Die Gasheizung: Noch kein Verbot, aber deutliche Einschränkungen


Ab 2024 müssen alle neuen Heizungsanlagen in Deutschland zu mindestens 65 % mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Ist diese neue Regelung gleichbedeutend mit einem Verbot der Gasheizung? Und welche Alternativen haben Hausbesitzer*innen ab 2024? Wir klären auf.

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Gasheizungsverbot – das ist der aktuelle Stand

Eines vorweg: Unabhängig von politischen Entscheidungen halten wir von Wegatech ein allgemeines Verbot von Gasheizungen für den richtigen Schritt. Vor allem aus Sicht des Klimaschutzes, aber auch aus einer rein wirtschaftlichen Perspektive hat die Gasheizung ihren Zenit längst überschritten.

Aktuell sehen die Beschlüsse der Bundesregierung jedoch kein allgemeines Verbot von Gasheizungen vor. Zwar wurde ein solches am 18. Juli dieses Jahres kurzzeitig beschlossen, aber nur um gerade einmal zwei Tage später wieder gekippt zu werden. Die Begründung hierfür war, dass das für 2024 vorgesehene Verbot von Gasheizungen schlicht nicht umzusetzen sei. Der aktuellste Gesetzesentwurf sieht wie folgt aus:

  • Ab 2024 dürfen in Deutschland nur noch Heizungsanlagen verbaut werden, die zu mindestens 65 % mit erneuerbaren Energien betrieben werden.
  • Alleinstehende Heizsysteme, die diese Vorgabe erfüllen, sind etwa die Wärmepumpe oder die Biomasseheizung
  • Aber auch Gasheizungen dürfen weiterhin alleine verbaut werden, wenn sie Biomethan, grünen Wasserstoff oder andere „grüne Gase“ als Brennstoff nutzen.
  • Zudem ist die Installation von Gasheizungen weiterhin in Kombination mit einer Biomasse- sowie Elektroheizung oder bei einem Fernwärmeanschluss möglich.

Da es sich hierbei lediglich um einen Entwurf des Bau- und Wirtschaftsministeriums und noch nicht um ein beschlossenes Gesetz handelt, sind weitere Änderungen vorbehalten.

Kommt in Zukunft ein vollständiges Verbot von Gasheizungen?

Im Juli dieses Jahres wurde ein allgemeines Verbot von Gasheizungen erstmals innerhalb der Regierung diskutiert. Auslöser dafür war der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und die damit einhergehende Sorge vor einem Gasengpass in Deutschland. Von diesem allgemeinen Verbot ist die Bundesregierung zwar mittlerweile wieder abgerückt, trotzdem sieht auch der aktuelle Gesetzentwurf einige erste Einschränkungen vor. So ist der Einbau einer Gasheizung, die ausschließlich Erdgas als Brennstoff nutzt, auch nach dem aktuellen Gesetzentwurf ab 2024 nicht mehr möglich. Man könnte hier also von einer Art „Gasheizungsverbot light“ sprechen.

In einigen Bundesländern gelten bereits ähnliche Einschränkungen, wie sie ab 2024 auch auf Bundesebene eingeführt werden sollen. So müssen Hausbesitzer*innen in Hamburg, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg schon heute mindestens 15 % ihres Wärmebedarfs regenerativ decken. Ob und in welchem Umfang weitere Bundesländer noch vor 2024 nachziehen werden, ist nicht klar.

Neue Fördersätze machen Gasheizungen noch unattraktiver

Am 15. August dieses Jahres hat das BAFA im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) neue Fördersätze für den Kauf einer Heizung beschlossen. Seit diesem Stichtag erhalten Gas-Hybridheizungen, die zuvor noch mit bis zu 45 % gefördert werden konnten, keine staatlichen Zuwendungen mehr. Grund dafür ist Deutschlands Bestreben, in den kommenden Jahren unabhängiger von Gas und anderen fossilen Energieträgern zu werden.

Stattdessen sieht das BEG einen Heizungs-Tausch-Bonus in Höhe von 10 % vor. Diesen erhalten Hausbesitzer*innen, wenn sie eine funktionstüchtige Öl-, Kohle- oder Nachtspeicherheizung gegen eine neue Heizungsanlage austauschen. Ebenso sind 10 % Förderung möglich, wenn eine funktionstüchtige und mehr als 20 Jahre alte Gasheizung ersetzt werden soll.

Die Wärmepumpe als Alternative zur Gasheizung

Gasheizungen sind zwar noch nicht de facto verboten, allerdings wird der Betrieb der fossilen Heizung zunehmend unattraktiv. Die gute Nachricht: Das klimaschonende “Erbe” der Gasheizung steht bereits in den Startlöchern; die Rede ist natürlich von der Wärmepumpe. Diese gilt als Schlüsseltechnologie der Wärmewende und ist schon heute das beliebteste Heizsystem im Neubau. Alleine im Jahr 2021 wurden knapp 150.000 neue Wärmepumpen installiert, Tendenz stark steigend. 

Wie funktioniert eine Wärmepumpe eigentlich?

Das Funktionsprinzip einer Wärmepumpe wird oft mit dem eines Kühlschranks verglichen, nur dass der Prozess hier umgekehrt abläuft. Soll heißen: Statt im Inneren zu kühlen und warme Luft nach außen abzugeben, nutzt die Wärmepumpe die Energie der Umgebung, um im Inneren des Hauses zu heizen. Dazu zapft die Wärmepumpe je nach Modell die Umgebungsluft, bodennahe Erdschichten oder aber das Grundwasser an und entzieht der jeweiligen Quelle Energie in Form von Wärme. Die aufgenommene Wärme wird dann in einem mechanischen Prozess auf ein höheres Temperaturniveau gehoben und in den Heizkreislauf des Hauses überführt. Wie genau dieser Prozess im Inneren der Wärmepumpe abläuft, erfahrt ihr in diesem Video:

So umfassend wird die Wärmepumpe gefördert

Wärmepumpen verursachen beim Heizen deutlich weniger CO₂-Emissionen als Öl- oder Gasheizungen. Genauer gesagt können Sie mit einer Wärmepumpe sogar emissionsfrei heizen, wenn Sie diese zu 100 % mit Ökostrom betreiben. Nutzen Sie hingegen den deutschen Strommix, sind es ca. 100 Gramm pro Kilowattstunde; bei Gasheizungen liegt der Wert bei knapp 250 g/kWh.

C02 Wärmepumpe vs Gasheizung

Wegen ihrer guten Ökobilanz wird die Wärmepumpe auch nach der Änderung im August weiterhin über die Bundesförderung für effiziente Gebäude bezuschusst. Konkret sieht die Förderung für Wärmepumpen aktuell wie folgt aus:

  • 25 % allgemeine Förderung beim Kauf einer Luft-, Erd- oder Grundwasser-Wärmepumpe
  • Weitere 10 % beim Austausch einer Öl-, Kohle, Nachtspeicher- oder über 20 Jahre alten Gasheizung
  • Plus weitere 5 % Wärmepumpenbonus, wenn es sich bei der Wärmepumpe um eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Propan als Kältemittel oder ein Sole-Wasser- oder ein Wasser-Wasser-Modell handelt

So können beim Kauf einer Wärmepumpe insgesamt bis zu 40 % der Investitionskosten eingespart werden. Dabei ist jedoch gut zu wissen: Der Wärmepumpenbonus von 5 % wird vor allem gewährt, um die teuren Bohrarbeiten bei einer Erd- oder Grundwasser-Wärmepumpe zu refinanzieren. Eine erhebliche Ersparnis gegenüber einer Luft-Wasser-Wärmepumpe lässt sich damit nicht erzielen.

Fazit: Die Gasheizung steht auch ohne Verbot vor dem Aus

Auch wenn vonseiten der Politik (noch) kein Verbot für Gasheizungen beschlossen wurde, steht die fossile Heizung unweigerlich vor dem Aus. Grund dafür sind vor allem die hohen Kosten für Erdgas, aber auch das Ende der Förderungen und klimafreundlichere Heizsysteme tragen dazu bei. Insbesondere die Wärmepumpe ist bereits heute eine echte Alternative zur Gasheizung. Das liegt einerseits natürlich an der großzügigen staatlichen Förderung, andererseits aber auch an der zukunftsweisenden Technologie, die Hausbesitzer*innen unabhängig von steigenden Rohstoffpreisen macht.

Wann und ob überhaupt jemals ein völliges Verbot der Gasheizung kommt, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht klar. Fest steht aber, dass die Politik langsam aber sicher den Ausstieg aus den fossilen Rohstoffen voranbringen möchte. Ein wichtiger Teil dieser Bestrebung wird auch die Dekarbonisierung des Wärmesektors sein. Und dieses Vorhaben wird über kurz oder lang nur gelingen, wenn keine neuen Gasheizungen mehr verbaut werden – ganz egal, ob mit oder ohne Verbot.

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