neuen Stromanbieter entscheidend. Die Kündigungsfrist bei einem Grundversorger beträgt lediglich zwei bis vier Wochen. Bei einem privaten Anbieter kann die Frist zwischen vier Wochen und drei Monaten variieren. 

Eine typische Vertragslaufzeit für einen Stromvertrag liegt bei 12 bis 24 Monaten. Das heißt: Sie können erst nach Ablauf dieser Frist kündigen. Besondere Vorsicht ist bei Verträgen mit mehr als 12 Monaten Laufzeit geboten. Hier müssen Sie bedenken, dass viele Neukundenboni nur für das erste Vertragsjahr gelten. Verpflichten Sie sich bei Ihrem neuen Stromanbieter für 24 Monate, müssen Sie nach Ablauf des ersten Vertragsjahres mehr zahlen.

Welche Reputation hat der Anbieter?

Bevor Sie sich endgültig für einen neuen Stromanbieter entscheiden, lohnt sich vor dem Vertragsabschluss ein Blick in die Online-Bewertungen des Anbieters. Hier sollten Sie nicht nur auf die Bewertungen auf den Vergleichsportalen vertrauen, sondern auch unabhängige Online-Bewertungsportale zu Rate ziehen. Bei der Vielzahl an Stromanbietern gibt es immer auch Anbieter, die zwar besonders günstige Preise, dafür aber einen mangelhaften Service haben. Nicht selten werden die Preise bei Billiganbietern zudem nach Ablauf der Preisgarantie spürbar angehoben.

Was unterscheidet einen Stromanbieter vom Netzanbieter?

Ein Stromanbieter versorgt seine Kund*innen mit Strom. Er bietet den Kund*innen einen Stromtarif an, informiert sie über Preisanpassungen und die Art des gelieferten Stroms und stellt regelmäßig Stromrechnungen.

Für die Stromversorgung muss ein Stromanbieter nicht über eigene Kraftwerke verfügen, sondern kann den Strom auch auf dem Strommarkt einkaufen. Zudem betreibt ein Stromanbieter nicht die Stromnetze, dies ist Aufgabe der Netzbetreiber. Sie koordinieren Transport und Verteilung des Stroms von den Kraftwerken zu den Verbrauchern und stellen die Netzstabilität und Funktionsfähigkeit des Netzes sicher. Während Übertragungsnetzbetreiber für den Betrieb der großen Stromtrassen zuständig sind, gibt es viele kleine Verteilnetzbetreiber, die sich um den Transport auf der “letzten Meile” kümmern.

Mit der eigenen Solaranlage unabhängig werden von Stromanbietern & steigenden Preisen

Die aktuellen Strompreise sind Ihnen zu hoch und Sie möchten unabhängiger von den Preisschwankungen der Stromanbieter werden? Dann könnte sich die Investition in eine eigenen Solaranlage für Sie lohnen.

Solaranlagen erzeugen für nur ca. 10 Cent pro Kilowattstunde Strom. Damit sparen Sie mit jeder selbstgenutzten Kilowattstunde im Vergleich zum durchschnittlichen Strompreis (Anfang 2022- 34 Cent) knapp 25 Cent. In Kombination mit einem Stromspeicher können Sie sich mit Solarenergie bis zu 90 % autark versorgen. So müssen Sie nur noch einen Bruchteil ihres Stromverbrauchs von einem Stromanbieter beziehen und Sie werden unabhängig von weiter steigenden Strompreisen. Schließlich können Sie sicher sein, dass der Strom aus Ihrer eigenen Solaranlage zu 100 % Ökostrom ist. Durch die Entscheidung für eine Solaranlage sparen Sie nicht nur bares Geld, sondern leisten obendrein einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz

Jetzt Solaranlage planen und unabhängig werden

Das könnte Sie auch interessieren