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Passivhauskonzept – künftiger Gebäudestandard oder teure Lösung für Ökopioniere?

Passivhauskonzept – künftiger Gebäudestandard oder teure Lösung für Ökopioniere?

Das Konzept ist nicht neu – dennoch bleibt beim Passivhaus das Image der Pionierlösung haften. Die Mehrzahl der Architekten und Bauinterressenten hält ein Passivhaus immer noch für zu teuer und nicht massentauglich. Experten prognostizieren hingegen die EnEV werde schon in wenigen Jahren dem Passivhausstandard entsprechen. Damit wären dann alle künftigen Neubauten der Passivhausbauweise verpflichtet. Darüberhinaus werden sogar vermehrt Stimmen laut, die das Passivhauskonzept als veraltet abstempeln und fordern es müsse von Aktiv-, Nullenergie, oder Plusenergiehäusern abgelöst werden.

Warum das Passivhaus aktiver ist, als man denkt

Grundsätzlich ist ein Passivhaus ein Haus, welches seinen Wärmebedarf weitgehend ohne Energiezufuhr von außen decken kann. Um das zu ermöglichen, muss der Heizwärmebedarf so gering wie möglich gehalten werden. Im Detail darf er 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr nicht überschreiten. Solche Werte sind durch eine außergewöhnlich gute Dämmung der Gebäudehülle und eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung möglich. Außerdem werden Wärmebrücken um jeden Preis vermieden. Dies alles führt dazu, dass so wenig Energie wie möglich durch Transmission (Wärmeabgabe) der Gebäudehülle verloren geht. Doch woher kommt die restliche Energie? Denn ganz ohne Energiezufuhr kommt auch ein Passivhaus nicht aus. Der restliche Energiebedarf wird durch Sonnenenergie, die die Gebäudehülle erwärmt, bereitgestellt. Eine Mini-Wärmepumpe kann eine 100% Wärmeversorgung sicherstellen.

Das heißt, ein Passivhaus arbeitet eigentlich mehr als ein herkömmliches Haus, denn es kann seinen Energiebedarf weitgehend allein decken und ist fast nicht auf die Hilfe fossiler Brennstoffe angewiesen. Das Passivhaus verdankt seinen Namen jedoch dem Gedanken Sonnenenergie passiv zu nutzen, Energieverluste weitgehend zu vermeiden und somit passive Energiebewahrung vor Energieerzeugung zu stellen.

Umweltbilanz

Ein Passivhaus verbraucht 90% weniger Heizenergie als konventionelle Gebäude. Daher ist der Bezug von fossilen Energieträgern zur Beheizung auf ein Minimum beschränkt und der Großteil der CO2-Emissionen herkömmlicher Gebäude kann vermieden werden.

So viel mehr kostet ein Passivhaus

Die Baukosten eines Passivhauses liegen etwas über denen eines konventionell gebauten Hauses. Bei einem Reihenmittelhaus mit 100m² Wohnfläche in Hannover-Kronsberg lagen die Mehrkosten für das Erreichen des Passivhausstandards so zum Beispiel bei ca. 7.670€, bei einer Doppelhaushälfte in Nürnberg mit 130m² Wohnfläche bei 13.140€. Diese Mehrkosten sind auf qualitativ hochwertige Passivhauskomponenten (Fenster, Lüftung, Dämmung) zurückzuführen, können jedoch durch finanzielle Förderprogramme (z.B. KfW-Effizienzhaus-Förderung) und den Verzicht auf konventionelle Heizsysteme teilweise aufgefangen werden. Außerdem bringt die Passivhausbauweise eine Energiekosteneinsparung von ca 500 bis 1000 Euro jährlich mit sich, die die erhöhten Baukosten über die Zeit aufwiegt. Auf lange Sicht gerechnet ist das Passivhaus damit, im Vergleich zu einem konventionellen Haus, die günstigere Alternative.

Steuert die EnEV auf den Passivhausstandard zu?

Die EnEV (Energieeinsparverordnung) ist eine Verordnung, die den gesetzlich zulässigen Energiebedarf von Gebäuden regelt. Hauptanforderung der EnEV ist die Reduzierung des Primärenergiebedarfs. Das heißt, Neubauten dürfen immer weniger fossile Energie verbrauchen. Auch macht die EnEV Vorgaben hinsichtlich des Transmissionswärmeverlustes. Ähnlich wie beim Passivhaus, darf nur wenig Wärme über die Gebäudehülle verloren gehen. Diese Anforderung ist allerdings nur eine Nebenanforderung. Somit können nicht nur Gebäude mit geringem Energiebedarf, wie das Passivhaus, sondern auch Gebäude, die regenerativ Energie gewinnen, die Vorgaben der EnEV erfüllen.

Verringert sich der zulässige Wärmeverlust über die Gebäudehülle allerdings weiter, könnte der Heizwärmebedarf von Neubauten zukünftig trotzdem dem von Passivhäusern entsprechen. Fraglich ist jedoch, ob die Erhöhung der Dämmanforderungen nicht zuvor von Erneuerbaren Energielösungen gestoppt wird. Denn, wenn Solarthermie- oder Wärmepumpenanlagen günstig sind, können Sie größer dimensioniert werden und Wärmeverluste der Gebäudehülle ausgleichen. Selbst wenn der Heizwärmebedarf des Passivhauses für die EnEV übernommen würde, ist die EnEV im Gegensatz zum Passivhauskonzept technologie- und konzeptoffen. Daher werden, neben dem Passivhausstandard, vermutlich auch zukünftig mehrere Gebäudestandards koexistieren.

Das Passivhaus hat Konkurrenz

Der Passivhausstandard ist, wenn auch der wohl bekannteste und älteste, nicht der einzige existierende umweltfreundliche Gebäudestandard. Neben der Passivhausbauweise existieren noch zahlreiche andere Standards wie zum Beispiel der Nullenergiestandard, der Plusenergiehausstandard oder der Aktivhausstandard. Sie alle setzen, im Vergleich zum Passivhausstandard, verstärkt auf den Einsatz erneuerbarer Energien.

So hat ein Aktivhaus einen deutlich höheren Energiebedarf als ein Passivhaus. Der Bedarf wird jedoch erneuerbar, zumeist durch Photovoltaik, Wärmepumpen, Stromspeicher und Energiemanagementsysteme, gedeckt. Häuser, die genauso viel Energie (regenerativ) erzeugen wie sie benötigen, bezeichnet man als Nullenergiehäuser. Häuser, die mehr Energie erzeugen als Sie benötigen, sind sogenannte Plusenergiehäuser.

Andererseits ist der Gedanke der Eigenerzeugung inzwischen auch beim Passivhaus angekommen. Heutzutage werden auch Passivhäuser häufig mit einer Photovoltaikanlage zur Eigenerzeugung ausgestattet. Nicht selten führt dies dazu, dass Sie dann gleichzeitig zu Nullenergie oder Plusenergiehäusern werden.

Passivhausbauweise als künftiger Gebäudestandard?

Fest steht: Das Passivhaus ist sehr klimafreundlich und spart viel CO2 ein. Auch die Mehrkosten beim Bau werden durch erhebliche Energieeinsparungen und finanzielle Förderprogramme (z.B. KfW-Effizienzhaus-Standard), mit der Zeit ausgeglichen. Dennoch wird deutlich, dass das Passivhauskonzept für sich, nicht die Generallösung für das Haus der Energiewende darstellt.

Vermutlich werden künftige Gebäude vielmehr Mischlösungen unterschiedlicher Gebäudekonzepte aufweisen und so die Kluft zwischen Aktiv- und Passivbauweise zunehmend verwischen lassen. Ab einem gewissen Punkt sinkt die Effektivität der Dämmung der Gebäudehülle. Keine Dämmung der Gebäudehülle hingegen führt zu einer großen Menge an Primärenergiebedarf und folglich zu hohen Kosten bei erneuerbaren Heizsystemen, da diese überdimensioniert werden müssen und zudem ohne Dämmung nicht effektiv arbeiten können. Daher weisen bereits heute die meisten Gebäudekonzepte sowohl die Grundidee Minderung des Energiebedarfs als auch die Strategie der erneuerbare Energieerzeugung auf. Auch das Passivhaus wird heute meist mit Erneuerbaren Energieanlagen wie Photovoltaik ergänzt. Zum Teil auch, da der Einsatz erneuerbarer Energien bei Neubauten inzwischen ebenfalls Vorschrift ist. Lediglich die Schwerpunktsetzung ist noch unterschiedlich.

Werden also Erneuerbare Energien, und damit Aktivhäuser, das auf Dämmung beruhende Passivhauskonzept dominieren, oder umgekehrt? Dies hängt wesentlich von der Preisentwicklung Erneuerbarer Energien ab, als auch von den Kosten für Dämmmaterial. Eine technologieoffene Herangehensweise, wie sie die EnEV vorsieht, ist daher ein durchaus nicht unvernünftiger Ansatz. Allerdings sollte sichergestellt werden, dass, trotz aller Freiheit, die Klimaziele der Bundesregierung sicher erreicht werden.