Heizung erneuern – Zeitpunkt, Kosten und Umwelt im Blick

ARNE GONSCHOR

AKTUALISIERT AM: 08.07.2021

ARNE GONSCHOR
AKTUALISIERT AM: 08.07.2021

Wann ist der beste Zeitpunkt, um die Heizung zu erneuern? Welche Kosten kommen auf Sie zu und welche Kosten können eingespart werden? Und wie schützt Ihre neue Heizung die Umwelt? Die Antworten finden Sie hier.

Nahaufnahme des Thermostatventils und des zugehörigen Heizkörpers

Heizung erneuern – Der ideale Zeitpunkt

Nach 30 Jahren ist Schluss

Für viele Haushalte in Deutschland steht in den nächsten Jahren die Erneuerung Ihrer Heizung an. Denn ein Großteil der landesweit verbauten Heizungen ist 25 Jahre oder älter. Ein Blick auf die Energieeinsparverordnung (EnEV) verrät: Erreicht eine Öl- oder Gasheizung mit Konstanttemperatur Heizkessel eine Lebensdauer von 30 Jahren, muss die Anlage ausgetauscht werden.

Doch schon vorher lohnt es sich, die alte Heizung zu erneuern und gegen eine moderne Anlage wie ein Luft-Wasser-Wärmepumpe einzutauschen. Dieses Heizsystem nutzt eine Mischung aus Umgebungsluft (75%) und Strom (25%) als Energiequelle.

Hohe Energiekosten

Das große Problem mit alten Öl- und Gasheizungen ist nämlich ihre geringe Energieeffizienz. Was die Wenigsten wissen: Über 75 Prozent der Energiekosten im Haushalt entfallen auf Raumwärme und Warmwasser (Umweltbundesamt).

Eine – im ersten Moment kostspielige – Investition in eine neue Heizung ist somit lange vor Ablauf der 30 Jahre eine sinnvolle Idee. Sollten Sie also merken, dass Ihre Energiekosten – ohne dass sie mehr verbrauchen – Jahr für Jahr steigen, ist es wohl an der Zeit, Ihre Heizung zu erneuern.

Fossil, nachhaltig oder hybrid?

Eine entscheidende Frage ist dabei, auf welchen Energieträger Sie in Zukunft setzen wollen. Heizt die neue Heizung mit fossilen Brennstoffen oder wird es eine nachhaltige Lösung wie Solarthermie oder eine Wärmepumpe? Womöglich kommt für Sie aber auch eine Hybridlösung in Frage, wenn Sie Ihre Heizung erneuern?

Heizung erneuern – Was kostet der Umstieg?

Einer der entscheidenden Faktoren beim Neukauf eines Heizsystems sind die Kosten. Hier sind zwischen den verschiedenen Heizsystemen auf den ersten Blick klare Differenzen auszumachen. Möchten Sie Ihre Heizung erneuern, sollten Sie aber auch immer auf die laufenden Kosten und Fördermöglichkeiten schauen.

Im Neubau dürfen dabei schon seit 2016 fossile Heizungen nicht mehr alleinstehend eingebaut werden. Wollen Sie lediglich teilsanieren und Ihre Heizung erneuern, sind sie mit einer Hybridlösung oder Wärmepumpe schon heute auf der sicheren Seite.

Einmalige Investitionskosten

Öl- und Gasheizung

Mit dem neuen Klimapaket ist die Installation von Öl-Heizungen ab 2026 gänzlich verboten. Vom Kauf einer solchen Anlage ist somit heute schon abzusehen. 

Moderne Gasheizungen – sogenannte Gas-Brennwertheizungen – sind auch über das Jahr 2026 hinweg erlaubt. Dieses Heizsystem ist in der Anschaffung besonders kostengünstig. Der Preis für neuwertige Gasheizungen liegt je nach Größe zwischen 6.000€ und 9.000€. Allerdings fallen über die Lebensdauer der Anlage oft verhältnismäßig hohe Wartungskosten an.

HEIZSYSTEM

EINMALIGE KOSTEN

FÖRDERUNG

Gasheizung

6.000€ bis 9.000€

keine

Solarthermie

3.000€ bis 12.000€

30% BAFA-Förderung

Solarthermie + Gasheizung

ca. 11.000€

s. Förderung Solarthermie

Solarthermie + Wärmepumpe

bis zu 35.000€

s. Förderung Solarthermie & Wärmepumpe

Luft-Wasser-Wärmepumpe

15.000€ bis 25.000€

35-50% BAFA-Förderung

Solarthermie

Der Preis für Solarthermie hängt von der Nutzung der Anlage ab. Wird die Anlage lediglich zur Warmwassererzeugung angeschafft, liegen die Investitionskosten zwischen 3.000€ und 5.000€. Wollen Sie Solarthermie zur Erzeugung von Raumwärme nutzen, steigt der Anlagenpreis auf bis zu 12.000€. 

Beide Anlagentypen können dabei von der BAFA mit bis zu 30% gefördert werden, um die Investitionskosten zu senken. Solarthermie kann den Heizbedarf jedoch nur selten vollständig decken und muss daher meist mit anderen Systemen kombiniert werden.

Hybridlösungen

Wenn im Winter die Effizienz von Wärmepumpen sinkt und eine Solarthermieanlage nicht genug Wärme erzeugt, greift man auf Hybridlösungen zurück. Unter einer hybriden Lösungen versteht man dabei die Kombination einer Gasheizung mit Solarthermie oder einer Wärmepumpe. Die Kosten für eine neue hybride Heizungsanlage liegen zwischen ca. 11.000€ (Gas und Solarthermie) und 35.000€ (Gas und Wärmepumpe).

Luft-Wasser-Wärmepumpe

Die Wärmepumpe war bereits im letzten Jahr das beliebteste Heizsystem im Neubau. Wärmepumpen eignen sich jedoch auch bestens, wenn Sie Ihre alte Heizung erneuern möchten. Die Investitionskosten variieren und hängen stark von Größe, Hersteller und Modell ab. Prinzipiell kann man sagen, dass die einmaligen Kosten für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe zwischen 15.000€ und 25.000€ liegen. 

Durch die vielfältigen Fördermöglichkeiten für Wärmepumpen können diese Kosten jedoch um 35 bzw 45 Prozent gesenkt werden. Letzteres gilt, wenn eine alte Öl-Heizung ausgetauscht wird. Damit pendelt sich dieses Heizsystem nur noch geringfügig über dem Preisniveau von Hybridlösungen aus Öl- oder Gasheizung und Solarthermie ein. 

Einen vollständigen Vergleich aller Kosten bei Anschaffung einer neuen Heizung durch das BDWE finden Sie hier.

Funktionsprinzip Wärmepumpe
Funktionsweise einer Luft-Wasser-Wärmepumpe

Betriebskosten im Vergleich

Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit der neuen Heizung sind die laufenden Kosten.  Aktuell zahlen Verbraucher:innen für Erdgas ca 5,05 Cent pro kWh, für eine Kilowattstunde Leistung im Wärmepumpenstromtarif werden ca. 20 Cent fällig. Allerdings entfällt auch nur knapp ein Viertel der Heizleistung auf Strom. Umgebungsluft hingegen ist kostenlos und theoretisch unendlich verfügbar. 

Heizen mit einer Wärmepumpe ist also etwa gleich teuer wie der Einsatz einer Gasheizung. Auch eine Kombination von Gasheizung und Solarthermie bewegt sich auf diesem Kostenlevel. In Zahlen bedeutet das: Alle 3 Heizsysteme kommen auf ca. 1000€ Betriebskosten jährlich. Wärmepumpen mit einer JAZ über 3,5 haben in gut gedämmten Gebäuden jedoch schon heute einen leichten Kostenvorteil gegenüber den anderen Systemen.

Kostenfalle Gaspreis?

Wenn Sie Ihre Heizung erneuern, treffen Sie damit auch immer eine Entscheidung für die Zukunft. Gasheizungen, die heute günstig in der Anschaffung sind, können in Zukunft schnell zur Kostenfalle werden.

Der fossile Brennstoff Erdgas ist endlich und wird in den kommenden Jahren voraussichtlich merklich im Preis steigen. Durch diese Abhängigkeit blicken Sie mit einer Gasheizung – egal ob alleine oder in Kombination – einer zumindest preislich ungewissen Zukunft entgegen.

Vorteil Wärmepumpenstromtarif

Mit einem wie oben dargestellten Wärmepumpenstromtarif beziehen sie die Energie für Ihre Wärmepumpe zu gesonderten Konditionen. Möchten Sie Ihre Heizung erneuern und entscheiden sich für eine Wärmepumpe, sollten Sie auch diese Option berücksichtigen. Wird der Wärmepumpenstromtarif bei einem Ökostromanbieter abgeschlossen, kann eine Wärmepumpe sogar klimaneutral betrieben werden.

Wärmepumpe mit Photovoltaikanlage

Eine weitere kostengünstige und klimafreundliche Option ist die Kombination von Wärmepumpe und eigener PV-Anlage. Knapp 10 bis 15 Prozent des benötigten Stroms einer Wärmepumpe kann so durch selbst produzierte Solarenergie gedeckt werden. Statt 20 Cent aus dem vergünstigten Tarif zahlen Sie in diesem Fall sogar nur zwischen 10 und 12 Cent pro selbst erzeugter Kilowattstunde.

Heizung erneuern – Welches System schont die Umwelt?

Öl-Heizungen sind in den letzten Jahren vor allem ihrer Umweltbilanz wegen in Verruf geraten. Denn jeder Deutsche produziert knapp 1,3 Tonnen C02 allein durch das Beheizen seiner Wohnfläche.. Damit entfallen mehr als die Hälfte der Gesamtemissionen deutscher Haushalte auf diesen Bereich. Wenn Sie Ihre Heizung erneuern, sollten Sie also auch die CO2-Emissionen Ihres neuen Heizsystems im Blick haben.

CO2-Bilanz Gasheizung

Erdgas ist mit Blick auf die CO2-Bilanz der vermeintlich harmloseste fossile Brennstoff. Deshalb wird Erdgas gerne als Alternative zur Ölheizung angepriesen. Aber auch Erdgas ist mit einer CO2-Bilanz von 250 Gramm CO2 pro Kilowattstunde nicht wirklich klimafreundlich. Zusätzlich wird bei der Produktion oftmals das Treibhausgas Methan in größeren Mengen freigesetzt. Würde man diese Emissionen in die Bilanz von Erdgas mit einrechnen, würde sich der CO2 Ausstoß pro kWh deutlich erhöhen.

CO2-Ausstoß im Vergleich

CO2-Bilanz Wärmepumpe

Umgebungsluft als primärer Energielieferant ist völlig klimaneutral und frei von Emissionen. Die CO2-Bilanz einer Wärmepumpe hängt daher von einem entscheidenden Faktor ab – der Wahl des Stromtarifs. Heizen Sie beispielsweise mit dem deutschen Strommix (46% Ökostrom Ende 2020), läge die CO2-Bilanz Ihrer neuen Heizung bei 150 Gramm CO2 pro Kilowattstunde. Würden die restlichen 25 Prozent der benötigten Energie aus 100% erneuerbaren Quellen bezogen, könnten Sie mit einer Wärmepumpe sogar klimaneutral heizen.

Fazit

Wenn Sie Ihre Heizung erneuern, müssen Sie viele verschiedene Faktoren im Blick haben. Die Investitionskosten für eine neue Heizung können dabei schnell als der ausschlaggebende Punkt ausgemacht werden. Aber Vorsicht: Heute vermeintlich kostengünstige Gasheizungen können durch hohe Wartungskosten, steigende Gaspreise und künftige politische Entscheidungen schnell zur Kostenfalle werden.

Auf den ersten kostspielige Alternativen wie eine Luft-Wasser-Wärmepumpe sind in den letzten Jahren durch verschiedene Förderungen immer attraktiver geworden. Auch im laufenden Betrieb können durch geringe Wartungskosten, gesonderte Stromtarife und die mögliche Kombination mit Photovoltaik Kosten eingespart werden.

Mit Blick auf die CO2-Bilanz empfiehlt sich ebenfalls die Anschaffung einer Wärmepumpe. Steigt der Ökostromanteil im deutschen Strommix weiter an, sinken die Emissionen Ihrer neuen Heizung sogar von Jahr zu Jahr.

Heizung erneuern – Kosten sparen und die Umwelt schonen

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