Wärmecontracting – Lohnt sich das Heizungs-Mietmodell für Sie?

ARNE GONSCHOR

AKTUALISIERT AM: 08.12.2021

ARNE GONSCHOR
AKTUALISIERT AM: 08.12.2021

Egal ob Fahrrad, Smartphone oder abendliches Entertainment. Miet- oder auch sogenannte as-a-Service-Modelle erfreuen sich aktuell wachsender Beliebtheit. Mit Wärmecontracting können Sie nun endlich auch Ihre Heizung sorgenfrei mieten. Wir zeigen, wie das funktioniert und ob sich Wärmecontracting für Sie lohnt.

Diese Themen erwarten Sie:

Was ist Wärmecontracting?

Beim Wärmecontracting handelt es sich um eine vertragliche (engl.: contract) Dienstleistung zur Energie- beziehungsweise Wärmelieferung. Dabei überlässt der Contractor dem Vertragspartner eine Heizungsanlage im Austausch für einen monatlichen Fixbetrag. Wärmecontracting erfreute sich in den vergangenen Jahren vor allem bei Vermietern/Vermieterinnen und öffentlichen Einrichtungen großer Beliebtheit, da so Heizungsmodernisierungen ohne hohe Inveatitionskosten realisiert werden können.

Prinzip des Wärmecontracting

In Zeiten steigenden Umweltbewusstseins wird Wärmecontracting aber auch für Besitzer und Besitzerinnen von Eigenheimen immer interessanter. Das liegt vor allem daran, dass die verhältnismäßig hohen Investitionskosten für eine umweltfreundliche Heizung – wie die Wärmepumpe – in diesem Fall vom Contractor getragen werden. Wärmecontracting ermöglicht so mehr und mehr Leuten den Umstieg auf eine nachhaltige Wärmeversorgung.

Monatlicher Betrag statt hohe Anschaffungskosten

Um das Ziel der Klimaneutralität in Deutschland zu erreichen, muss sich die private Wärmeerzeugung in Deutschland grundlegend ändern. Moderne Lösungen wie die Wärmepumpe oder das Blockheizkraftwerk stehen dafür bereits in den Startlöchern. Es gibt nur ein Problem: Mit Anschaffungskosten jenseits der 15.000 € können sich – selbst mit staatlicher Förderung von bis zu 45% – nicht alle ein solches Heizsystem leisten. 

Beheizungsstruktur in Deutschland 2020
Auch 2020 wird der deutsche Heizungsmarkt noch von Gasheizungen dominiert. Zur Einhaltung der Klimaziele muss sich das schnell ändern.

Genau hier setzt Wärmecontracting an. Für einen Monatsbeitrag von 100-300 € (je nach Leistung der Anlage) erhalten Sie eine komplette Heizungsanlage vom Contractor. Wartung und Inspektion ist hier bereits mit inbegriffen. So entsteht eine Win-Win-Situation: Als Vertragsnehmer werden Sie zuverlässig mit umweltfreundlicher Heizwärme versorgt, während der Contractor durch festgelegte Laufzeiten und regelmäßige Einnahmen langfristig planen kann.

Auf die Vertragsdetails kommt es an

Beim Wärmecontracting wird ein Vertrag zwischen meist zwei, zu Teilen auch drei Parteien geschlossen. Letzterer Fall liegt vor, wenn Contractor (sorgt für den Einbau und die Wartung) und Energieversorger (stellt die Heizung) nicht dasselbe Unternehmen sind. Dabei sollten Sie vor Unterzeichnung des Vertrags jedoch einige Punkte sorgfältig prüfen:

Leistungsumfang

Der angebotene Leistungsumfang unterscheidet sich je nach Contractor. In allen Fällen enthalten sind dabei grundsätzlich die Heizungsanlage selbst, die Montage sowie Wartung und Reparaturen. Auch die Versicherung wird in vielen Fällen vom Contractor selbst übernommen, da Sie die Heizungsanlage nur mieten und nicht selbst besitzen. In den seltensten Fällen übernimmt der Contractor zusätzlich die Bereitstellung des Energieträgers wie Gas, Holz oder Strom. Meist müssen Sie dafür beim Wärmecontracting weiterhin selbst aufkommen.

Kosten

Beim Wärmecontracting sollten sie des Weiteren unbedingt auf die Kostenstruktur des Vertrages achten. Besonders wichtig dabei: Gehen Sie keine Verträge ein, die eine Erhöhung des monatlichen Mietpreises über die Vertragslaufzeit vorsehen. So behalten Sie rechnerische Planungssicherheit und haben stets den Überblick über anfallende Fixkosten.

Laufzeit

Zu guter Letzt sollten Sie immer auch einen Blick auf die Vertragslaufzeit werfen. In den meisten Fällen ist diese von Seiten des Contractors auf 10 bis 15 Jahre festgelegt. Entscheidende Unterschiede gibt es wiederum nach Ablauf der Vertragslaufzeit. Hier sollten Sie im Vorhinein prüfen, ob eine Kaufoption für die Heizungsanlage vorgesehen ist, wer andernfalls den Abbau übernimmt oder ob ein Anschlussvertrag möglich wäre.

Für wen lohnt sich das Wärmecontracting?

Ob sich das Mieten von Heizwärme lohnt, kann nicht pauschal beantwortet werden. Allgemein kann man beim Wärmecontracting, wie auch bei anderen Mietmodellen, sagen: Wenn Sie maximalen Komfort und hohe Planungssicherheit möchten und eine hohe Investition für Sie nicht unmittelbar in Frage kommt, sollten Sie sich mit Wärmecontracting auseinandersetzen.

Durch die ausbleibenden Investitionskosten entfällt beim Wärmecontracting in den meisten Fällen allerdings die Förderung von bis zu 45% durch den Staat. In manchen Fällen kommt diese jedoch dem Contractor zugute, der diese Ersparnis dann indirekt auf Sie übertragen kann. Des Weiteren können die Gesamtkosten – wie bei Leasing Modellen üblich – zum Ende der Vertragslaufzeit höher ausfallen als beim direkten Kauf der Heizungsanlage.

Inwieweit sich Wärmecontracting lohnt, sollte deshalb im Voraus immer individuell geprüft werden. Dabei helfen wir Ihnen gerne.

Wärmecontracting – Vor- und Nachteile

Vorteile

Nachteile

maximaler Komfort durch Rundum-Sorglos-Service

  Vertragslaufzeit von 10 Jahren oder mehr

  monatliche Gebühr statt hoher Investitionskosten

  oftmals nur noch indirekte staatliche  Förderung möglich

  finanzielle Planbarkeit

höhere Gesamtkosten als beim Heizungskauf

Fazit

Wärmecontracting etabliert sich mehr und mehr als echte Alternative zum “normalen” Kauf einer Heizung. Dafür sorgen vor allem hohe finanzielle Planbarkeit und maximale Flexibilität ohne große Investitionen. Dabei sollten Sie jedoch immer auf die genauen Details Ihres Vertrags achten. Vor allem bei den Themen Preisanpassungen und Übernahme der Heizung nach Vertragsende  lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Insgesamt bietet Wärmecontracting eine echte Möglichkeit, die Energiewende im Bereich Heizen und Wohnen zu beschleunigen. Es ist davon auszugehen, dass in den nächsten Jahren ein Großteil der immer noch knapp vier Millionen aktiven Ölheizungen in Deutschland ausgetauscht werden muss. Je mehr Hausbesitzer und Hausbesitzerinnen sich dank Wärmecontracting dann eine umweltfreundliche Heizung wie die Wärmepumpe leisten können, desto besser.

Wärmecontracting oder Heizungskauf – Was lohnt sich für Sie?

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