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So steht es um den Ausbau der Erneuerbaren Energien im Jahr 2022 – eine Zwischenbilanz

Wir haben die Halbzeit des Jahres 2022 erreicht. Der optimale Zeitpunkt also, um sowohl eine kurze Zwischenbilanz zum Ausbau der Erneuerbaren Energien zu ziehen als auch einen Blick in die Zukunft zu wagen.

Ganze 187 Tage ist das Jahr 2022 jetzt alt. Höchste Zeit also, einen Blick auf den Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland zu werfen und eine erste Zwischenbilanz zu ziehen. Dabei schauen wir uns an, wie hoch der derzeitige Ökostromanteil im deutschen Stromnetz ist, wie es um den Zubau von Wind- und Solarenergie steht und welche langfristigen Ziele die Ampel beim Ausbau der Erneuerbaren Energien verfolgt.

Fast 50% Ökostromanteil im deutschen Stromnetz

Eine erfreuliche Nachricht zum Start. Der Ökostromanteil im deutschen Stromnetz ist im ersten Halbjahr 2022 wieder deutlich nach oben geklettert. Das ergeben zumindest vorläufige Berechnungen des Branchenverbandes BDEW in Zusammenarbeit mit dem Stuttgarter Forschungsinstitutes ZSW. Kräftige Winde im Winter und ein sonniger Frühling haben dafür gesorgt, dass ca. 49% des deutschen Stromverbrauchs im ersten Halbjahr aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden konnte. Zum Vergleich: 2021 fiel der Ökostromanteil in Deutschland auf magere 41%; 2020 waren es noch etwas mehr als 45%. 

Die mit Abstand wichtigste Quelle erneuerbarer Energien war dabei die Onshore-Windkraft: also Windräder an Land. Ihr Anteil am deutschen Strommix stieg im ersten Halbjahr 2022 von zuvor 17% auf nun 21%. Auf dem zweiten Platz folgen Solaranlagen, die in den vergangenen sechs Monaten 12% des deutschen Stromverbrauchs deckten. Insgesamt kamen 139 Milliarden der im ersten Halbjahr produzierten 298 Milliarden Kilowattstunden Strom in Deutschland aus erneuerbarer Erzeugung. Von diesem Strom wurden 281 Milliarden Kilowattstunden im Inland verbraucht, die übrigen 18 Milliarden kWh wurden exportiert.

Solarausbau auf Kurs, Windkraft weit unter Soll

Damit der Anteil der Erneuerbaren Energien in den kommenden Jahren weiter wachsen kann, muss massiv in den Ausbau von Wind- und Solarenergie investiert werden. Der jährliche Umfang dieses Ausbaus ist im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verankert. Für das Jahr 2022 sieht dieses einen Zubau von 3 Gigawatt bei Wind und einen Zubau von 7 Gigawatt bei Photovoltaik vor. Nach etwas mehr als der Hälfte des Jahres scheint der Ausbau der Solarenergie voll auf Kurs. Hier wurden bisher knapp 3,5 GW neue Photovoltaikleistung installiert. Etwas anders sieht es hingegen beim Ausbau der Windenergie aus. Von den für 2022 geplanten 3 GW wurden bisher weniger als ein Drittel – um genau zu sein gerade einmal 0,84 GW – installiert. Grund dafür sind vor allem nach wie vor langwierige Genehmigungsverfahren und überhöhte Abstandsregeln wie beispielsweise die 10H-Regel im Bundesland Bayern.

Gerade beim Windkraftausbau muss sich also schnellstmöglich etwas ändern, zumal die Zubauziele in den kommenden Jahren massiv angehoben werden. So sollen 2023 bereits 4,5 GW, ein Jahr später 8 GW und ab 2025 jährlich 10 GW neuer Windenergieleistung in Deutschland zugebaut werden. Mit Blick auf das nach wie vor „laue Lüftchen“ in diesem Bereich scheint das Erreichen dieser Ziele jedoch noch in weiter Ferne.

Gemischte Gefühle mit Blick in die Zukunft

Ein erster Schritt hin zu einem schnelleren Ausbau der Windenergie könnte diesen Sommer mit der Verabschiedung der EEG-Novelle und der gesetzlichen Verankerung des Zwei-Prozent-Flächen-Ziels für die Windkraft erfolgen. Durch dieses Gesetz wären die Bundesländer dazu verpflichtet, bis 2032 zwischen 1,8 und 2,2 Prozent ihrer Landesfläche für den Bau von Windrädern freizugeben. Ein klarer Etappensieg für den Klimaschutz und ein wichtiges Zeichen gegen die anhaltende Anti-Windenergie-Lobby.

Aber nicht nur bei der Windenergie, sondern auch im Bereich Photovoltaik bringt die Novelle des EEG einige Verbesserungen mit sich. So soll die Degression (Absenkung) der Einspeisevergütung bis 2024 ausgesetzt werden und in der Folge nur noch 1% pro Halbjahr betragen. Diese Stabilisierung der Einspeisevergütung verbessert die Wirtschaftlichkeit von Photovoltaik und gibt vor allem privaten Haushalten eine erhöhte Planungssicherheit beim Bau einer PV-Anlage. Zudem wurde der Zubaukorridor für Photovoltaik ab dem Jahr 2026 von zuvor 20 GW auf 22 GW pro Jahr angehoben. 

Doch wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten. Denn: Die Novelle des EEG bringt mit der gesetzlichen Verankerung des Zwei-Prozent-Ziels und der Stabilisierung der Einspeisevergütung zwar viel Licht mit sich, aber sie hat sie auch einen großen Schatten. Das Ziel, die deutsche Stromversorgung bis 2035 auf 100% Ökostrom umzustellen, wurde allem Anschein nach ersatzlos aus dem Gesetzentwurf gestrichen. Die Regierungsparteien beteuern zwar weiterhin, den Ausbau der Erneuerbaren Energien massiv vorantreiben zu wollen; ein verbindliches Ziel für die Treibhausgasneutralität im Energiesektor fällt somit jedoch weg. 

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