Hochwasser
Energiepolitik & Klimaschutz

So hart wird der Klimawandel Deutschland treffen

Die aktuelle Hochwasserkatastrophe führt uns nur zu deutlich vor Augen, dass der Klimawandel real ist. Nie dagewesene Wassermassen fordern Menschenleben, zerstören Existenzen und hinterlassen die betroffenen Gebiete in Verzweiflung. Die Aufräumarbeiten werden Jahre dauern, doch was ist, wenn der nächste Starkregen schon nächstes Jahr droht? 

Forschende sind sich einig: Extremwetterereignisse wie Trockenheit oder Überschwemmung werden in den nächsten Jahren deutlich zunehmen. Normalerweise ist der Jetstream dafür verantwortlich, dass sich kalte und warme Luftmassen mischen. Da der Jetstream jedoch durch das Temperaturgefälle zwischen den Polen entsteht, wird er mit zunehmender Erderwärmung schwächer. Das kann Extremwetterereignisse begünstigen. Noch ist der Einfluss des Jetstreams allerdings nicht zweifelsfrei bewiesen. 

Klar ist jedoch: Mit jedem Grad Erderwärmung verdunsten global 2% mehr Flüssigkeit. Die meiste Flüssigkeit stammt aus den Ozeanen. Des weiteren speichert die Luft nach einem Gesetz der Thermodynamik pro Grad Erderwärmung 7% mehr Wasserdampf. Das hat zur Folge, dass Niederschläge zunehmend heftiger und in kürzerer Zeit auftreten.

Prognose für Deutschland

Für Deutschland wird prognostiziert, dass bei einer Klimaerwärmung von 1,5 Grad vor allem in Süddeutschland stärkere Regenmassen zu erwarten sind. Kommt es zu einer Erderwärmung von 3 Grad, sind hingegen sogar die Küstenregionen stark betroffen. 

Grund hierfür ist, dass Deutschland geographisch in einer klimatischen Übergangszone liegt. Während Nordeuropa stärkere Niederschläge zu erwarten hat, wird Südeuropa künftig immer trockener werden. Diesem Gefälle beim Niederschlag steht ein Temperaturgefälle zwischen Ost und West gegenüber. In Ostdeutschland wird es bei 3 Grad Erderwärmung 0,5 Grad heißer sein, da sich der Atlantik hier weniger kühlend auf das Land auswirkt. 

Status Quo Klimaschutz in Deutschland

Aktuell liegt die Erderwärmung bereits bei etwa 1 Grad Celsius. Der Meeresspiegel in Cuxhaven ist bereits um 8,9 Zentimeter gestiegen. Bisher konnte Deutschland seine Emissionen gegenüber 1990 um 40% reduzieren. Bis 2030 strebt die Bundesregierung eine Reduktion der Emissionen um 65% an, 2040 sollen die Treibhausgase dann um 88% gemindert und 2045 schließlich Treibhausgasneutralität erreicht sein. Die aktuellen Maßnahmen der Regierung hierzu sind jedoch bei weitem nicht ausreichend. 

So ist der Kohleausstieg 2038 deutlich zu spät und müsste nach Ansicht von Klimaschützern bereits 2030 erfolgen. Problematisch sind außerdem vor allem die Emissionen im Verkehrs- und Gebäudesektor. Hier konnten bisher keine nennenswerten Veränderungen eingeläutet werden und weniger als 20% der Energie wird erneuerbar erzeugt. Im Verkehrsbereich kann sich das Elektroauto noch nicht durchsetzen und der Ausbau des Schienennetzes geht zu langsam voran. Bei der Wärmeversorgung ist ein Großteil der Bestandsgebäude nicht saniert und wird mit fossiler Energie beheizt.

Quelle: Umweltbundesamt

Damit die Wende hin zu Erneuerbaren auch hier gelingt, hat die Bundesregierung diesen Juni ihr Klimaschutzsofortprogramm für 2022 verabschiedet. Damit sollen weitere 8 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden. Unter anderem soll hiermit die Bundesförderung für effiziente Gebäude gestärkt werden, die Sanierungen und den Tausch von Heizungsanlagen bezuschusst. 

Wir alle können Klimaschützer werden

Doch nicht nur die Regierung kann etwas tun. Wir alle können Klimaschützer werden. Meist sind es vor allem die großen Stellschrauben, die wirklich etwas bewirken. So hat das Wohnen einen großen Einfluss auf den persönlichen Fußabdruck. Je weniger Wohnfläche wir haben, desto niedriger sind auch die CO2-Emissionen. Außerdem kann eine gute Gebäudedämmung oder der Umstieg auf eine Wärmepumpenheizung den Fußabdruck reduzieren. Eine eigene Solaranlage kann auch die Stromversorgung größtenteils erneuerbar gestalten. 

Auch die Mobilität trägt entscheidend zu unserem CO2-Ausstoß bei. Idealerweise sollte man natürlich zu Fuß gehen oder Fahrrad fahren. Ist dies aber nicht möglich, können auch die Bahn oder ein Elektroauto, das mit Strom aus der eigenen Solaranlage geladen wird, genutzt werden. Auch im Bereich Ernährung oder Verpackung kann sich jeder und jede von uns engagieren.

Aber nicht nur das Engagement im Privaten zählt. Um wirklich etwas zu bewegen, ist auch der Zusammenschluss und Dialog mit anderen wichtig – und natürlich auch das Ergebnis der anstehenden Bundestagswahl.

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